Sikyon, Theater (Photo Th. Weber)
Sikyon, Theater (Photo Th. Weber)
Sikyon, seitliche Rampe des griechischen Theaters (Photo K. Böhne)

Maße

Dm orchestra 24,04 m
Bühnengebäude 24,5 x 8,73 m

Inschriften

Sekundär verbaute Inschrift in der Proskenionschwelle, AJA 5, 1889, 283 (2); Öffnet externen Link in neuem FensterIG IV 428:
(Text folgt)

Quellen

Herodot V 67:

„Mit dieser Neuordnung ahmte Kleisthenes, so scheint es mir, seinen Großvater mütterlicherseits nach, den Tyrannen Öffnet externen Link in neuem FensterKleisthenes von Sikyon. Als dieser Kleisthenes mit den Argeiern Krieg führte, hatte er den Rhapsoden verboten, in Sikyon Wettkämpfe im Vortrag homerischer Gedichte zu veranstalten, weil nämlich überall in ihnen Argeier und Argos besungen werden. ... Zu anderen Ehren, die die Sikyonier ihm (d.h. dem Adrastos) erwiesen, gehörte auch die Aufführung tragischer Chöre, die seine Leiden zum Gegenstand hatten. Dabei ersetzten sie also die Ehrungen für Dionysos durch Adrastos. Kleisthenes gab jetzt die Chöre dem Dionysos wieder zurück und den übrigen Kult dem Melanippos."

Zur Stelle: RE V (Stuttgart 1905) 1211 s.v. Dithyrambos (Crusius); B. Zimmermann, Dithyrambos. Geschichte einer Gattung (Göttingen 1992) 30 f.; R. Krumeich - N. Pechstein - B. Seidensticker (Hrsg.), Das griechische Satyrspiel, Texte zur Forschung, 72 (Darmstadt 1999) 9.

Plutarch, Aratos 8:

„… Daher stieg nun auch Öffnet externen Link in neuem FensterAratos eilends hinauf, nachdem insgesamt 40 von ihm aufgestiegen waren, wartete noch einige wenige von unten ab und ging dann gegen das Haus des Tyrannen und die Hauptwache vor, wo die Söldner die Nacht verbrachten. Er überfiel sie plötzlich und nahm sie alle gefangen, ohne auch nur einen zu töten, und sandte dann sofort Boten an seine Freunde, um sie aus ihren Häusern herbeizurufen. Während sie von allen Seiten zusammeneilten, brach schon der Tag an und das Theater war voll Menschen, die wegen der unbestimmten Gerüchte in Erwartung schwebten und nichts genaues von dem, was vorging, wußten, bis endlich der Herold auftrat und verkündete, Aratos, Sohn des Kleinias, rufe die Bürger zur Freiheit auf.“

Pausanias II 7,5:

„Der Mann mit dem Schild, der in dem Bühnengebäude des Theaters unter der Akropolis dargestellt ist, soll Aratos, der Sohn des Kleinias, sein. Nach dem Theater kommt ein Dionysostempel.“

Über die Bonmots des Kitharaspielers Öffnet internen Link im aktuellen FensterStratonikos berichtet Athenaios VIII 45 (351f):

„Als er in Sikyon seine Mitstreiter besiegt hatte, weihte er im Asklepieion ein Siegeszeichen mit folgender Aufschrift: ‚Stratonikos von den Besten derer, die schlecht die Kithara spielten’.“

Beschreibung

Mit dem Bau des Theaters wurde nach einer häufig vertretenen Datierung im 3. Jh. v. Chr. nach der Zerstörung der Stadt im Jahre 303 v. Chr. bzw. ihrer Neugründung begonnen. Andere Datierungen setzen den Bau schon früher an. In der Tat scheint die Auswirkung der historisch bezeugten Neugründung der Stadt aus der archäologisch fassbaren Siedlungsgeschichte weit weniger ein radikaler Neubeginn gewesen zu sein als man denken könnte. Das marmorne Proskenion mit Vollsäulen kam jedenfalls erst im 1. Jh. v./n. Chr. hinzu und ersetzte eine ältere Anlage aus Poros mit ionischen Halbsäulen. Später ersetzte man auch die erhöhte Bühne durch ein pulpitum. Seitliche Rampen führten vorher auf das Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlogeion. Ein Dübelloch auf zweien der östlichen Porosblöcke wurde als Statuenbasis der bei Pausanias erwähnten Aratos-Statue (nach 251 v. Chr.) gedeutet. Eine Basis mit Dübellöchern über dem westlichen Wasserabfluß der orchestra könne nach Bulle Wasserspielen gedient haben. Eine Vertiefung diente in römischer Zeit möglicherweise als „Charonische Stiege“ dem Hinaufkommen von Gestalten aus der Unterwelt. Eine scaenae frons wurde nicht erbaut. Die cavea lehnt an einem natürlichen Hang und ist in 15 cunei in mindestens 2 maeniana unterteilt. Die 9 untersten Sitzstufen sind erhalten. Durch einen gewölbten Gang gelangte man direkt in den mittleren Umgang.

Ausstattung

Basis einer Athletenstatue, Öffnet externen Link in neuem FensterIG IV 428.

Literatur: RE 10 (Stuttgart 1919) 1737 s. v. Kallistratos Nr. 29 (Stähelin); H. Schwingenstein, Die Skulpturenausstattung des griechischen Theatergebäudes. Münchener archäologische Studien 8 (München 1977) 74.

Literatur

W. J. McMurtry – M.L. Earle, American Journal of Archaeology 5, 1889, 272-281. 286-292.
M. L. Earle, American Journal of Archaeology 7, 1891, 281 f.
ders. – C.L. Brownson – Ch. Young, Excavations in the Theatre at Sikyon in 1891, American Journal of Archaeology 8, 1893, 388-409.
A. Fossum, The Theatre at Sikyon, American Journal of Archaeology 2, 1905, 263-276 Taf. 8-9.
E. R. Fiechter, Die baugeschichtliche Entwicklung des griechischen Theaters (München 1914) 20.
H. Bulle, Untersuchungen an griechischen Theatern, Abhandlungen der bayerischen Akademie der Wissenschaften, philosoph.-philolog. und hist. Klasse 33 (München 1928) 192-199. 247.
E. R. Fiechter, Das Theater von Sikyon (Stuttgart 1931).
P. E. Arias, Il teatro greco fuori di Atene (Florenz 1934) 75-82.
E. R. Fiechter, in: Mélanges Navarre (Toulouse 1935) 186.
O. A. W. Dilke, Details and Chronology of Greek Theatre Caveas, Annual of the British School at Athens 45, 1950, 53-55.
E. R. Fiechter, Antike Theaterbauten 9. Das Dionysos-Theater in Athen IV. Nachträge (Stuttgart – Köln 1950) 32 f.
A. K. Orlandos, Praktika 1952, 393 f.
Öffnet externen Link in neuem FensterG. Forni, Enciclopedia dell’Arte Antica, Supplemento 1970 (Rom 1973) 774 s. v. teatro.
K. Kristalli-Votsi, To Ergon 1984 (1985) 61 f. Abb. 93.
H. Lauter, Die Architektur des Hellenismus (Darmstadt 1986) 171.
P. Ciancio Rossetto – G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, II (Rom 1994) 291f. Abb.
H. Windfeld-Hansen, Die Grundrißdispositionen der griechischen und römischen Theater bei Vitruvius und geometrische Konstruktionsregeln für antike und altchristliche Zentralbauten, Boreas 23/24, 2000/2001, 135.
R. G. Chase, Ancient Hellenistic and Roman Amphitheatres, Stadiums, and Theatres – the way they look now (Portsmouth, New Hamphshire 2002) 587 Abb.
A. Baçe, Griechische Theater des 5. bis 3. Jahrhunderts in Illyrien und Epirus, Bonner Jahrbücher 202/203, 2002/2003, 403 und passim.
E. Burmeister, Antike griechische und römische Theater (Darmstadt 2006) 65 f. Abb.
F. Sear, Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford Monographs in Classical Archaeology (Oxford 2006) 405.

links:
http://www.beazley.ox.ac.uk/xdb/ASP/recordDetailsLarge.asp?recordCount=44&id={99E919E3-AB44-4F49-9C18-1832A9476E77}&imageSize=4&fileName=1-50/43/

Veranstaltungen

Dionysien: siehe Adrasteia.
Adrasteia:

Feiern zu Ehren des Königs Adrastos traten einst an die Stelle von Dionysien, wurden ab er später erneut durch die Dionysien von Sikyon ersetzt. Zum Programm der Feiern zählte der Auftritt tragischer Chöre.

Quellen:

Herodot V 67:

„Mit dieser Neuordnung ahmte Kleisthenes, so scheint es mir, seinen Großvater mütterlicherseits nach, den Tyrannen Kleisthenes von Sikyon. Als dieser Kleisthenes mit den Argeiern Krieg führte, hatte er den Rhapsoden verboten, in Sikyon Wettkämpfe im Vortrag homerischer Gedichte zu veranstalten, weil nämlich überall in ihnen die Argeier und Argos besungen werden. Ferner wollte er den Kult des Adrastos, des Sohnes des Talaos, der auf dem Marktplatz in Sikyon einen Heroentempel besaß und heute noch sein Eigentum nennt, aus dem Lande weisen, weil er ein Argeier war. Er ging nach Delphi und ließ sich ein Orakel geben, ob er Adrastos aus Sikyon verbannen solle. Die Pythia aber antwortete, Adrastos sei König von Sikyon, er aber der Henker der Sikyonier. Als also der Gott es nicht zuließ, überlegte er nach seiner Heimkehr, wie er den Adrastos selbst zur Auswanderung bewegen könnte. Als er glaubte, ein Mittel gefunden zu haben, schickte er nach Theben in Boiotien und ließ sagen, er wolle Melanippos, den Sohn des Astakos, nach Sikyon überführen; die Thebaner willigten ein. Als Kleisthenes den Melanippos hatte herbringen lassen, wies er ihm einen heiligen Bezirk dicht am Prytaneion zu und erbaute ihm dort ein Heiligtum an der sichersten Stelle. Kleisthenes ließ den Melanippos - auch das muß man hier erzählen - deswegen zu sich holen, weil er der grimmigste Feind des Adrastos war. Dieser hatte nämlich seinen Bruder Mekistes und seinen Schwiegersohn Tydeus getötet. Nach der Einrichtung des Kultplatzes entzog er dem Adrastos Opfer und Feste und übertrug sie auf Melanippos. Die Sikyonier hatten für Adrastos einen sehr reichen Kult entwickelt; denn dieses Land gehörte einst dem Polybos; Adrastos war des Polybos Enkel. Da Polybos ohne männliche Nachkommen starb, übertrug er dem Adrastos die Herrschaft. Zu anderen Ehren, die die Sikyonier ihm erwiesen, gehörte auch die Aufführung tragischer Chöre, die seine Leiden zum Gegenstand hatten. Dabei ersetzten sie also die Ehrung des Dionysos durch Adrastos. Kleisthenes gab jetzt die Chöre dem Dionysos wieder zurück und den übrigen Kult dem Melanippos.“

Literatur: B. Zimmermann, Dithyrambos. Geschichte einer Gattung (Göttingen 1992) 30 f.; E. Pöhlmann, Die Anfänge der Tragödie und Komödie in Athen, in: S. Moraw - E. Nölle (Hrsg.), Die Geburt des Theaters in der griechischen Antike (Mainz 2002) 19. 

Pythien:

Kleisthenes von Sikyon, welcher der delphischen Amphiktyonie im Jahre 590/89 v. Chr. gegen die Hafenstadt Krisa zu Hilfe kam, führte in Sikyon nach delphischen Vorbild seine eigenen Pythien ein.

Literatur: M. F. McGregor, Cleisthenes of Sicyon and the Panhellenic Festivals, TAPA 72, 1941, 266-287; D. H. J. Larmour, Stage and Stadium. Drama and Athletics in Ancient Greece, Nikephoros Beihefte 4 (Hildesheim 1999) 184.

Quellen:
Scholion Pindar Nemea X 49. 76.
Scholion Pindar Nemea IX 53.
IG IV 428; Dittenberger Sylloge 802.

Soteria:

Fest zu Ehren des Öffnet externen Link in neuem FensterAratos von Sikyon. Die Beteiligung der dionysischen Künstler zeigt die Abhaltung von Schauspielen bei den Feierlichkeiten.

Literatur: Pauly-Wissowa Realencyclopädie, 2. Reihe Bd. 3 (Stuttgart 1929) 1228 f. s. v. Soteria (Pfister).

Quellen:

Plutarch, Aratos 53:

„Als er so in Aigion gestorben war, während er zum 17. Male das Feldherrnamt innehatte, und die Achaier ihren Ehrgeiz darin setzten, dass er dort bestattet und ihm ein seiner Leistungen würdiges Denkmal errichtet würde, erklärten es die Sikyonier für schweres Unglück, wenn der Leichnam nicht bei ihnen beigesetzt würde, und erreichten, dass die Achaier das ihnen überließen. Da aber ein alter Brach bestand, der mit größter religöser Gewissenhaftigkeit beachtet wurde, dass niemand innerhalb der Mauern beerdigt werden durfte, so schickten sie nach Delphi, um die Pythia darüber zu befragen. Sie erteilte ihnen folgendes Orakel: ‚Immer denkst Du, Sikyon, auf einen Lohn für Aratos, | Auf eine würdige Ehrung für den hingegangenen Herrscher? | Was irgend diesen Manne verdrießen könnte, | Ist Frevel an Erde, Himmel und Meer.’ Als dieses Orakel gebracht wurde, empfanden die Achaier insgesamt die größte Freude, und die Sikyonier verwandelten die Trauer in ein Fest, überführten sogleich den Leichnam von Aigion in ihre Stadt, mit Kränzen geschmückt und in weißen Gewändern unter Festgesängen und Reigentänzen, wählten einen weithin sichtbaren Platz und bestatteten ihn als Gründer, Retter und Erhalter der Stadt. Der Platz heißt bis heute Arateion, und man bringt ihm 2 Opfer dar, das eine an dem Tage, an dem er die Stadt von der Tyrannenherrschaft befreit hat, am 5. des Monats Daisios, den die Athener Anthesterion nennen – dieses Opfer nennen sie Soteria, das Rettungsfest – das andere in dem Monat, in dem er der Überlieferung nach geboren ist. Das erste Opfer vollzog der Priester des Zeus Soter, das zweite der Priester des Aratos, der dabei eine nicht ganz weiße, sondern halbpurpurne Binde trug, Gesänge zur Kithara wurden von den Bühnenkünstlern angestimmt, und der Vorsteher des Gymnasions ging im Festzug mit an der Spitze der Knaben und Jünglinge, dann folgte der Rat, mit Kränzen geschmückt, und die anderen Bürger, die das wollten. Einiges Wenige von diesen Begehungen haben die Sikyonier an den genannten Tagen aus religiöser Scheu noch beibehalten, die anderen Ehrungen aber sind im Laufe der Zeit und des ferneren Geschehens abgekommen.“

Demetrieia:

Fest zu Ehren des Antogoniden Öffnet externen Link in neuem FensterDemetrios I. Poliorketes (* um 336, † 283 v. Chr.).

Literatur: Chr. Habicht, Gottmenschentum und griechische Städte. Zetemata 14 (München 1970) 74 f.

Quellen:

Diodor XX 102,2-3:

„Demetrios siedelte die Sikyonier auf die Akropolis um und ließ den dem Hafen benachbarten Teil der Stadt niederreißen, da der Platz gar keine natürliche Sicherheit bot, ging zusammen mit der Masse der Bürger an den Neubau der Stadt, erklärte sie für frei und empfing von Ihnen wegen seiner Wohltaten göttergleiche Ehren: Sie nannten ihre Stadt Demetrias, beschlossen ihm zu Ehren jährliche Opfer, öffentliche Feste, dazu Agone zu veranstalten und ihm wie einem Stadtgründer die übrigen Ehren zu erweisen.“

Sonstiges

Sikyonische Anagraphe über die Geschichte der griechischen Dichtung und Musik.

Das große Interesse, das in Sikyon an griechischer Dichtung und Musik, und damit an den Veranstaltungen im Theater herrschte, spiegelt sich in einer heute verlorenen Inschrift, welche die Geschichte dieser beiden Gattungen in der Form einer Chronik festhielt. Die Zuschreibung dieser Chronik an den Lokalhistoriker Menaichmos wurde in jüngerer Zeit infragegestellt und bereits um 400 v.Chr. datiert. Der ehemalige Aufstellungsort der Inschrift ist unbekannt.

Quellen:

Plut., de mus. 1131F-1132A (=FrGH 550 F 1).

Plut., de mus. 1134A-B (=FrGH 550 F2).

Literatur: Öffnet externen Link in neuem FensterH. Diels, Die Olympionikenliste aus Oxyrhynchos, Hermes 36, 1901, 79; Öffnet externen Link in neuem FensterF. Pfister, Die Lokalhistorie von Sikyon bei Menaichmos, Pausanias und den Chronographen, Rheinisches Museum 68, 1913, 535; A. Chaniotis, Historie und Historiker in den griechischen Inschriften, Heidelberger Althistorische Beiträge und Epigraphische Studien 4 (Stuttgart 1988) 89-91.

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.sikyon.com/sicyon/sliteratur_eg.html

Aus Sikyon stammt der Tragödiendichter Öffnet internen Link im aktuellen FensterNeophron. Zu den dorischen Possendarstellern bzw. mimoi in Sikyon:

Öffnet internen Link im aktuellen FensterAthenaios XIV 15 (621d-f)