SEPPHORIS – DIOKAISAREIA, Saffuriyye (Judaea, Palaestina)

Sepphoris, römisches Theater, Grundriss.
Sepphoris, Luftbild des römischen Theaters (Photo M. Eisenberg).

Maße

Dm cavea 74 m.
Dm orchestra 25 m.
Pulpitum 31 x 6 m.
Höhe pulpitum 0,9 m.

Beschreibung

Das römische Theater lehnt an einem Hang. Es wurde bereits im frühen 1. Jh. n.Chr. erbaut und erfuhr in der mittleren Kaiserzeit und dem 4. Jh. n. Chr. Umbauten. Die oberen und seitlichen Teile der cavea ruhen auf Substruktionen. Der Zuschauerraum ist in drei Ränge gegliedert, wovon der untere in 4 Kerkides und 13 Sitzreihen, der mittlere in 5 Kerkides und 13 Sitzreihen und der obere in 8 Kerkides mit 11 Sitzreihen aufweist. Über der summa cavea lag ein Wandelgang. Von außen führen durch die Mauer der cavea drei Gänge in einen überwölbten konzentrischen Gang unter der summa cavea. Von dort führen drei weitere Gänge zur praecinctio bzw. einem Umgang über der ima cavea, dem untersten Rang.Auf den Wänden des östlichen aditus maximus haben sich Reste von Wandmalereien erhalten. Zur Wand des Proskenions führte eine Bleileitung (Wasserspiele?). Das pulpitum hatte ursprünglich einen Holzboden, der später durch einen Steinboden ersetzt wurde. Der scaenae frons werden Reste eines korinthischen Kapitells zugewiesen.

Zuschauer: 4.000-5.000

Literatur

N. E. Manasseh, in: Waterman, Preliminary Report of the University of Michigan Excavations at Sepphoris, Palestine, in 1931 (Ann Arbor 1937) 6-12 Abb. 3-5 Taf. 11-20.

E. Frézouls, Recherches sur les théâtres de l'orient Syrien, Syria 36, 1959, 216 Taf. XVI 2.

E.F. Meyers/C. Meyers/E. Netzer, Sepphoris 1985, IEJ 35, 1985, 295-297.

E.F. Meyers/C. Meyers/E. Netzer, Sepphoris 1986 – Joint Sepphoris Proiect, IEJ 37, 1987, 275-278.

E.F. Meyers/C. Meyers/E. Netzer, Sepphoris – 1985, Hadashot Arkeologiyot 88, 1986, 8-10.

E.F. Meyers/C. Meyers/E. Netzer, Sepphoris – 1986, Hadashot Arkeologiyot 90, 1987, 16 f.

A. Segal, Die Theaterbauten im Alten Palästina in römisch-byzantinischer Zeit, Antike Welt 18/1, 1987, 2-21 Abb. 5-6.

E.F. Meyers/C. Meyers/E. Netzer, Zippori – 1987-1988, Hadashot Arkeologiyot 93, 1989, 26-29.

The new encyclopedia of archaeological excavations in the Holy Land, 4 (Jerusalem 1993) 1325 f. Abb. (Z. Weiss)

P. Ciancio Rossetto/G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, II (Rom 1994) 353 f. Abb.

A. Segal, Theatres in Roman Palestine and Provincia Arabia. Mnemosyne Supplementum 140 (Leiden/New York/Köln 1995) 41-43 Abb. 10-14.

R.G. Chase, Ancient Hellenistic and Roman Amphitheatres, Stadiums, and Theatres – the way they look now (Portsmouth, New Hamphshire 2002) 193 Abb.

F. Sear, Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford Monographs in Classical Archaeology (Oxford 2006) 307 Abb. 287.

H.P. Kuhnen, Theater im Heiligen Land, in: J. Schefzyk – W. Zwickel (Hrsg.), Judäa und Jerusalem – Leben in römischer Zeit (Stuttgart 2010) 103.

 

Bildergalerie

Sepphoris, römisches Theater (Photo: G. Kuster)
Sepphoris, römisches Theater (Photo: G. Kuster)
Sepphoris, römisches Theater (Photo: G. Kuster)
Sepphoris, Bauornamentik aus dem römischen Theater (Photo: G. Kuster)

Reflexe des Theaterlebens

Haus des Dionysos, Mosaik im Triklinium.

Unmittelbar hinter dem Theater liegt das nach seinen Mosaikböden so benannte Haus des Dionysos. Es ist teilweise ausgegraben und besteht aus mehreren Peristylhöfen mit angrenzenden Räumen. Die Anlage wird in das 3. Jh. n.Chr. datiert. Die Thematik der Mosaikbilder stellt das Leben des Dionysos in das Zentrum des Interesses, ähnlich wie es an den Wandfriesen der Theater in Öffnet internen Link im aktuellen FensterPerge, Öffnet internen Link im aktuellen FensterSide und Öffnet internen Link im aktuellen FensterNysa geschah. Die Szenen sind dort durch den Ort ihrer Anbringung eindeutig unter dem Aspekt der Lebensstationen des Theatergottes gesehen, hier läßt sich ein solcher durch den antiken Auftraggeber intendierter Blickwinkel durch die sehr auffällige Nähe zum Theater vermuten. Anders sahen dies Talgram und Weiss, die einen solchen Zusammenhang ablehnten, weil das Haus keine architektonische Verbindung zum Theater aufweist und im Gegenteil durch eine starke Mauer hiervon getrennt sei: Ein anderer Befund ist aber auch nicht zu erwarten. Stattdessen vermutet Weiss als Besitzer des Hauses den jüdischen Patriarchen Rabbi Judah den Prinz, kann dafür aber allein die Übereinstimmung der zeitlichen Verhältnisse und wohl auch des sozialen Niveaus zwischen außerordentlichem reichem Haus und den Reichtümern von R. Juda anführen. Ein konkreterer Bezug fehlt. Talgam hält die sehr deutliche dionysische Botschaft der Bilder im Haus eines so prominenten Juden dagegen für schwer erklärbar und sieht in ihnen lediglich den Ausdruck eines heidnischen Anhängers der dionysischen Religion.

Sepphoris, Dionysos-Mosaik im sog. Haus des Dionysos.

Das bunte Mosaikfeld weist auf weißem Grund die typische T-Form von Triklinien auf. Ein äußerer figürlicher Fries läuft auf drei Seiten um und liegt zwischen zwei Streifen, die je einen Konsolenfries mit Masken darstellen. Der figürliche Fries zeigt eine dionysische Prozession, ein Teil wurde später durch die Darstellung einer Nillandschaft ersetzt. Nach innen folgt ein 4-seitig umlaufender Rankenfries, der die folgenden dionysischen Bildfelder rahmt.

Sepphoris, Dionysos-Mosaik, Ausschnitt.

Bild 1: Gelage von Herakles und Dionysos; ΗΡΑΚΛΗΣ ΔΙΟ...

Bild 2: Der trunkene Herakles; ΜΕΘΗ

Bild 3: Der trunkene Dionysos; ΜΕΘΗ

Bild 4; Herakles stellt den Frauen nach; ΗΡΑ...

Die Szene stellt vermutlich die Vergewaltigung der Auge, der Tochter des König Aleus aus Tegea und der Priesterin der Athena Alea, durch Herakles dar. Aus der Verbindung ging Telephos hervor. Die Geschichte war in Tragödien des Euripides und des Sophokles dargestellt worden, die jedoch verloren sind.

Bild 5: Das Dionysoskind wird von den Nymphen gebadet; ΔΙΟΝΥΣΟΥ ΛΟΥΤΡΑ

Bild 6: Das Dionysoskind bei den Nymphen; ΒΑΧΧΕ

Die Beischrift bezeichnet die begleitenden Frauen als Bacchantinnen.

Bild 7: Hochzeitsbankett von Dionysos und Ariadne; ΥΜΕΝΑΙΟΣ

Hymenaios ist der Gott der Hochzeit.

Bild 8: Triumph des Dionysos; ΠΟΜΠΗ

Bild 9: Traubenpresser; ΛΗΝΟΒΑΤΕ

HINWEIS auf die Weinfeste am Ende der Ernte: Merkelbach, Hirten 73-81.

Bild 10: Schfhirten; ΠΟΙΜΝΑΙ

Bild 11: Orgie; ΚΩΜΟΣ

Bild 12: Gabenbringer; ΔΩΡΟΦΟΡΟΙ

Lit.: R. Talgam - Z. Weiss, The mosaics of the house of Dionysos at Sepphoris, Qedem, 44 (Jerusalem 2004); G.W. Bowersock, Infant Gods and Heroes in Late Antiquity: Dionysos' First Bath, in: R. Schlesier (Hrsg.), A different god? Dionysos and ancient polytheism (Berlin 2011) 7.