Mandeure, gallo-römisches Theater (Photo: R. Gogräfe).

EPOMANDUODURUM, Mandeure (Germania Superior)

Maße

Dm cavea 142 m
Dm orchestra 14 m

Beschreibung

Das halbrunde Theater ist Teil eines gallo-römischen Heiligtums, das sich in seinem westlichen Vorfeld erstreckte. Das Heiligtum reicht wenigstens bis in das 3. Jh. v.Chr. zurück und war eines der größten und bedeutendsten im Stammesgebiet der gallischen Öffnet externen Link in neuem FensterSequaner. Zu diesem gehörte in der gallo-römischen Epoche ein Tempel mit einer runden Einfassungsmauer, der dem Theater genau entsprechend ausgerichtet ist, aber nicht exakt in seiner Achse liegt; zum Theater zeigte ein monumentaler Torbogen, der sicherlich für eine Kommunikation in Form von Prozessionen zwischen beiden Bauten sorgte. Innerhalb der Umfassungsmauer des Heiligtums liegt ein weiterer Rundtempel, in dessen Areal die Reste zweier kolossaler Standbilder des Mars und der Bellona gefunden worden sind. 

Das Theater zählt zu den größten in Gallien bzw. der Germania superior, zu welcher Provinz der Ort gehörte. In seinem jetzigen Aussehen stellt er die letzte Bau-Phase nach verschiedenen tiefgreifenden Umbauten dar.  Allein das städtische Theater in Öffnet internen Link im aktuellen FensterAugustodunum-Autun ist größer. Der hiesige Bau wurde an einem natürlichen Hang errichtet und die cavea wurde mit sehr umfangreichen Substruktionen stabilisiert. Der Zuschauerraum weist 3 konzentrische Umgänge auf, welche die Sitzränge in 4 maeniana untergliedern. Reste einer Treppe in der Mittelachse sind noch sichtbar, weitere Treppenaufgänge lagen um 22,5° versetzt.

Die westliche, d.h. bühnenseitige Außenfassade des Theaters, war in 3 große Kompartimente unterteilt: die beiden äußeren vor den analemma-Mauern und ein mittleres vor der orchestra. Die beiden äußeren besaßen eine Fassade aus je 9 Arkaden mit vorgesetzten Halbsäulen, das Aussehen des mittleren Teiles ist unbekannt. Die Architektur der äußeren Fassadenteile setzte sich um die Außenecken des Baukörpers in die nördliche und südliche Fassade des Theaters fort, wo die jeweiligen Abstufungen im Gelände ein stufenweises Ende der Arkadenfassaden über die untere und eine anzunehmende zweite Etage nach hinten bedingten. Die äußere cavea-Mauer weist auf der Rückseite eine Gliederung mit Wandpilastern auf, über die vermutlich eine dritte Etage der Fassade entweder wiederum mit einer Arkadengliederung oder eine attika-artigen Gestaltung analog dem oberen Geschoss des stadtrömischen Kolosseums anzunehmen ist.

Die Zugänge in das Theater verliefen durch die äußeren Arkaden, die Eingänge in die beiden aditus maximi und durch den unteren Teil der äußeren cavea-Fassade gestatteten. Stand man am Beginn eines der aditus maximi, so konnte man sich einige Meter hangaufwärts begeben, um dann scharf abzubiegen und durch das Nord- bzw. Südtor einem Treppenaufgang zu folgen, der in den zweiten Umgang zwischen unterstem und zweitem Sitzrang mündete. In diesen Treppenaufgang führten je zwei weitere Treppen, die aus den aditus maximi durch die analemma-Wände hinaufführten. Diese Situation ist sowohl in der südlichen als auch der nördlichen Seite des Theaters gut erkennbar.

Der Zugang in die dritte und damit nächsthöhere praecinctio zwischen zweitem und drittem Sitzrang ist in der südlichen Seite gut erkennbar: Dort folgt man dem Gang an der cavea-Außenseite weiter nach oben, biegt erst dort rechtwinklig nach innen um und folgt der Treppenaufgang (vomitorium), um nach einem 180°-Knick und zwei weiteren rechtwinkligen Biegungen zurück in die dritte praecinctio zwischen zweitem und drittem Rang zu gelangen. Ein kompliziertes System radialer und konzentrischer Mauern bzw. durch sie gebildeter Kammern und blinder Gänge liegt zwischen diesen Aufgängen und diente der Stabilisierung des Hangschubs. Zahlreiche Entlastungsbögen sorgten für eine weitere Festigung des Mauerwerks.

Weitere konzentrische Fundamentzüge inerhalb der Außenmauer der cavea zeigen die Existenz einer porticus in summa cavea an.

Die über den Halbkreis verlängerte orchestra ist mit Stufen für die Ehrensitze gesäumt, die an ihrer äußeren Linie durch eine heute verdeckte praecinctio von der ima cavea getrennt wurden. Ihr Boden war mit Kalksteinplatten gepflastert. Die Front der sehr kleinen Bühne ragte in sie hinein. Zwei als basilica oder parascaenia bezeichnete Räume flankieren die Bühne.

Die Datierung des Theaters kann einstweilen nicht durch einen stratigraphischen Befund erfolgen, aber auch die Architekturelemente der Außenfassade sind chronologisch zu unempfindlich für einen genauen Zeitansatz. Vorschläge für einen zeitlichen Ansatz des heute in seiner letzten Phase sichtbaren Baues reichten von flavischer bis in severische Zeit. Eine Grabung in der Südwestecke der orchestra brachte jedoch zwei ältere Bauphasen ans Licht, die eine frühe Datierung der dritten Phase unwahrscheinlich erscheinen läßt. Die älteren Phasen, zu deren einer vielleicht eine ovale Arena analog dem Theater in Öffnet internen Link im aktuellen FensterAugst gehörte, ziehen deutliche Planänderungen gegenüber dem jetzigen nach sich, deren Schlussfolgerungen noch weiter zu erforschen sind. Die Bauänderungen betrafen auch eine Erhöhung der untersten praecintio: in ihrer Auffüllung wurden zahlreiche wichtige Fragmente von Architektur gefunden, so von Gebälken und Sitzsteinen, die Inschriften der Eigentümer und eines Nummerierungssystems tragen.

Bildergalerie

Mandeure, gallo-römisches Theater, Blick nach Westen; jenseits der Straße lagen die Tempel des Heiligtums (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Theater-cavea mit zweiter und dritter praecinctio (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, gallo-römisches Theater (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, gallo-römisches Theater (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, gallo-römisches Theater (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Theater, cavea mit zweiter praecinctio (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Nordseite des Theater (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Theater, Zugang zum nördlichen aditus maximus (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, gallo-römisches Theater (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Theater, nördlicher Treppenaufgang zur zweiten praecinctio mit Entlastungsbögen im Mauerwerk (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Theater, nördlicher aditus maximus mit Treppenaufgang in die cavea (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Theater, Fassade vor nördlichem aditus maximus mit umgestürzter Halbsäule (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, südliche 'basilica' neben der Bühne des Theaters (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, südliche analemma-Mauer mit Aufgängen in die cavea (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Südseite des Theaters mit modernem Aufgang und den antiken Fundamenten für eine Arkadenarchitektur (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Südseite des Theaters mit zwei Eingängen in den Zuschauerraum (Photo: R. Gogräfe).
Mandeure, Eingang zur dritten praecinctio des Theaters (Photo: R. Gogräfe).

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weblinks:

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Öffnet externen Link in neuem Fenstereustache.over-blog.com/article-32738288.html

Öffnet externen Link in neuem Fenstermandeure.archeologie.free.fr/

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