Iophon war Sohn des Sophokles und selbst Tragödiendichter; er wiederum hatte einen Sohn, der ebenfalls Sophokles hieß. Gemäß der Suda habe er 50 Tragödien verfasst, nur von einem Bruchteil ist wenigstens der Titel überliefert. Fragmente der Tragödien selbst sind allein für die Tragödie 'Die Bacchen' bzw. 'Pentheus' überliefert: Ob diese ein und dieselben oder zwei verschiedene Tragödien waren, ist ungewiss. Im Jahre
428 v.Chr. errang er einen 2. Preis hinter
Euripides mit dessen Tragödie '
Der bekränzte Hippolytos' und vor dem drittplatzierten
Ion.
Testimonia
Aristophanes, Frösche 73 ff.
Cicero, De senectute VII 22:
Quid iuris consulti, quid pontifices, quid augures, quid philosophi senes, quam multa meminerunt! Manent ingenia senibus, modo permaneat studium et industria, neque ea solum in claris et honoratis viris, sed in vita etiam privata et quieta. Sophocles ad summam senectutem tragoedias fecit; quod propter studium cum rem neglegere familiarem videretur, a filiis in iudicium vocatus est, ut, quem ad modum nostro more male rem gerentibus patribus bonis interdici solet, sic illum quasi desipientem a re familiari removerent iudices. Tum senex dicitur eam fabulam, quam in manibus habebat et proxime scripserat, Oedipum Coloneum, recitasse iudicibus quaesisseque, num illud carmen desipientis videretur. Quo recitato sententiis iudicum est liberatus.
„Welche Juristen, welche Priester, welche Auguren, welche alten Philosophen – wie viel sie doch noch wissen! Talente bleiben im Alter erhalten, vorausgesetzt, Studium und Fleiß bleiben bestehen, und zwar nicht nur bei berühmten und angesehenen Männern, sondern auch im stillen und zurückgezogenen Leben.
Sophokles schrieb bis ins hohe Alter Tragödien; weil er aufgrund seines Studiums die familiären Angelegenheiten zu vernachlässigen schien, wurde er von seinen Söhnen vor Gericht gestellt, damit, wie es bei uns Brauch ist, guten Vätern, die sich danebenbenehmen, die Pflichten zu entziehen, so wollten die Richter ihn von den familiären Angelegenheiten fernhalten, als sei er geisteskrank. Dann soll der alte Mann den Richtern das Stück „
Ödipus in Kolonos“ vorgetragen haben, das er in Händen hielt und erst kürzlich geschrieben hatte, und gefragt haben, ob dieses Gedicht nicht von einem Narren verfasst worden sei. Nachdem er dies vorgetragen hatte, wurde er von den Richtern freigesprochen.”
Plutarch, moralia 785 A-B = an seni sit gerenda res publica (
Perseus):
„Von
Sophokles sagt man, daß er, als seine Söhne ihn des Aberwitzes anklagten, den Richtern nur den Auftritt des Chores in seinem
Ödipus auf Kolonos vorgelesen habe, der so beginnt:
'Du kommst, Fremdling, zu dieses Landes,
Des rossereichen, herrlichen Wohnungen,
Zum blendendweißen Kolonos, wo
Die helltönende Nachtigall
Unermüdlich ihr Klagelied singt
Unter grünendem Laubdach'
und daß von Bewunderung hingerissendie Versammlung der Richter unter lautem Beifall aller Anwesenden ihn wie aus dem Theater nach Hause geleitete. Auch rührt von Sophokles folgendes Epigramm her:
'Diesen Gesang dem Herodotos dichtete Sophokles fünfzig
Jahre und fünf alt ...'” (Übers. nach Ch.N. von Osiander)
Suda ι 451 (
Suda-online)
Suda κ 1730 (
Suda-online)
Valerius Maximus VIII 7:
Sophocles quoque gloriosum cum rerum natura certamen habuit, tam benigne mirifica illi opera sua exhibendo quam illa operibus eius tempora liberaliter sumministrando: prope enim centesimum annum attigit, sub ipsum transitum ad mortem Oedipode epi Kolono scripto, qua sola fabula omnium eiusdem studi poetarum praeripere gloriam potuit. idque ignotum esse posteris filius Sophoclis Iophon noluit, sepulcro patris quae retuli insculpendo.
„Sophokles führte einen glorreichen Wettstreit mit der Natur, indem er ihr gütig seine wunderbaren Werke schenkte und ihr reichlich Zeit mit seinen Werken gab: Er wurde fast hundert Jahre alt und schrieb kurz vor seinem Tod 'Ödipus in Kolonos', ein Stück, das allein den Ruhm aller Dichter seines Standes hätte übertreffen können. Und Sophokles' Sohn Iophon wollte nicht, dass dies der Nachwelt unbekannt blieb, indem er auf dem Grab des Vaters die, die ich erwähnt habe, anbringen ließ.”
Vita Sophoclis, Σοϕοκλέους γένος καί βίος 13. 19.
Literatur und Ausgaben
O. Wolff, De Iophonte poeta (Leipzig 1884) (
Google)
A. Nauck, Tragicorum Graecorum fragmenta (Göttingen 1889) 761 ff.
RE IX (Stuttgart 1916) 1898-1900 s.v. Iophon Nr. 2 (Ernst Diehl) (
wikisource)
B. Gauly u.a. (Hrsg.), Musa tragica. Die griechische Tragödie von Thespis bis Ezechiel. Ausgewählte Zeugnisse und Fragmente griechisch und deutsch, Studienhefte zur Altertumswissenschaft, 16 (Göttingen 1991) 89-93.
weblinks:
Werke
Πενϑεὺς, Pentheus
Lit. und Ausgaben: Nauck, TGF 761.
Ἀχιλλεύς, Achilleus
Lit. und Ausgaben:
Τήλεφος, Telephos
Lit. und Ausgaben:
Ἀκταίων, Aktaion
Lit. und Ausgaben:
Ἰλίου πέρσις,Ilioupersis
Lit. und Ausgaben:
Δεξαμενός, Dexamenos
Lit. und Ausgaben:
Βάκχαι ⟨ἢ⟩ Πενθεύς, Die Bacchen oder Pentheus
Lit. und Ausgaben:
