PHILIPPOPOLIS-Shahba, Shahbā, شهبا‎ (Syria)

Öffnet internen Link im aktuellen FensterMaße

Beschreibung

Literatur

Öffnet internen Link im aktuellen FensterReflexe des Theaterlebens

Philippopolis, römisches Theater (Photo Gogräfe)
Philippopolis, römisches Theater (Photo Gogräfe)
Philippopolis, römisches Theater (Photo Gogräfe)

Maße

Dm cavea 40 m
Dm orchestra 11 m
Bühnengebäude 42 x 13 m
H pulpitum 1,2 m
T pulpitum 4 m

Beschreibung

Das kleine Theater stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Öffnet externen Link in neuem FensterPhilippus Arabs (244-249 n. Chr.), des ersten Kaisers arabischer Abstammung auf dem römischen Thron. Er stammte aus aus diesem Ort und so wird in der modernen Forschung auf ihn der Ausbau der Stadt nach römischem Muster zurückgeführt. Das kleine Theater liegt an einem nur seichten Hang, so dass ein Teil der cavea mit überwölbten Substruktionen versehen werden musste. Bühnengebäude und Zuschauerraum bilden eine Einheit. Die cavea besteht aus einem einzigen Rang mit 9 Sitzstufen, darüber verläuft ein Umgang.

Literatur

E. R. Brünnow – A. von Domaszewski, Die provincia Arabia III (Straßburg 1909) 169-177 Abb. 1059-1066.

H. C. Butler, Publications of an American Archaeological Expedition to Syria in 1899-1900, II, Architecture and Other Arts (New York – London 1904) 390 Abb. 135-137.

Öffnet externen Link in neuem FensterE. R. Fiechter, Die baugeschichtliche Entwicklung des griechischen Theaters (München 1914) 96; Abb. 94.

E. Frézouls, Les théâtres romains de Syrie, Annales Archéologiques de Syrie 2, 1952, 64-69 Abb. 5-6 Taf. VII-VIII.

P.Coupel - E.Frézouls, Le théatre de Philippopolis en Arabie. BAH 63 (Paris 1956), hierzu Öffnet externen Link in neuem FensterH. Müller-Wiener, Gnomon 32, 1960, 160-164.

Öffnet externen Link in neuem FensterE. Frézouls, Recherches sur les théâtres de l'orient Syrien, Syria 36, 1959, 214. 222.

A. Segal, Die Theaterbauten im Alten Palästina in römisch-byzantinischer Zeit, Antike Welt 18/1, 1987, 2-21 Abb. 22-24.

J.Cl. Golvin, L'amphithéâtre romain. Essai sur la théorisation de sa forme et de ses fonctions, I-II (Paris 1988) 246.

E. Frézouls, Les édifices des spectacles en Syrie, in: J.-M. Dentzer - M. Orthmann (Hrsg.), Archéologie et Histoire de la Syrie II = Schriften zur vorderasiatischen Archäolgie I (Saarbrücken 1989) 394-396 Abb. 108-109.

J. Ch. Balty, Curia ordinis: recherches d’architecture et de l’urbanisme antiques sur les curies provinciales du monde romain (Brüssel 1991) 439-443.

P. Ciancio Rossetto/G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, III (Rom 1994) 203.

A. Segal, Theatres in Roman Palestine and Provincia Arabia. Mnemosyne Supplementum 140 (Leiden/New York/Köln 1995) 39-41 Abb. 3-9.

Öffnet externen Link in neuem FensterN. Darrous - J. Roehmer, Chahba-Philippopolis (Hauran): essai de synthèse archéologique et historique, Syria 81, 2004, 11 f.

R. G. Chase, Ancient Hellenistic and Roman Amphitheatres, Stadiums, and Theatres – the way they look now (Portsmouth, New Hamphshire 2002) 172 Abb. E. Burmeister, Antike griechische und römische Theater (Darmstadt 2006) 154.

W. Oenbrink, Shahba-Philippopolis. Die Transformation einer safaitisch-arabischen Siedlung in eine römische Colonia, in: K.-P. Johne - T. Gerhardt - U. Hartmann (Hrsg.), Deleto paene imperio Romano: Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit (Stuttgart 2006) 243-270.

U. Pappalardo, Antike Theater. Architektur, Kunst und Dichtung der Griechen und Römer (Petersberg 2007) 110 f.

J.-M. Dentzer - M. Kalos - F. Renel, Formation et dévelopment des villes en Syrie du sud de l'époque hellénistique à l'époque byzantine, in: M. al-Maqdissi - F. Braemer - J.-M. Dentzer (Hrsg.), Hauran V. La Syrie du sud du néolithique à l'antiquité tardive, recherches récentes. Actes du colloque de Damas 2007, I (Beirut 2010) 158-162 Abb. 19. 21.

Philippopolis-Shahba, Orpheus-Mosaik (Bild: R. Gogräfe)

Reflexe des Theaterlebens

Orpheus-Mosaik

Das Mosaikbild zeigt den thrakischen Sänger im reichen Gewand eines Kitharöden. Sein Kopf trägt die phrygische Mütze, die Kopfwendung geht zurück nach links, sein Körper ist nach rechts gewendet, ganz ähnlich wie auf dem älteren Orpheus-Mosaik aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterRottweil. Bei dem syrischen Mosaik sind alle antiquarischen Details außergewöhnlich reich angegeben, der Fall seines Mantels von der Schulter über den Rücken und die Oberschenkel, seine hochgegürtete Tunika, die Stoffapplikationen auf seinen Ärmeln, seine Beinkleider und seine Schuhe. Die Kithara ist mit exorbitanten 16 Saiten ausgestattet, an ihren Jocharmen sieht man Löwenprotome. Das Bild aus dem Hauran zeigt den Orpheus in einer ungewöhnlich wilden Felslandschaft, umgeben von einer besonders vielfältigen Schar unterschiedlichster Tiere. Der Vogelgreif, das Tier Apollons, berührt mit seinen Vorderpranken fast die Kithara: Die unterschiedlichen antiken Überlieferungen weisen teilweise Apollon und teilweise Orpheus als Erfinder der Kithara aus, freilich nur der 7-saitigen. Einige Schriftsteller der römischen Zeit wußten, dass es Orpheus war, der ihre Zahl auf 9 erhöhte - eine Zahlenkonstruktion, die eine Beziehung zu den 9 Musen herstellen sollte, denn Kalliope galt vielen als die Mutter des Orpheus. Nach verbreiteterer Überlieferung war es jedoch der Musiker Phrynis, der ihre Zahl auf 9 erhöhte, sein Kollege Timotheos erweiterte sie auf 12 und ganz allgemein häufen sich in der römischen Kaiserzeit die Klagen darüber, dass die traditionellen Instrumente immer aufwändiger gestaltet würden, wofür die 16 Saiten der Kithara auf diesem Mosaikbild ein beeindruckendes Beispiel geben.

Philippopolis in Südsyrien wurde als Geburtsort des Kaisers nach der Ausrufung Philippus’ Arabs’ im Jahre 244 n. Chr. wiedergegründet. Zu dieser Zeit erhielt die Stadt einen Neuausbau, dem zumeist auch die bemerkenswert reichen Mosaikböden der Stadt zugeordnet werden. Stratigraphische Absicherungen gibt es hierfür jedoch nicht, und so stellte Janine Balty verschiedentlich eine konstantinische Entstehung der dortigen Mosaike zur Diskussion. 

Das Mosaikbild ist von einem Mäander aus einem Flechtband gerahmt und mit zahlreichen Bildern von Theatermasken bereichert. Diese ungewöhnliche Ornamentik stellt einen Bezug zur Welt des Theaters her, in welcher Orpheus in unterschiedlichen Episoden auftrat: Sein Tod wurde in den Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Bassariden' des griechischen Tragödiendichters Öffnet internen Link im aktuellen FensterAischylos dargestellt, und diese Geschichte gehörte auch zum Repertoire der Öffnet internen Link im aktuellen Fensterrömischen Pantomime. Die Begebenheit vom Öffnet externen Link in neuem FensterGesang des Orpheus unter den wilden Tieren war so beliebt, dass sie als eine Art 'mythological reenactment' dem römischen Publikum vor Augen geführt wurde, vielfach wohl in der Arena des Amphitheaters, möglicherweise aber auch in Theatern. Einen solchen Event mag das Orpheus-Bild aus Philippopolis memorieren.

Lit.: J. Balty, Le cobra et la mangouste dans les mosaïques tardives de Proche Orient. Jahrb. für Österreichische Byzantinistik 25, 1976, 229 Abb. 10; dies., Mosaïques antiques de Syrie (Brüssel 1977) 44 f. Taf. 17–19; dies., La mosaïque d’Orphée de Chahba-Philippopolis, in: Recueil d’Hommages à Henri Stern (Paris 1983) 33 ff. Taf. 21–24; dies., Mosaïques antiques de la proche-orient, Chronologie, iconographie, interprétation. Centre de recherches d’histoire ancienne 140 – Annales littéraires de l’Université de Besançon 551 (Paris 1995) 239 ff. Taf. XII 1; I. J. Jesnick, The Image of Orpheus in Roman Mosaic – An Exploration of the Figure of Orpheus in Graeco-Roman Art and Culture with Special Reference to its Expression in the Medium of Mosaic in Late Antiquity. BAR Int. Ser. 671 (Oxford 1997) 141 Nr. 70; 223 Abb. 63; 233 Abb. 87; 247 Abb. 112; R. Gogräfe, Die Wiedergeburt des Mainzer Orpheus (Mainz 2007) 19 Abb. (Leitet Herunterladen der Datei einpdf-Download)