Pythagorion auf Samos, Theater (Photo H. R. Goette)
Pythagorion auf Samos, Theater (Photo H. R. Goette)

Inschriften

IG XII 6,172 A Z. 3-8 (Öffnet externen Link in neuem FensterPHI).

Die Inschrift enthält Bestimmungen zur Einnahme der Sitzplätze im Theater entsprechend der Einteilung der Stadtbevölkerung nach 'Chiliastyes'

Lit.: A. Chaniotis, Theatre rituals, in: P. Wilson (Hrsg.), The Greek theatre and festivals. Documentary studies, Oxford studies in ancient documents (Oxford 2007) 60.

Beschreibung

Die cavea liegt an einem Hang oberhalb der antiken Stadt Samos und einige km westlich des großen Hera-Heiligtums. Der Bau geht noch in das 4. Jh. v. Chr. zurück. Die Sitzreihen waren aus Marmor. Das Bühnengebäude läßt römische Umbauten erkennen. Hinter der Skene ist eine überwölbte Zisterne sichtbar. Die Ruine ist heute nur noch bescheiden erhalten.

Literatur

E. Fabricius, Altertümer auf der Insel Samos, Mitt DAi Athen 9, 1884, 167 f. Taf. VII.

R. Tölle, Die antike Stadt Samos (Mainz 1969) 68 f. Abb. 35.

P. Ciancio Rossetto – G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, II (Rom 1994) 287.

E. Burmeister, Antike griechische und römische Theater (Darmstadt 2006) 69 f.

F. Sear, Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford Monographs in Classical Archaeology (Oxford 2006) 351.

Veranstaltungen

Heraia

Mit dem jährlich ausgetragenen Fest der Göttin waren musische Agone verbunden. Da ihr Festzug von der Stadt aus in ihr Heiligtum führte, wird man davon ausgehen können, daß auch das Theater der Stadt in die zugehörigen Festspiele eingebunden war. Unklar ist einstweilen, wie sich diese Veranstaltungen zu jenen verhalten haben, die in dem epigraphisch nachgewiesenen Odeion des Heraion stattfanden.

Lit.: M.P. Nilsson, Griechische Feste von religiöser Bedeutung (Leipzig 1906) 46 ff.; H. Walter, Das griechische Heiligtum dargestellt am Heraion von Samos (Stuttgart 1990) 34 ff.; D. H. J. Larmour, Stage and Stadium. Drama and Athletics in Ancient Greece, Nikephoros Beihefte 4 (Hildesheim 1999) 173.

Inschriften und Quellen:

Athenaios XII 30 (525e):

„Von der üppigen Lebensweise der Bewohner von Samos berichtet Duris anhand von Gedichten des Asios, daß sie Ringe an den Armen trugen und zur Feier des Festes der Hera mit sorgfältig bis auf den Rücken und auf die Schultern gekämmten Haaren einherschritten. Dieser Brauch wird auch durch folgende Redensart bezeugt: »Mit Flechten ins Heraion gehen«. Die Worte des Asios lauten folgendermaßen:
»Diese begaben sich so zu der heiligen Stätte der Hera.
daß sie die Locken frisierten, in schöne Gewänder gekleidet.
Mit ihren schneeweißen Kleidern bedeckten sie weithin den Boden,
golden erglänzte das Haupthaar von Spangen.
Flechten mit goldenen Bändern gehalten, verwehten im Winde,
kunstvoll gefertigte Ringe bedeckten die Arme
… einen Krieger da unten im Schilde«.“

Zu Weidenruten und Lorbeerkränzen auch Athenaios XV (672a).

Polyaen, Strategemata I 23.

Pausanias VII 4,4.

Inschrift mit einem Verzeichnis der Sieger an den panhellenischen Hera-Spielen, vor Mitte des 2. Jhs. v. Chr., Öffnet externen Link in neuem FensterIG XII 6, 1, 173:

Übersetzung:

„Unter Antipatros, den Festveranstaltern Hermippos Sohn des Moschion, Aristeides Sohn des Apollodotos, Nikolaos Sohn des - -ides, dem Leiter des Gymnasiums Sostratos Sohn des Sostratos des Jüngeren, siegten:
Trompeter: My- - Sohn des - -kles aus Tralleis; Herold: Eubios Sohn des Sostratos; Schauspieler der alten Tragödie: Demetrios
Sohn des Nikaios aus Milet; im Fackellauf für Hephaistos als erster: Leonides Sohn des Theodoros von den Chesieis,
Veranstalter dieses Fackellaufes: Aristomenes Sohn des Aristippos von den Chesieis; bei den Kithara-Lehrern: Kallikrates Sohn des Kallikrates;
Flötenbläser: Neileus Sohn des Ammonios aus Korinth; Kitharaspieler
: Nikon Sohn des Simakon, Adoptivsohn des Antigonos; Kithara und Gesang: Lykon
Sohn des Lykon aus Tarent; im Fackellauf für Roma als erster: Soton Sohn des Kallikrates von den Chesieis; Veranstalter dieses Fackellaufes:
Poseidippos Sohn des - -itos von den Chesieis; bei den Dichtern der neuen Sartyrspiele: Archenomos Sohn des Hermias aus Rhodos; bei den Dichtern
der neuen Tragödie: Sostratos Sohn des Sostratos; bei den Schaupielern: Demetrios Sohn des Nikaios aus Milet; bei den Dichtern der neuen Komödie: Ariston Sohn des Timostratos aus Athen; Schaupieler: Kleinagoras Sohn des Straton aus Mallos;
bei den Knaben im Langlauf: Asklepiades Sohn des Demokrates, bei den Männern: Apollonios Sohn des Alkippos aus Ephesos; bei den Knaben im Stadionlauf: Agathokles Sohn des Attalos,
bei den Männern: Soton Sohn des Kallikrates; bei den Knaben im Doppellauf: Agathokles Sohn des Attalos, bei den Männern: Soton Sohn des Kallikrates; im Fünfkampf: Aristeus Sohn des Zenodotos aus
Magnesia am Maiandros; bei den Knaben im Ringkampf: Timotheos Sohn des Hippostratos aus Apameia am Maiandros, bei den Männern: Archon Sohn des Archon; bei den Knaben im Faustkampf:
- - -, bei den Männern: - - -; bei den Knaben im Allkampf: Ammonios Sohn des - - -„

Lit.: G. Dunst, Die Siegerlisten der samischen Heraia, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 1, 1967, 225-239; H. J. Mette, Urkunden dramatischer Aufführungen in Griechenland. Texte und Kommentare 8 (Berlin – New York 1977) 49 f.; P. Herz, Die musische Agonistik und der Kunstbetrieb der Kaiserzeit, in: J. Blänsdorf (Hrsg.), Theater und Gesellschaft im Imperium Romanum. Mainzer Forschungen zu Drama und Theater 4 (Tübingen 1990) 176.

Lysandreia

Zeitweise wurden die Agone zu Ehren der Hera in solche des gleichnamigen spartanischen Feldherrn in Lysandreia umbenannt, wahrscheinlich zum ersten Mal im Jahre 404 v. Chr., doch war dies nicht von Dauer. Spätestens nach der Schlacht von Knidos im Jahre 394 v. Chr. mit der Niederlage Spartas gegen den Athener Konon und den Perser Pharnabazos werden sie keinen Bestand mehr gehabt haben. Die Existenz der Feiern zu Ehren des Lysander bereits im späten 5. Jh. v. Chr. ist für die historische Forschung jedoch von großer Wichtigkeit, weil sie mit der Darbietung göttlicher Ehren für den Gefeierten verbunden ist. In der älteren Forschung wurde dies erst mit den Erfahrungen Alexanders d. Gr. seit seiner Eroberung des Orients für möglich gehalten und anders lautende Aussagen antiker Quellen als eine Rückprojizierung späterer Verhältnisse betrachtet. Der Fund einer zeitgenössischen Inschrift mit Erwähnung eines Pankratiasten als Sieger des gymnischen Agons jener Feiern belegt die frühe Existenz des Festes jedoch zweifelsfrei, dessen Programm einschließlich dramatischer und musikalischer Darbietungen sicherlich von den Heraia übernommen wurde. Fragen der genauen Örtlichkeit der Aufführungen lassen sich derzeit nicht lösen, weil das Theater nicht vor das 4. Jh. v. Chr. datiert wird.

Lit.: Chr. Habicht, Gottmenschentum und griechische Städte. Zetemata 14 (München 1970) 243 f.; 271; S.R.F. Price, Rituals and Power. The Roman imperial cult in Asia Minor (Cambridge 1984) 26.

Quellen:

Plutarch, Lysander 18:

„Er war der erste Grieche, so berichtet Duris, dem die Städte wie einem Gott Altäre errichteten und Opfer darbrachten, und der erste, auf den Paiane gesunden wurden. Der Anfang eines derselben hatte folgenden Wortlaut. „Des heiligen Griechenlands Feldherrn aus dem weiträumigen Sparta laßt uns besingen, o Paian!“ Die Samier faßten den Beschluß, ihr Herafest in Lysanderfest umzutaufen. Von Dichtern hatte er stets den Choirilos um sich, um von ihm seine taten in Versen besingen zu lassen, und dem Antilochos, der einige mittelmäßige Verse auf ihn gemacht hatte, schenkte er in seiner Freude eine mit Silbergeld gefüllte Mütze. Als Antimachos von Kolophon und ein gewisser Nikeratos von Herakleia mit Lobgedichten, Lysandreia betitelt, vor ihm miteinander konkurrierten, erteilte er Nikeratos den Preis. Das nahm sich Antimachos so zu Herzen, daß er seine Dichtung vernichtete. Aber der damals noch junge Platon, der Antimachos wegen seiner Kunst bewunderte, versuchte den wegen seiner Niederlage betrübten Dichter aufzurichten und mit den Worten zu trösten, für die Unverständigen sei  der Unverstand ebenso ein Übel wie die Blindheit für die des Augenlichts Beraubten. Als aber dan Aristonos, der Sänger zur Kithara, der sechs mal bei den Pythien gesiegt hatte, um Lysander zu schmeicheln ihm das Versprechen gab, wenn er wieder siege, werde er ausrufen lassen: „Lysanders Aristonos,“ da fragte er: „Sein Sklave?“

Philippeia und Alexandreia

Es handelt sich um einen im Jahre 321 v. Chr. inschriftlich belegten und nicht näher beschriebenen Agon zu Ehren der makedonischen Könige Philippos III. Arrhidaios und Alexander IV., Sohn Alexanders d. Gr.

Literatur: Chr. Habicht, Gottmenschentum und griechische Städte. Zetemata 14 (München 1970) 253.

Dionysien

Verzeichnis der Sieger an den Dionysien von Samos, nach Mitte des 3. Jhs. v. Chr., Öffnet externen Link in neuem FensterIG XII 6, 1, 176:

„Tragödien- und Komödien-Aufführungen:
Aristodemos Sohn des - - -,
Diophantos Sohn des Diom- -;
es siegte: Aristodemos,
Schaupieler: Hermophantos.
Unter dem Demiurgen Koiranos Sohn des Marsyas,
Festveranstalter war: Mandrokrates Sohn des Epigonos;
Choregen bei den Knabenchören waren:
Xenokrates Sohn des Kraton,
Zenodotos Sohn des Demetrios;
es siegte: Xenokrates,
Flötenspieler: Satyros.
(Chorege) bei den Männerchören (waren):
Hippodamas Sohn des Pantonaktides,
Demagoras Sohn des Autarkes;
es siegte: Hippodamas,
Flötenspieler: - - -
- - -
Tragödien- und Komödien-Aufführungen:
Artem- - Sohn des - - -,
Hyblesios Sohn des Th- -;
es siegte: Artem- -,
Unter Antiochos, Festveranstalter war:
Hermon Sohn des Targelios,
Choregen bei den Knabenchören waren:
Aristodemos Sohn des - - -,
Andragathos - - -;
es siegte: Aristodemos,
Flötenspieler: A- -
(Chorege) bei den Männerchören (waren):
Hermias Sohn des Dem- -,
Marsyas Sohn des - - -;
es siegte: Hermias,
Flötenspieler: - - -„

Lit.: H. J. Mette, Urkunden dramatischer Aufführungen in Griechenland. Texte und Kommentare 8 (Berlin – New York 1977) 50 f.

Verzeichnis der Sieger an den Dionysien von Samos, 2. Hälfte 2. Jh. n. Chr., Öffnet externen Link in neuem FensterIG XII 6, 1, 177
 
„Unter - -tratos, Festveranstalter war: Archepolis Sohn des Kallistratos,
Choregen waren: bei den Flötenspielern der Knaben: Alexandros
Sohn des - -tos (und) Kallistratos Sohn des Melanthion,
es siegte: Alexandros; bei den bei den Flötenspielern der Männer:
Lygdamis Sohn des Andronikos (und) Exakestas Sohn des Kallidromos,
es siegte: Exakestas; bei den Tragödien und Komödien:
Ertaios Sohn des Boiskos (und) Sosibios Sohn des Philoxenos, es siegte:
bei den Tragödien Ertaios, bei den Komödien Sosibios.
Unter - - -, Festveranstalter war: Alkiades Sohn des Askle-
piodoros, Choregen waren: bei den Flötenspielern
der Knaben: Nikolaos Sohn des Artemon (und)
Menelaos Sohn des Zopyros, es siegte: Nikola-
os; bei den bei den Flötenspielern der Männer: Philokles
Sohn des Soton (und) Epainetos Sohn des Artemidoros,
es siegte: Epainetos; bei den Tragödien und Komödien:
Epigonos Sohn des - -on (und) Themison Sohn des
- -pis, es siegte: Epigonos.“

Literatur: H. J. Mette, Urkunden dramatischer Aufführungen in Griechenland. Texte und Kommentare 8 (Berlin – New York 1977) 52.

Brief des Königs Ptolemaios III. an die Samier und für ihn beschlossene Ehrungen an den Dionysien, um 245/4 v. Chr., Öffnet externen Link in neuem FensterIG XII 6, 1, 156

“- - - und der Sicherheit - - -
- - - in eben diesem Punkt - - -
- - - in Alexandria verwaltet wird. Man soll übergeben
- - - falls sie vor den Tempelpflegern ihren Rechtsanspruch vorbringen
und dabei klar die einsichtigeren Gründe nennen. Lebe wohl!
Beschluß des Volkes, nach Vorlage der Prytanen: Worüber Mitteilung machte
Hagesarchos dem Rat und dem Volk und kundtat, von dem seitens des
Königs ihm zugesandten Brief uns eine Abschrift zu
unterbreiten, in dem dieser schreibt über die in das Heiligtum
geflüchteten Sklaven, damit wir in Befolgung der An-
ordnungen den jährlich eingesetzten Tempelpflegern
Anweisung geben, so zu verfahren, wie darin angeordnet ist,
zu Glück und Heil!, so wolle beschließen das Volk, daß man den König Ptolemaios,
Sohn des Königs Ptolemaios und der Arsinoe, der Götter-Geschwister, be-
lobige und bekränze mit einem Goldkranz bei den Tragödienaufführungen
an den Dionysien; für die Verkündung aber soll der Festveranstalter sorgen.
- - - er erweist fortgesetzt den Griechen Wohltaten - - -
wie - - - (über?)-
geben - - -; daß den Beschluß des Volkes aufzeichnen
der Sekretär des Rates und die Prytanen
auf zwei steinerne Stelen zusammen mit den Briefen des Königs
und des - - - Hagesarchos und die eine (Stele) aufstellen in dem Heilig-
tum des Ptolemaios, die andere in dem Tempel der Hera, damit
deutlich werde die - - -„

Demetrieia und Antigoneia

Mit den Spielen für Dionysos wurde solche für Demetrios und Antigonos (Monophthalmos?) verknüpft. Dies hatte sicherlich wie für die Heraia oben dargelegt den Hintergrund, die Kräfte der Gemeinde auf wenige Ereignisse zu konzentrieren, um die entsprechenden Feiern so großartig wie möglich gestalten zu können. Feste für Demetrios und Antigonos waren auch vom Nesiotenbund für Delos gestiftet worden, hier auf Samos handelt es sich allerdings um ein städtisches Fest. Zu den Feiern gehörten tragische Agone.

Eine Ehreninschrift des Jahres 306 v. Chr. (?) für den Schauspieler Polos wirft ein Licht hierauf, SEG I Nr. 362:

„Für Polos, Sohn des Sosigenes aus Ägina. Der Rat und das Volk beschließen: Demaretos, Sohn des Demeos, sagt: Nachdem sich Polos, Sohn der Sosigenes aus Ägina, in den vorangegangenen Zeiten wohlwollend und förderlich für die Stadt zeigte und nun das Volk beschloß, daß wir nach den guten Botschaften Antogoneia und Demetrieia veranstalten und nachdem die Boten mit ihm übereingekommen sind, daß  er gegen geringeren Lohn für das Volk spielt und daß er das, was er im Theater verdient hat zu sich bringt, den Rest aber der Stadt stundet, was das Volk mit ihm abgemacht hat, daß es dem Rat und Volk angezeigt erscheint: daß Polos wegen seiner Tugend und seiner Förderung belobigt wird, … und daß er die Prohedrie in allen Wettkämpfen bekommt, welche die Stadt ausrichtet, daß dies alles ihm und seinen Nachkommen gewährt wird, daß Polos für die Tragödien an den Dionysien mit einem Kranz aus Ölzweigen bekränzt wird, daß die Ausrufung zum Agonotheten mit dem Demiurgen besorgt wird, daß dieser Beschluß auf eine steinerne Stele geschrieben wird und diese in das Heiligtum der Hera gestellt wird, daß der Schriftführer des Rates die Aufwendungen und die Abschrift besorgt. Durch Los der Phyle Chesieis zugeschlagen, der Tausendschaft Oinopes, der Familie und der Hundertschaft der Helandriden.“

Lit.: M. Schede, Aus dem Heraion von Samos, Athener Mitteilungen 44, 1919, 16-20 Nr. 7; L. Cerfaux – J. Tondriau, Le culte des souverains dans la civilisation Gréco-Romaine (Paris 1957) 180 ff. ; Chr. Habicht, Gottmenschentum und griechische Städte. Zetemata 14 (München 1970) 62. 150 ; P. Ghiron-Bistagne, Recherches sur les acteurs dans la Grèce antique (Paris 1976) 164-171; E. Csapo - W.J. Slater, The Context of Ancient Drama (Ann Arbor 1995) 242 f. Nr. 37.

Zu Polos vgl. Plutarch, Demosthenes 28:

“Dieser, ein geborener Thurier, soll der Sage nach vorher ein tragischer Schauspieler gewesen sein und den Ägineten Polos, der sich in dieser Kunst vor allen anderen auszeichnete, zum Schüler gehabt haben.“

Plutarch, de amore prolis 7 (=Stobaios Flor. III):

Plutarch, moralia 348f (Ob die Athener im Kriege oder in der Weisheit berühmter waren? 6):

„Doch wir wollen diese Männer selbst einführen mit den Zeichen und Merkmalen ihrer Taten und einen Jeden besonders vertreten sein lassen. Von der einen Seite sollen darum nun die Dichter unter Flötenschall und Zitherspiel eintreten, redend und singend:
Sprecht günstige Worte und weicht hinweg aus unserer Chöre Gemeinschaft,
Die ihr unkund seid solch unseres Tuns oder die unrein ihr gesinnt seid,
Oder der wahrhaftigen Musen Fest nie schautetfliegend im Chortanz,
Wer geweiht nie war in dein Wortbacchanal, stierschmausender Vater Kratinos.
ihre Gerätschaften, Masken, Altäre, bewegliche Theatermaschinen und die Siegestripoden tragend. Mit ihnen sollen kommen Schauspieler wie die Tragischen, die Nikostraten, die Menisker, Theodore und Poloi (= Plural von Polos), gleichsam als Herausputzer und Sänftenträger  der Tragödie, wie wenn sie einem Aufwande liebenden Weibe folgten oder vielmehr als Überzieher, Vergolder und Anstreicher von Bildsäulen. Desgleichen die Menge von Gerätschaften, Masken, Purpurgewändern, Theatermaschinen und die lästige Schar der Choristen und Bedienten und der prachtvolle Aufwand zum Chor bereitstehen soll, worüber ein Lakedämonier sich gar nicht übel äußerte. Die Athener sind große Thoren, daß sie mit solchem Ernst diese Spielereien betreiben, d.h. daß sie einen solchen Aufwand, mit welchem sie große Flotten und Heere ausrüsten könnten, auf das Theater verwenden. Denn wenn man erwägt, wie hoch die Aufführung eines jeden Schauspiels zu stehen kam, so wird man sehen, daß der Aufwand, den das Volk für die Bacchen, Phönissen, Ödipus, Antigone, für das Unglück der Medea und Elektra gemacht hat, die Summen übersteigt, welche es im Kampf mit den Barbaren für Herrschaft und Freiheit aufgewendet hat. … während die Choregen ihren Chorleuten Aale, Lattich, Knoblauch und Mark vorsetzten und sie lange Zeit bewirten mußten, indes diese ihre Stimme übten und schwelgten …“ (Übersetzung Tafel – Osiander – Schwab)

Plutarch, moralia 785b (an senis respublica gerenda sit = Über Verwaltung eines Staates durch Greise):

„Von dem tragischen Schauspieler Polos erzählen Eratosthenes und Philochoros, daß er in einem Alter von 70 Jahren kurze Zeit vor seinem Tode binnen 4 Tagen 8 Tragödien aufgeführt habe.“

Plutarch, moralia 816f (praecepta gerendae reipublicae 21)

Aulus Gellius, Attische Nächte VI 5:

„Es gab in Griechenland einen Schauspieler von außerordentlichem Ruf, der durch seine ausdrucksvolle, plastische darstellung und durch die Deutlichkeit und den Wohllaut seiner Stimme alle Anderen weit übertraf. Sein Name soll Polos gewesen sein. Seine Rollen aus den Tragödien der hervorragendsten Dichter hatte bis aufs Feinste durchdacht und ausgearbeitet und stellte sie mit strengster Wahrheitstreue dar. … Zu dieser Zeit eben fiel ihm die Aufgabe zu, in Athen die Elektra des Sophokles zu spielen und er mußte, wie es diese Rolle mit sich brachte, die Urne mit den vermeintlichen Gebeinben ihres Bruders Orestres mit auf die Bühne bringen. Der Inhalt des Stückes ist nämlich so abgefaßt, daß Elektra bei ihrem Auftritt die vermeintlichen Überreste ihres geliebten Bruders herbeibringt, dabei die heißesten Tränen vergießt und in die herzzerreißendsten Klagen über den Untergang des Teuren ausbricht, der auf gewaltsame Weise umgelommen, wie man meint. Polos bei seinem Auftritt also, angetan mit dem Trauergewand der Elektra, hält die aus der Gruft entnommene Urne mit den teuren Gebeinen seines unvergeßlichen Sohnes in Händen, drückt sie so, als ob es die des Orestes seien an seine Brust, erfüllt die Herzen allere Zuschauer mit inniger Teilnahme für die Schilderung seines Seelenschmerzes, der fern aller eingebildeten und erzwungenen Nachahmung ist und nichts atmet als nur die wahre natürliche Betrübnis und die rührendste herzzereißendste Wehklage. Während als Polos nur die Rolle des Stückes zu spielen schien, wurde von ihm treu und lebendig sein eigenes Seelendrama abgespielt.“

Aelian, de animalibus 7,40.

Spiele zu Ehren des Augustus und der Hera

In der römischen Kaiserzeit wurden Spiele für „Augustus und Hera“ abgehalten. Wahrscheinlich waren die altehrwürdigen Spiele zu Ehren der Göttin der Insel mit Spielen zu Ehren von Kaiser Augustus zusammengelegt worden, um durch eine Konzentration aller Ressourcen für beide ein möglichst glanzvolles Fest abhalten zu können. Aus einer Ehreninschrift geht hervor, dass die Spiele mit theatralischen Vorführungen verbunden waren.

Literatur: S.R.F. Price, Rituals and Power (Cambridge 1984) 103.

Ehreninschrift für C. Iulius Dorotheos, 1. Jh. n. Chr., Öffnet externen Link in neuem FensterIG XII 6, 1, 305:

„Das Volk der Samier ehrte mit den Ehren erster und zweiter Klasse Gaius Iulius Dorotheos, den Sohn des Agathanor, der die Ämter eines Panegyriarchen und zweimaligen Choregen und Stephanephoren und Agonotheten der Spiele und der - - -, die veranstaltet werden für die Herrscherin der Stadt, Hera, und für den Imperator Caesar Augustus, ausgeübt hat ruhm- und ehrenvoll in allem.“

Die Inschrift Öffnet externen Link in neuem FensterIG XII 6, 1, 295 nennt Spiele allein zu Ehren des Augustus, im 3. Jh. n. Chr. gab es schließlich „Kaiserliche Spiele zu Ehren der Hera“ (IG XII 6, 1, 312).

Roma- und Attalos-Spiele

Öffnet externen Link in neuem FensterIG XII 6, 1, 200 nennt Spiele zu Ehren der Roma und des Attalos, doch ist unbekannt, ab sie auch Agone im Theater beinhalteten.