Epidauros, Luftbild des Theaters.
Epidauros, Theater (Photo R. Gogräfe)
Epidauros, Theater (Photo J. Blänsdorf)
Epidauros, Theater (Photo J. Blänsdorf)

Maße

Dm cavea 119 m
Dm orchestra 19,5 m
Proskenion 21,99 x 3,17 m
Breite Bühnengebäude 48,5 m

Quellen

Öffnet externen Link in neuem FensterPausanias II 27,5:

πιδαυρίοις δέστι ϑέατρονν τῷ ἱερ μάλισταμο δοκεν ϑέαςξιον: τ μν γρωμαίων πολ δή τι καὶ ὑπερρκε τν πανταχο τ κόσμ, μεγέϑει δὲ Ἀρκάδων τὸ ἐν Μεγάλ πόλει: ρμονίας δὲ ἢ κάλλουςνεκαρχιτέκτων ποοςς μιλλαν Πολυκλείτ γένοιτ᾽ ἂνξιόχρεως; Πολύκλειτος γρ κα ϑέατρον τοτο κα οκημα τ περιϕερς ποιήσαςν.

„Die Epidaurier haben in dem Heiligtum ein Theater, das meiner Meinung nach besonders sehenswert ist. Denn die (Theater) der Römer übertreffen bei weitem alle andern überall durch ihre Ausstattung, das arkadische in Öffnet internen Link im aktuellen FensterMegalopolis tut es durch seine Größe. Welcher Architekt könnte aber wohl hinsichtlich Ebenmaß und Schönheit mit Polyklet wirklich in Wettbewerb treten? Denn Polyklet war es, der sowohl dieses Theater wie auch den Öffnet externen Link in neuem FensterRundbau (Öffnet externen Link in neuem Fensterdie Tholos) errichtet hat.“

Beschreibung

Das Theater von Epidauros gehört - wie viele andere Theater auch - zu einem Asklepiosheiligtum. Sein Zuschauerraum lehnt sich an einen Berghang. Der Baubeginn des Theaters wird aus stilistischen Gründen meist in den Beginn des 3. Jhs. v. Chr. datiert, von Pausanias hingegen mit dem Architekten Öffnet externen Link in neuem FensterPolyklet (dem Jüngeren) in Verbindung gebracht, der in Epidauros nachweislich bereits zwischen 365 und 360 v. Chr. aktiv war. Außerdem werden in einer inschriftlich festgehaltenen Bauabrechnung aus Epidauros der Jahre zwischen 330 und 320 v.Chr ein theatron, Sitzreihen und Ehrensitze genannt, was sich chronologisch leichter mit dem Wirken des Architekten Polyklet verbinden läßt (W. Peek, Neue Inschriften aus Epidauros, Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse, Band 63, Heft 5, Berlin 1972, 19; SEG XXV 394; Öffnet externen Link in neuem FensterPHI). Nach der traditionellen archäologischen Datierung wäre das Theater etwas jünger als das athenische Dionysos-Theater des Lykurg. Die cavea ist nach verbreiteter Meinung in der 1. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. erweitert worden, nach Überlegungen Käppels jedoch nur als einheitliche Bauplanung zu verstehen. Sie besteht im unteren Rang aus 12 cunei bzw. kerkides, der Umgang und die summa cavea mit der doppelten Anzahl cunei gehören zur Erweiterung des 2. Jhs. wie auch der Einsatz der Sitze mit Rückenlehnen. Es gibt keine Inschriften für Sitzplatzberechtigte. In der Mitte der kreisrunden Orchestra erhielt sich ein Block als zentraler Messpunkt, der auch für die Basis des Altars des Theaters gehalten wurde.  Vom Bühnengebäude erhielten sich nur Fundamente. Die seitlichen Parodoi führten durch ein doppeltes Tor mit einem ionischen Abschlußgesims. Vom einen Durchgang gelangte man in die Orchestra, vom anderen über eine Rampe auf die erhöhte Bühne, das sog. Logeion. Das Proskenion besitzt an den Seiten risalitartige Vorsprünge und wurde von Pfeilern mit ionischen Halbsäulen gegliedert. Zwischen die Pfeiler konnten Pinakes eingelassen werden, zwischen den mittleren Pfeilern ließen sich sich Zapflöcher für eine zweiflügelige Tür beobachten. Hintergrund der erhöhten Bühne ware eine 5-torige Bühnenwand, mit der möglicherweise in der erwähnten Bauabrechnung aufgeführte 32 Stützen und 109 Fensterstöcke und/oder Türpfosten zu verbinden sind. Dies ließe sich nur mit großen Öffnungen in der Bühnenrückwand erklären, also die sog. Thyromata. Neben Öffnet internen Link im aktuellen FensterDodona und Öffnet internen Link im aktuellen FensterKassope deutet auch hier der Befund auf das Vorkommen der Thyromata nicht erst im Hellenismus, sondern bereits in spätklassischer Zeit.

Zuschauer: 12.000-12.500

Ausstattung

Asklepios-Statue:

Literatur: H. Schwingenstein, Die Skulpturenausstattung des griechischen Theatergebäudes. Münchener archäologische Studien 8 (München 1977) 53.

Statuettengruppe mit Asklepios, Hygieia und weiblicher Figur:

Literatur: H. Schwingenstein, Die Skulpturenausstattung des griechischen Theatergebäudes. Münchener archäologische Studien 8 (München 1977) 53.

Literatur

Öffnet externen Link in neuem FensterE.R. Fiechter, Die baugeschichtliche Entwicklung des griechischen Theaters (München 1914) 15-17.

A. Fossum, Harmony in the Theater of Epidaurus, AJA 30, 1926, 70 ff. (Öffnet externen Link in neuem FensterJSTOR)

P.E. Arias, Il teatro greco fuori di Atene (Florenz 1934) 88-95.

O.A.W. Dilke, Details and Chronology of Greek Theatre Caveas, The Annual of the British School at Athens 45, 1950, 60-62. (Öffnet externen Link in neuem FensterJSTOR)

A. von Gerkan – M. Müller-Wiener, Das Theater von Epidauros (Stuttgart 1961).

A. Burford, Notes on Epidaurean Building Inscriptions, The Annual of the British School at Athens 61, 1966, 296-300. (Öffnet externen Link in neuem FensterJSTOR)

A. Burford, The Greek Temple-Builders at Epidauros (London 1969) 76 f.

G. Forni, Enciclopedia dell’Arte Antica, Supplemento 1970 (Rom 1973) 774 s. v. teatro.

H. Schwingenstein, Die Skulpturenausstattung des griechischen Theatergebäudes, Münchener archäologische Studien, 8 (München 1977) 53.

L. Polacco, La fronte di retroscena del teatro di Epidauro, Numismatica e Antichità Classiche 7, 1978, 83-93.

L. Käppel, Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 104, 1989, 83-106.

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C. Courtois, Le bâtiment de scène dans les théâtres antiques de l'Italie et de la Sicile. Étude chronologique et typologique (Löwen 1989) 40.

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H. Windfeld-Hansen, Die Grundrißdispositionen der griechischen und römischen Theater bei Vitruvius und geometrische Konstruktionsregeln für antike und altchristliche Zentralbauten, Boreas 23/24, 2000/2001, 135.

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weblinks:

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Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.beazley.ox.ac.uk/xdb/ASP/recordDetailsLarge.asp?recordCount=81&id={DFD4C50D-BBC0-4E99-97FD-A46E63343C86}&returnPage=&start=0

Veranstaltungen

Asklepieia:

Literatur allg.: D.H.J. Larmour, Stage and Stadium. Drama and Athletics in Ancient Greece, Nikephoros Beihefte 4 (Hildesheim 1999) 171.

Siegerinschrift eines Flötenspielers aus dem frühen 3. Jh. n. Chr., FdD III 1, Nr. 550, Z. 5;

Literatur: P. Herz, Die musische Agonistik und der Kunstbetrieb der Kaiserzeit, in: J. Blänsdorf (Hrsg.), Theater und Gesellschaft im Imperium Romanum. Mainzer Forschungen zu Drama und Theater 4 (Tübingen 1990) 186.

Ehreninschrift eines Kitharöden, gefunden in Öffnet internen Link im aktuellen FensterSmyrna, CIG 3208; IGRR IV 1432 (severisch).
Siegerinschrift des Valerius Eklektus aus Sinope, in Athen, nach 248 n. Chr., CIA III 129; Öffnet internen Link im aktuellen FensterIG III 1, 129.