AKRAIPHIAI, Apollon-Ptoios-Heiligtum (Böotien, Achaea)

Literatur

A. K. Orlandos, Deltion 1, 1915, 94-110, bes. 110.
Guillon, Les trépieds du Ptoion II (Paris 1943) 152.
A. Schachter , The Cults of Boeotia 1. Acheloos to Hera, British Institute for Classical Studies Suppl. 38,1 (London 1981-1994) 69.

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Beschreibung

Die inschriftlichen Hinweise auf Agone bei den Festen zu Ehren des Apollon Ptoios und den Soteria deuten auf die Existenz eines Theaters (vgl. CIG 1625,57), das aus archäologischer Seite aber unbekannt ist.

Veranstaltungen

Ptoia:

Die offiziell als „Opfer und Wettkampf des Ptoion“ bezeichneten Spiele waren pentaeterisch und standen unter der Leitung eines von Akraiphia gewählten Agonotheten. Er hatte u.a. das Proskenion in Ordnung zu halten (IG VII 4149, Z. 17. 22). Der Agon war stephanites und thymelikos, d.h. es war ein Kranzagon – der Sieger erhielt kein Geld, sondern einen Siegeskranz – und war ein sog. thymelischer Agon, also auf den Altar des Dionysos im Theatron bezogen, was praktisch bedeutet, daß es ein Agon mit musikalischen Aufführungen war, im Unterschied zu den sog. skenikoi agones, die dramatische Aufführung beinhalteten. Nach den epigraphischen Zeugnissen waren die Agone rein musikalisch und beinhalteten keine dramatischen Aufführungen.

Literatur: M. P. Nilsson, Griechische Feste von religiöser Bedeutung (Leipzig 1906) 162-164.
I. Ringwood Arnold, Agonistic features of Local Greek Festivals chiefly from Inscriptional Evidence (Dissertation Columbia 1927) 41 f.
Pauly-Wissowa Realencyclopädie 23,2 (Stuttgart 1959) 1547-1553 s. v. Ptoion (S. Lauffer).
A. M. Bergmans, Muzische Wedstrijden in Hellenistisch Beotië, Dissertation Brüssel 1977/78, 117-141.
A. Schachter , The Cults of Boeotia, British Institute for Classical Studies Suppl. 38,1 (London 1981-1994) 70-72.
M. Wörrle, Stadt und Fest im kaiserzeitlichen Kleinasien. Studien zu einer agonistischen Stiftung aus Oinoanda. Vestigia 39 (München 1988) 199. 245.
D. H. J. Larmour, Stage and Stadium. Drama and Athletics in Ancient Greece, Nikephoros Beihefte 4 (Hildesheim 1999) 173 f.

Zum Begriff Thymele und thymelische Agone:

J. Frei, De certaminibus thymelicis, Dissertation Basel 1900, bes. 30 ff.
E. Bethe, Thymeliker und Skeniker, Hermes 36, 1901, 597-601; vgl. Hermes 37, 1902, 249-257.
A. S. F. Gow, On the meaning of the word qumelh, Journal of Hellenic Studies 32, 1912, 213-238.
Pauly-Wissowa Realencyclopädie VI A 1, 2. Reihe (Stuttgart 1936) 700-704 s. v. qumelh (C. Fensterbusch).
F. Robert, Thymélè. Bibliothèque de l’école français d’Athènes et de Rome (Paris 1939).
H. Lloyd-Jones, The Seal of Poseidippus, Journal of Hellenic Studies 83, 1963, 82.
H.-D. Blume, Einführung in das antike Theaterwesen (Darmstadt 1978) 73.

Bestimmungen zu den Agonen bei den Ptoia, IG VII 4135:

„ … Tage auf dem Hinweg und auf dem Rückweg ebensoviele und solange das Fest gefeiert wird, für sie selbst und ihre Begleitung und für das, was sie mitführen an Habe allerorten. Wenn aber jemand gegen diese Bestimmungen jemanden gewaltsam wegführt oder an ihm Pfand nimmt, soll er sich vor den Amphiktyonen verantworten. Es soll aber auch das Heiligtum des Apollon Ptoios in Akraiphia in der Weise die Asylie genießen, wie die Stelen es abgrenzen, so wie das Heiligtum in Delphi. Gegen das übrige dem Apollon Ptoios geweihte Land soll sich niemand einen Übergriff leisten. Wenn sich jemand einen Übergriff leistet, soll er sich vor den Amphiktyonen verantworten. Der heilige Friede und die Sicherheitsgarantie sollen am 15. des Monats Hippodromion gemäß der Gottheit (=nach dem Mondumlauf) nach dem böotischen Kalender beginnen, nach dem delphischen (am 15.) Apellaios. Die Vollmacht zur Verwaltung der Angelegenheiten des Heiligtums soll beim Prophetes liegen, beim Priester des Apollon Ptoios, der Stadt der Akraiphier und beim Bund der Böotier, wie bisher, sowie bei den Agonotheten, der für die Spiele der Ptoia benannt wird. Aufzeichnen soll den Beschluß auf Stelen Ptoiokles, Sohn des Potamodoros, und aufstellen, eine im Heiligtum des Apollon in Delphi, eine im Heiligtum des Ptoios in Akraiphia, die (dritte) an der Pylaia (Thermopylen?). Auch in anderen Heiligtümern soll man sie aufstellen, wo man es am besten befindet. Wenn ein Verstoß gegen den Beschluß der Amphiktyonen geschieht, soll der Übeltäter 2.000 Statere bezahlen und dazu die Schadenssumme. Die Summe, auf die erkannt ist, soll dem Apollon Ptoios geweiht sein. Den Beschluß sollen die Hieromnemonen an ihre jeweiligen Städte und Stammesverbände übermitteln, damit alle wissen, was die Amphiktyonen beschlossen haben. Kalliklidas, Lokrer aus Opus, stieg in das Trophoneion hinab und kündete daraufhin, Lebadeia sei dem Zeus Basileus und dem Trophonios zu weihen und Akraiphia dem Apollon Ptoios und niemand dürfe sie beeinträchtigen. So sollen beide gemeinsam die heiligen Gelder zu ihrem Heil im gesamten Gebiet und den Agon als heilig ankündigen. Wer den Tempel des Zeus Basileus besorgt, soll den Kranz tragen ….“

Literatur zur Inschrift: K. Brodersen – W. Günther – H. H. Schmitt, Historische griechische Inschriften in Übersetzung, III. Der griechische Osten (250-1 v. Chr.), Texte zur Forschung 71 (Darmstadt 1999) 22 f. Nr. 416.

Bezeichnung der Wettbewerbe der Ptoia in einer Siegerliste des 1. Jhs. v. Chr., IG VII 4147
folgt)

Bezeichnung der Wettbewerbe der Ptoia in einer Siegerliste des 2. Jhs. v. Chr., IG VII 4151:
(Text folgt)

Bezeichnung der Wettbewerbe der Ptoia in einer Siegerliste des 2. Jhs. v. Chr., IG VII 4152:
(Text folgt)

Bezeichnung der Wettbewerbe der Ptoia in einer Siegerliste des 3. Jhs. v. Chr., IG VII 2726:
(Text folgt)

Siegerliste des 3. Jhs.n. Chr., L. Bizard, Une inscription du sanctuaire d’Apollon Ptoios trouvée à Larymna, Bulletin de la Correspondence Hellénique 27, 1903, 297.
(Text folgt)

Große Ptoia und Kaisareia:

Hierbei handelt es sich um die durch eine Stiftung eines Epaminondas aus Akraiphia wiederbelebte Form der alten Ptoia, die nun zu Ehren des Apollon Ptoios und des römischen Kaisers abgehalten wurden. Sie dauerten wenigstens 10 Tage.

IG VII 2712:
(Text folgt)

Literatur zur Inschrift: A. Wilhelm, Jahreshefte des österreichischen archäologischen Instituts 10, 1907, 26.; L. Robert, Études sur les inscriptions et la topographie de la Grèce centrale, Bulletin de la Correspondence Hellénique 59, 1935, 441-444; Arxaiologikh Efemerij 1969, 34-39; Puly-Wissowa Realencyclopädie 23,2 (Stuttgart 1959) 1551 Z. 5; 1562 s. v. Ptoion (S. Lauffer); M.-H. Quet, La fête. Pratique et discours, Annales litt. Université Besançon 262, 1981, 52 f.; P. Roesch, Études béotiennes (Paris 1982) 231; A. Schachter , The Cults of Boeotia 1. Acheloos to Hera, British Institute for Classical Studies Suppl. 38,1 (London 1981-1994) 209; P. Veynes, Le pain et le cirque (Paris 1976) 285 f.; M. Wörrle, Stadt und Fest im kaiserzeitlichen Kleinasien. Studien zu einer agonistischen Stiftung aus Oinoanda. Vestigia 39 (München 1988) 186. 190; A. Chaniotis, Der Kaiserkult im Osten des römischen Reiches im Kontext der zeitgenössischen Ritualpraxis, in: H. Cancik/K. Hitzl (Hrsg.), Die Praxis der Herrscherverehrung in Rom und seinen Provinzen (Tübingen 2003) 11; K. Harter-Uibopuu, Kaiserkult und Kaiserverehrung in den Koina des griechischen Mutterlandes, ebda. 214-217.

Soteria:

Inschriftlich ist bei dem Fest zu Ehren des Zeus Soter die Aufführung von Satyrspielen, Komödien und Tragödien überliefert.

Literatur allgemein:
I. Ringwood Arnold, Agonistic features of Local Greek Festivals chiefly from Inscriptional Evidence (Dissertation Columbia 1927) 43 f.
A. Schachter , The Cults of Boeotia, British Institute for Classical Studies Suppl. 38 (London 1981-1994) III 93-95.
D. H. J. Larmour, Stage and Stadium. Drama and Athletics in Ancient Greece, Nikephoros Beihefte 4 (Hildesheim 1999) 174.

Inschriften

Siegerliste, CIG 1587; IG VII 2727:

Literatur zur Inschrift: H. J. Mette, Urkunden dramatischer Aufführungen in Griechenland. Texte und Kommentare 8 (Berlin – New York 1977) 62.