Quellen

Berühmt war die skandalöse Behandlung einer römischen Gesandtschaft im Theater von Tarent im Jahre 282 v. Chr. wegen der Versenkung römischer Schiffe vor der unteritalischen Küste:

Livius XXV 10, 1-9:

Iam tumultus erat clamorque, qualis esse in capta urbe solet; sed quid rei esset nerno satis pro certo scire. Tarentini Romanos ad diripiendam urbern credere coortos; Romanis seditio aliqua cum fraude videri ab oppidanis mota. Praefectus primo excitatus tumultu in portum effugit; inde acceptus scapha in arcem circumvehitur. Errorem et tuba audita ex theatro faciebat; nam et Romana erat, a proditoribus ad hoc ipsum praeparata, et inscienter a Graeco inflata, quis aut quibus signum daret, incertum efficiebat. Ubi inluxit, et Romanis Punica et Gallica arma cognita tum dubitationern exemerunt, et Graeci Romanos passim caede stratos cernentes, ab Hannibale captam urbern senserunt. Postquam lux certior erat et Romani, qui caedibus superfuerant, in arcem confugerant conticiscebatque paulatim tumultus, tum Hannibal Tarentinos sine armis convocari iubet. Convenere omnes, praeterquam qui cedentes in arcem Romanos ad omnem adeundam simul fortunam persecuti fuerant. Ibi Hannibal benigne adlocutus Tarentinos testatusque, quae praestitisset civibus corum, quos ad Trasumennum aut ad Cannas cepisset, simul in dominationem superbam Romanorum invectus, recipere se in domos suas quemque iussit et foribus nomen suum inscribere; se domos eas, quae inscriptae non essent, signo extemplo dato diripi iussurum.

„Schon gab es Lärm und Geschrei, wie üblich in einer eroberten Stadt; aber niemand wußte sicher, was vor sich ging. Die Tarentiner glaubten, die Römer hätten sich an die Plünderung der Stadt gemacht; den Römern schien es ein hinterlistiger Aufstand der Städter. Der Besatzungskommandant verlor gleich beim ersten Durcheinander den Kopf und floh zum Hafen. Dort wurde er in einen Kahn aufgenommen und fuhr zur Burg herum. Verwirrung erregte auch eine Trompete, die vom Theater her zu hören war; denn es war zwar eine römische, die die Verräter zu diesem Zweck bereitgehalten hatten. Da sie aber andererseits von einem Griechen ungeschickt geblasen wurde, war man sich nicht sicher, wer und wem er das Zeichen gab. Bei Tagesanbruch ließ freilich der Anblick der punischen und gallischen Waffen den Römern keinen Zweifel mehr; und die Griechen, die überall erschlagene Römer liegen sahen, merkten jetzt, daß Hannibal die Stadt erobert hatte. Als es heller geworden war und die Römer, die dem Gemetzel entronnen waren, sich auf die Burg geflüchtet hatten und der Lärm sich allmählich beruhigte, ließ Hannibal die Bewohner von Tarent ohne Waffen zusammenrufen. Alle fanden sich ein außer denen, die den Römern gefolgt waren, als diese auf die Burg entwichen, um jedes Schicksal mit ihnen zu teilen. Hier redete Hannibal die Tarentiner gnädig an und berief sich darauf, was er ihren Mitbürgern, die er am Trasimennischen See und bei Cannae gefangen hatte, getan habe. Gleichzeitig zog er gegen die überhebliche Herrschaft der Römer los und befahl allen, sich in ihre Häuser zu begeben und ihren Namen an die Haustür zu schreiben; er werde die unbezeichneten Häuser auf ein Zeichen hin sofort plündern lassen.“

Appian, Samn. VII 1-7:

„Cornelius unternahm mit zehn Kriegsschiffen eine Erkundungsfahrt der Küste von Großgriechenland entlang. Nun lebte zu Tarent ein Demagoge namens Philocharis, der ein berüchtigtes Dasein geführt hatte und deshalb Thais genannt wurde. Der erinnerte die Tarentiner an einen alten Vertrag, wonach die Römer nicht über das Vorgebirge Lacinium hinausfahren durften, hetzte so seine Mitbürger auf und veranlasste sie, gegen Cornelius in See zu gehen. Vier seiner Schiffe versenkten sie, eines wurde von ihnen samt der Mannschaft gekapert. Außerdem beschuldigten sie die Einwohner von Thurioi, daß sie, obgleich Griechen, statt bei ihnen bei den Römern Zuflucht gesucht hätten und nun die Hauptschuld daran trügen, wenn jene über die Grenzen hinausgefahren seien. Darauf vertrieben sie die angesehensten Bürger von Thurioi, plünderten ihre Stadt und ließen die römische Besatzung unter vertraglichem Schutz abziehen. Als die Römer von den Vorgängen erfuhren, schickten sie eine Gesandtschaft nach Tarent und verlangten, daß sie die Gefangenen, die sie nicht im Krieg, sondern beim bloßen Zuschauen gemacht hätten, zurückgäben; außerdem sollten sie die von ihnen vertriebenen thurischen Bürger in ihre Stadt heimkehren lassen, das geplünderte Gut ... (herausgeben) bzw. den Wert etwaiger Verluste ersetzen, schließlich auch, wenn sie Freunde der Römer bleiben wollten, die Anstifter des Verbrechens ausliefern. Die Tarentiner gestatteten nur ungern den Gesandten, vor der Volksversammlung aufzutreten, und verspotteten sie dann, wenn sie in ihrem Griechisch einen Fehler machten. Auch über ihre Kleidung und den Purpursaum erheiterten sie sich.  Ein Spaßmacher und Possenreißer namens Philonides trat sogar auf (L.) Postumius  (Megellus), den Anführer der Gesandtschaft, zu, drehte ihm das Hinterteil hin, bückte sich, hob sein Gewand und besudelte das Kleid des Gesandten. Das Schauspiel brachte das Theater zum Lachen, doch Postumius hielt sein beflecktes Kleidungsstück vor sich hin und sagte: «Reinigen werdet ihr es mit Strömen von Blut, ihr Menschen, die ihr an derartigen Scherzen Gefallen findet!» Da nun die Tarentiner eine Antwort verweigerten, reisten die Gesandten ab, Postumius aber wusch den Schmutzflecken von seinem Kleide nicht ab, sondern zeigte ihn den Römern.“

Plutarch, Pyrrhos XVI 2 (Öffnet externen Link in neuem Fenstergriechischer Text)
(Text folgt)

Polybios I 6,5
(Text folgt)

Dio. Hal. XIX 5, 1-19; 6, 1 (Öffnet externen Link in neuem Fensterengl. Übersetzung)
(Text folgt)

Cassius Dio fr. XXXIX 5
(Text folgt)

Val. Max. II 2, 5
(Text folgt)

Florus I 13, 18, 5
(Text folgt)

Orosius, adv. paganos 4, 1 (IV, I, 2, 4)
(Text folgt)

Polybios VIII 30,7 (Öffnet externen Link in neuem Fenstergriechischer Text)
(Text folgt)

Hesychius s.v. auleterion

Beschreibung

Der Ort des Theaters griechischer Zeit scheint nicht sicher identifiziert zu sein, ebenso wenig ist aus archäologischer Sicht über einen römischen Theaterbau bekannt.

Literatur

F.M. Pratilli, Della Via Appia, ricercata e descritta da Roma a Brindisi (Neapel 1745) 458. 495.

F. Lenormant, La Grande Grèce, I (Paris 1881) 105.

L. Viola, NSc 1881, 406 f.

G.B. del Lago, Rivista storica dell'antichità 2/I, 1896/97, 7.

P. Wuilleumier, Tarente des origines à la conquête romaine, BEFAR (Paris 1939) 249.

B. Pace, Dioniso 10, 1947, 271 f.

A. Frova, Edifici per spettacolo delle regioni II e III, in: APARCHAI - Nuove ricerche e studi sulla Magna Grecia e la Sicilia antica in onore di Paolo Enrico Arias, II = Bibl. di studi antichi 35 (Pisa 1982)  407. 427.

K. Mitens, Teatri greci e teatri ispirati all’architettura greca in Sicilia e nell’Italia meridionale c. 350-50 a. C., Analacta Romana Suppl. 13 (1988) 148.

O. Taplin, Comis Angels and Other Approaches to Greek Drama through Vase-Paintings (Oxford 1993) 12 ff.

P. Ciancio Rossetto – G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, II (Rom 1996) 54.

F. Bernstein, Ludi publici Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung der öffentlichen Spiele im republikanischen Rom, Historia Einzelschriften 119 (Stuttgart 1998) 235.

G. Tosi, Gli edifici per spettacoli nell'Italia romana (Rom 2003) 221 f.

F. Sear, Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford Monographs in Classical Archaeology (Oxford 2006) 144.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterReflexe des Theaterlebens

Relief eines Chormitgliedes; AO: Tarent Museum 6166:

Das Relief ist Teil einer Metope und gehörte vermutlich zu einem Öffnet internen Link im aktuellen Fensterchoregischen Denkmal.

Lit.: J.C. Carter, The sculpture of Taras, Transactions of the American Philosophical Society 65-7, 1975, 58 Nr. 113 Taf. 20c (Öffnet externen Link in neuem FensterJSTOR); R.J. Green, Tragic Chorusmen in Taranto and Athens, Ostraka 21, 2012 [2014], 155-164.  (Öffnet externen Link in neuem Fensteracademia.edu)

Personen des Theaters

Öffnet externen Link in neuem FensterAristoxenos

Lit.: St.I. Kaiser, Die Fragmente des Aristoxenos aus Tarent. Neu herausgegeben und ergänzt, erläutert und übersetzt von Stefan Ikarus Kaiser, Spudasmata 128 (Hildesheim - Zürich - New York 2010).

Öffnet internen Link im aktuellen FensterLivius Andronicus

Öffnet internen Link im aktuellen FensterRhinton

 

Veranstaltungen

Dionysien:

Cassius Dio IX 39, 5 (vgl. Zonaras 8,2):

„Lucius wurde von den Römern nach Tarent entsandt. Die Tarentiner aber feierten die Dionysien und saßen eines Nachmittags gerade weintrunken im Theater, als sie Verdacht schöpften, der Römer fahre gegen sie heran; sogleich stachen sie voller Erregung und zum Teil auch unter Einwirkung des Rausches ihrerseits in See, und ohne daß Lucius irgendwelche Gewalt angewendet oder irgendwie mit einer Feindseligkeit gerechnet hätte, griffen sie an und versenkten ihn zusammen mit vielen anderen. (6) Die Römer erfuhren davon und waren natürlich sehr aufgebracht, doch wollten sie nicht sogleich mit dem Krieg gegen Tarent beginnen. Indessen schickten sie Gesandte, um nicht den Eindruck zu erwecken, als hätten sie den Vorfall mit Stillschweigen übergangen, und auf diese Weise die Tarentiner noch kühner zu machen. Weit entfernt aber, sie gebührend aufzunehmen oder wenigstens mit einer angemessenen Antwort zu entlassen, spotteten die Tarentiner vielmehr, ehe sie noch den Römern Gehör schenkten, sogleich über deren Kleidung und sonstige äußere Erscheinung. (7) Es war die städtische Tracht, die wir auf dem Forum benützen, und die Gesandten hatten sie angelegt, entweder um würdig aufzutreten oder aus Vorsicht, damit die Tarentiner wenigstens deshalb vor ihnen Achtung hätten. Doch Scharen von Schwärmern verspotteten sie sie feierten auch damals ein Fest und betrugen sich, obschon zu keiner Zeit als besonders beherrschte Leute bekannt, noch übermütiger -, bis schließlich einer dem Postumius in den Weg trat, sich bückte, sein Inneres erleichterte und damit das Kleid des Gesandten beschmutzte. (8) Lautes Geschrei darüber bei dem ganzen übrigen Haufen, der den Kerl lobte, als wenn er wunder was getan hätte, auf die Römer aber unter Klatschen und Luftsprüngen viele Spottverse sang. Da meinte Postumius: „Lacht nur, lacht, solange ihr könnt! Denn lang, lang werdet ihr weinen müssen, wenn ihr dieses Kleid mit euerem Blute reinwascht.“

Allgemein:

Tarent war im 4. und 3. Jh. v. Chr. für seine immerwährenden Spiele weithin bekannt:

Theopomp von Chios, FGrH 115 Frg. 233 p. 586 = Athenaios IV 166 e-f:
(Text folgt)

Finanzierung von Spielen in Tarent, Öffnet externen Link in neuem FensterAE 1896, 93.

Lit:: J. Blänsdorf, Das römische Theaterwesen der Kaiserzeit im Spiegel der Inschriften, in: J. Fugmann u.a. (Hrsg.), Theater, Theaterpraxis, Theaterkritik im kaiserzeitlichen Rom, Kolloquium anläßlich des 70. Geburtstages von Prof. Dr. Peter Lebrecht Schmidt 24./25. Juli 2003 Universität Konstanz (München/Leipzig 2004) 121.