Das summum choragium war ein Gebäude für die Aufbewahrung der Bühnenutensilien für Veranstaltungen in Theatern und Amphitheatern. Der Begriff choragium im Allgemeinen tritt bei Vitruv V 9,1 auf, wo er den Bühnenapparat bezeichnet, für dessen Aufbewahrung in der porticus post scaenam genügend Platz vorhanden sein solle. Ein bekanntes Mosaik aus der Öffnet internen Link im aktuellen FensterCasa del Poeta tragico in Pompeji wird als Darstellung eines choragium in einer porticus angesehen. Summum choragium wird entweder als das kaiserliche choragium zu verstehen sein oder schlichtweg als eben das größte, weil mit dem Colosseum verbunden. In den inschriftlichen Belegen treten vor allem die Prokuratoren dieses Apparats auf. Seine Lage läßt sich aus dem Marmorplan der forma urbis ableiten, wo ein [vicus] Summi Ch[oragi] verzeichnet ist, auf dem ebenfalls zwei Innenhofstrukturen sichtbar sind, von denen eines möglicherweise als das summum choragium angesprochen werden könnte.

Quellen

Cassius Dio LXIX 4,4:

 

Als Bemerkung zu einem choragium beim Venus-und-Roma-Tempel in Rom wird eine bekannte Passage bei Cassius Dio verstanden:

„ (1) ... Den Architekten Öffnet externen Link in neuem FensterApollodoros hingegen, der Öffnet externen Link in neuem FensterTrajans verschiedene Bauwerke, das Öffnet externen Link in neuem FensterForum, des Öffnet internen Link im aktuellen FensterOdeion und das Gymnasium in Rom ausgeführt hatte, schickte er (d.i. Kaiser Öffnet externen Link in neuem FensterHadrian) zunächst in die Verbannung und ließ ihn später sogar hinrichten, angeblich wegen eines Vergehens, in Wirklichkeit aber aus folgende Grund: Als ihn einmal Öffnet externen Link in neuem FensterTrajan wegen einer Bauangelegenheit um Rat fragte, unterbrach ihn Öffnet externen Link in neuem FensterHadrian mit einer Zwischenbemerkung, worauf Apollodoros ihm bedeutete: «Geh weg und mal Deine Kürbisse! Von den Dingen verstehst du nämlich nichts!» Hadrian aber bildete sich damals zufällig viel auf ein solches Gemälde ein. (3) Als er nun Kaiser geworden war, trug er Öffnet externen Link in neuem FensterApollodoros diese Kränkung immer noch nach und wollte die kühne Rede des Mannes nicht durchgehen lassen. Er schickte also dem Apollopdoros den Plan vom Öffnet externen Link in neuem FensterTempel der Venus und Roma, um ihm vor Augen zu führen, daß auch ohne seine Mithilfe ein großer Bau zustande kommen könne, und fragt an, ob die Anlage stimme. (4) Der Architekt stellte in seinem Antwortschreiben aber fest, daß erstens, was den Tempel betrifft, dieser auf hohem Gelände hätte errichtet werden und die Erde darunter ausgehoben werden müssen, damit er an der heiligen Straße wegen seiner höheren Lage deutlicher zu sehen sei und in seinem Unterbau auch die Maschinen aufnehmen könne. Man sei dadurch in der Lage, dieselben unbemerkt zusammenzusetzen und ohne daß jemand zuvor etwas davon wisse, ins Theater hereinzubringen. Was sodann die Statuen betraf, meinte Öffnet externen Link in neuem FensterApollodoros, daß sie im Verhältnis zur Höhe der Cella zu groß geraten seien. (5) «Wenn nämlich die Göttinnen aufstehen und herausgehen wollen», meinte er, «werden sie dazu nicht in der Lage sein.»  Auf diese barsche schriftliche Antwort hin ärgerte sich Öffnet externen Link in neuem FensterHadrian und war äußerst ungehalten, daß er einen solchen Fehler begangen hatte. Und er konnte seinen Zorn und Schmerz nicht bezähmen, sondern ließ den Mann hinrichten." (Übers. nach Otto Veh)

Öffnet externen Link in neuem FensterValerius Maximus II 4,6.

 

Literatur

 

Daremberg - Saglio, I (Paris 1873) 1116 f. s.v. choragium (E. Saglio).

J.H. Parker, The Flavian Amphitheatre (1876) Taf. 7. 8. 15.

Th. Mommsen, Römisches Staatsrecht, II 3 (Leipzig 1887) 1070.

RE III (Stuttgart 1899) 2405 f. s.v. choragium (E. Reisch).

O. Hirschfeld, Die kaiserlichen Verwaltungsbeamten bis auf Diocletian (Berlin 19052) 292 f. (Öffnet externen Link in neuem Fensterarchive org).

P. Colagrossi, L'anfiteatro flavio (Rom 1913) 53-62.

S.B. Platner - Th. Ashby, A Topographical Dictionary of Ancient Rome (Oxford 1929) 502 f.

G. Lugli, Fontes ad topographiam veteris urbis Romae pertinentes, III (Rom 1955) 191 f. Nr. 418-427.

G. Carettoni - A.M. Colini - L. Cozza - G. Gatti, La pianta marmorea di Roma antica. Forma Urbis Romae, I (Rom 1960) 61 Taf. 10,1; 15,3; 62a.

G. Lugli, L'Anfiteatro Flavio (Rom 1961) 28-32.

G. Cozzo, Il Colosseo - l’anfiteatro Flavio nella tecnica edilizia nella storia delle strutture nel concetto esecutivo dei lavori (Rom 1971) 60-73 Taf. 51.

E. Rodríguez Almeida, Forma urbis marmorea - aggiornamento generale 1980 (Rom 1981) 57 Taf. 1,3.

E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae, IV (Rom 1999) 386 f. s.v. Summum Choragium (K. Welch).

E. Rodríguez Almeida, Formae urbis antiquae - Le mappe marmoree di Roma tra la repubblica e Settimio Severo, Collection de l'École Française de Rome, 305 (Rom 2002) Taf. XII. (Öffnet externen Link in neuem Fensterlink torrosa)

 

Inschriften

Weihinschrift eines procurator summi choragi; CIL VI 297:

Herculi et Silvano ex voto Trophimianus
Aug(usti) lib(ertus) proc(urator) summi choragicum Chia coniuge

Lit.: A. von Domaszewski, Silvanus auf lateinischen Inschriften, Philologus 61, 1902, 15 (archive.org); O. Hirschfeld, Die kaiserlichen Verwaltungsbeamten bis auf Diocletian (Berlin 1905) 292-295.

Grabinschrift für Ulpia Synoris; CIL VI 10086:

 

D(is) M(anibus)
Ulpiae Synoridi
Tertius Aug(usti) lib(ertus)
tabular(ius)
summi choragi
coniugi
bene de se
meritae fecit

 

Kommentar: Die Inschrift stammt nach dem Namen der Verstorbenen frühestens aus dem beginnenden 2. Jh. n.Chr.

 

Weihinschrift eines kaiserl. Finanzverwalters für das Kollegium summi choragi; CIL VI 10084:

 

Peculiaris Aug(usti) disp(ensator)
summi choragi
collegio d(e)d(icavit)

 

Grabinschrift; CIL VI 10083; ILS 1768:

 

Have Marce dulcis a[nima]
adiut(or) proc(uratoris) summi chor[agi]
Marcus piissimo patri

"Lebe wohl Marcus, Helfer des Agenten des 
(d.h. des Depots für Bühnenmaschinen), Marcus (setzte den Grabstein) seinem sehr frommem Vater."

 

Lit.: Chr. Hülsen - H. Jordan, Topographie der Stadt Rom im Altertum, I 3 (Berlin 1907) 302 (Öffnet externen Link in neuem Fensterarchive.org); L. Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms, II (Leipzig 192210) 90; RE Suppl. X (Stuttgart 1965) 384 s.v. Marcus Nr. 2a (M. Bonaria); E. Csapo - W.J. Slater, The Context of Ancient Drama (Ann Arbor 1995) 219 Nr. 205A; B. Seidensticker, Das antike Theater (München 2010) 98 f.

 

Grabinschrift; CIL VI 10085:

 

D(is) M(anibus)
P(ublius) Aelius Agathemer
Aug(usti) lib(ertus) medicus ratio-
nis summi choragi
fecit sibi et Aeliae Iorte
coniugi bene merenti et
libertis libertabusque suis
posterisque eorum

 

Kommentar: Es handelt sich um einen Freigelassenen des Kaisers Hadrian.

  

CIL VI 776; CIL VI 30829; ILS 3727:

 

Tutel(a)e Candidian(a)e
Constantius Augg(ustorum)
et Caes(aris) tabul(arius) s(ummi) c(horagi)
una cum Sergiam
Siricam coniugem
suam caelum
cum columnis et
velis et aram
odoribus re-
pletam erga suo-
rum sanitatem d(onum) d(edit)

 

Lit.: P. Sabbatini Tumolesi, Roma, Epigrafia anfiteatrale dell'Occidente Romano, I (Rom 1988) 15.

 

Grabinschrift für Marcus Aurelius Aegisthus; CIL VI 33136:

 

D(is?)

 

[M(anibus)]

 

M(arco) Aure[lio Aug(usti) l(iberto)]
Aegis[tho proc(uratori?)]
sum(mi) c[horagi vix(it)]
an(nos) LXII[---]
Aurel[ia ---]
marito [bene]
meren[ti fecit]

 

Lit.: P. Sabbatini Tumolesi, Roma, Epigrafia anfiteatrale dell'Occidente Romano, I (Rom 1988) 19.

  

Grabinschrift des Callidromus aus Ostia Antica; CIL XIV 1877:


Callidromus ex disp(ensatore) hic d[ormit in pace ---]
signo Leucadi anima bona q[ui vixit an(nos) ---]
tianus Aug(usti) lib(ertus) adiutor proc(uratoris) sum[mi choragii ---]
et Seia Helpis fili(i) dulcissimi et Va[leria ---]
Crescentina co(n)iux eius

 

Kommentar: Der Grabstein verewigt u.a. einen Freigelassenen, der adiutor eines Procurators summi choragii in Rom gewesen war.

 

Lit.: E. Diehl, Inscriptiones Latinae Christianae Veteres (Berlin 1925-1967) 575; M. Fora, Regio Italiae I, Epigrafia anfiteatrale dell'Occidente Romano, IV (Rom 1996) 2.

 

 

  

Ehreninschrift aus Trikomia-Kaimaz (Phrygien) für Marcus Aurelius Marion; CIL III 348; ILS 1477:

 

M(arco) Aur(elio) Aug(usti) liber(to)
Marioni proximo
rationum proc(uratori)
marmorum proc(uratori)
prov(inciae) Britanniae
proc(uratori) summi ch[o]rag(i)
proc(uratori) prov(inciae) Fryg(iae)
Senecianus collib(ertus)
ex tabular(io)
h(onoris) c(ausa)