Autun, städtisches Theater.
Autun, städtisches Theater (Photo Gogräfe).
Autun, städtisches Theater, Substruktionen des Zuschauerraums (Photo Gogräfe).
Autun, städtisches Theater, Zuschauerraum und seitlicher Zugang (Photo Taube).

Inschriften

Eine Inschrift könnte auf die Restaurierung des Theaters im Jahre 105 unter Kaiser Trajan Bezug nehmen.
CIL XIII 2658; AE 1999, 1069
 
[Imp(eratori) Caes(ari) Nervae Traiano]
[Aug(sto) Germ]anic(o) D[acic(o) pontif(ici)]
[max(imo) t]rib(unicia) p(otestate) VIIII c[o(n)s(uli) V imp(eratori) IV p(atri) pa(triae)]
… ino Val[… cur(ante) civ(itis)]
[splendis]simae Au[gustodunens (?)
…theat[rum de [integro resti]
[tuerunt dedi]cante …

Literatur: J. Blänsdorf, Das römische Theaterwesen der Kaiserzeit im Spiegel der Inschriften, in: J. Fugmann u.a. (Hrsg.), Theater, Theaterpraxis, Theaterkritik im kaiserzeitlichen Rom, Kolloquium anläßlich des 70. Geburtstages von Prof. Dr. Peter Lebrecht Schmidt 24./25. Juli 2003 Universität Konstanz (München/Leipzig 2004) 115.

Maße

Dm cavea 148 m
Dm orchestra 40-50 m

Beschreibung

Die cavea lehnt teilweise an einem Hang und teilweise auf Substruktionen. Die unteren beiden maeniana mit 12 bzw. 16 Sitzreihen ruhen auf dem natürlichen Grund, das obere maenianum mit ebenfalls 16 Sitzreihen auf Radialgewölben. Duch Zugänge von außen entlang den Radialkammern gelangte man auf die Umgänge zwischen den Zuschauerrängen. Der außergewöhnlich große Zuschauerraum - der größte in Gallien - soll bis zu 33.000 Zuschauer aufgenommen haben! Von der orchestra wird vermutet, dass sie in einer sekundären Bauphase ihrer Proedrie beraubt wurde und ein Podium zur Ausrichtung amphitheatralischer Spiele erhielt. Von der scaenae erhielt sich das aulaeum zur Aufnahme des Vorhangs.

Literatur

Öffnet externen Link in neuem FensterA. de Caumont, Abécédaire d'archéologie, ère gallo-romain (Caen 1870)  305 f.

L. Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms IV (Leipzig 1921 9-10) 252.

A. Grenier, Manuel d’archéologie gallo-romaine, III. L’architecture 2. Ludi et circenses: théâtres, amphithéâtres, cirques (Paris 1958) 799 ff.

H.-P. Eydoux, La France antique (Paris 1962) 148 f.

U. Niffeler, Römisches Lenzburg: Vicus und Theater, Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa 8 (Brugg 1988) 128 Nr. 12.

Ch. Landes u. a. (Hrsg.), Le goût du théâtre à Rome et en Gaule romaine – Katalog der Ausstellung Museum Lattes (Lattes 1989) 57.

A. Olivier – A. Rebourg, Le théâtre antique d’Autun, Revue archéologique de l’Est et du Centre-Est 42, 1991, 125-152.

A. Rebourg, Les caves joyaux ou le théâtre d’Autun (Autun 1991)

A. Rebourg, Autun. Carte archéologique de la Gaule 71/1 (Paris 1993) 70-76; 71/2 (Paris 1993) Plan.

P. Ciancio Rossetto – G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, I (Rom 1994) 354-356 Abb.

Öffnet externen Link in neuem FensterA. Rebourg, L’urbanisme d’Augustodunum, Gallia 55, 1998, 141-236, bes. 188 ff.

U. Erdmann, Römische Spuren in Burgund. Ein archäologischer Reiseführer (Wiesbaden 2004) 51 Abb. 15.

F. Sear, Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford Monographs in Classical Archaeology (Oxford 2006) 225 f.

Darstellung einer Szene aus dem Mimus (?), Autun, Musée Rolin.

Veranstaltungen

Eine bekannte und ikonographisch ungewöhnliche Reliefdarstellung auf einem oscillum aus Autun könnte nach vorherrschender Interpretation eine Vorführung im Theater wiedergeben, wenn auch im allgemeinen und nicht im speziellen Sinne auf das Theater von Autun bezogen. Dargestellt ist ein älterer bärtiger Mann, der offensichtlich krank auf seiner Kline liegt. Vor ihm steht seine jüngere Frau, beugt sich zu ihm nach vorne und streicht ihm durch die Haare. Dabei ist ihr Kleid nach oben gerafft und entblößt ihr Hinterteil, in welches ein jüngerer Mann mit einem Kapuzenmantel eindringt und seine linke Hand im Gestus des Siegers anhebt.
 
Literatur: H. Vertet – G. Vuillemont, Figurines gallo-romaines en argile d’Autun, Mémoires de la Sociétés Eduenne des Lettres, Sciences et Arts 52, 1971-74, 212 Taf. B; Ch. Landes u. a. (Hrsg.), Le goût du théâtre à Rome et en Gaule romaine – Katalog der Ausstellung Museum Lattes (Lattes 1989) 201 Nr. 91. Allgemeiner: G.E. Thüry, Die Palme für die «domina». Masochismus in der römischen Antike, Antike Welt 32, Heft 6, 2001, 571-576.

Kommentar:
Solche erotisch-drastischen Szenen kamen gerne im sog. Mimus vor, einer Theatergattung, die ihren Ursprung scheinbar im westgriechischen Sizilien hatte und ihren Namen der genauen Beobachtung und Nachahmung der Natur verdankt. Dabei gebrauchte man nicht die sonst so geläufigen Theatermasken, sondern brachte mit der Mimik des Gesichts die jeweilige Situation zum Ausdruck. Außerdem traten in dieser Gattung auch Frauen auf. Kostüm war die Alltagskleidung. Ein wesentlicher Bestandteil der Aufführung waren Tänze und akrobatische Vorführungen, bevorzugter Gegenstand Ehebruch, Kuppler, Diebe, Geizhälse, Schulmeister, Handwerker besonderer Sparten, Beschwörungen, Träume, Feiern und Gerichtsszenen. Konkret nachweisen lässt sich die Aufführung des Mimus in den Theatern von Öffnet internen Link im aktuellen FensterEphesosÖffnet internen Link im aktuellen FensterAphrodisias, Öffnet internen Link im aktuellen FensterKonstantinopel, Öffnet internen Link im aktuellen FensterBaalbek und Öffnet internen Link im aktuellen FensterAntinoe. Sie waren Bestandteil der Ludi florales, deren Veranstaltung sich nicht nur in Öffnet internen Link im aktuellen FensterRom, sondern auch in Öffnet internen Link im aktuellen FensterPisaurumÖffnet internen Link im aktuellen FensterAlba Fucens und in Öffnet internen Link im aktuellen FensterBitburg nachweisen lässt. Neben der griechischen Tragödie und Komödie sind davon vor allem die in Kampanien wurzelnde Atellane zu unterscheiden und die stumme Pantomime, die weniger derb-erotisch und stattdessen würdevoller war.

Literatur zum mimus allgemein:

H. Reich, Der Mimus, ein literar-entwicklungsgeschichtlicher Versuch (Berlin 1903).

Pauly-Wissowa-Realencyclopädie 15 (Stuttgart 1932) 1727-1764 s. v. mimus (E. Wüst).

M. Bonaria, Romani Mimi (Rom 1965).

H. Wiemken, Der griechische Mimus (Bremen 1972).

H.-D. Blume, Einführung in das antike Theaterwesen (Darmstadt 1978) 128 f.

E. Rawson, The Vulgarity of the Roman Mime, in: H.-D. Jocelyn (Hrsg.),  Tria Lustra: Essays and Notes Presented to John Pinsent, Founder and Editor of 'Liverpool Classical Monthly', by some of its Contributors on the Occasion of the 150th Issue, Liverpool Classical Papers, 3 (Liverpool 1993) 255-260.

H. Denard, Lost theatre and performance traditions in Greece and Italy, in: M. McDonald - J.M. Walton (Hrsg.), The Cambridge Companion to Greek and Roman Theatre (Cambridge 2007) 139-160; bes, 148 ff.