Allgemein:

Literatur: D. J. Geagan, Notes on the Agonistic Institutions of Roman Corinth. Greek, Roman and Byzantine Studies 9, 1968, 69-80.

Isthmien

Zu Beginn der Neugründung der römischen Kolonie Korinths könnten die Isthmischen Spiele in Korinth abgehalten worden sein und erst im späteren 1. Jh. n. Chr. wieder in das unmittelbar benachbarte Isthmia zurückgekehrt sein. Vgl. die Bemerkungen unter Öffnet internen Link im aktuellen FensterISTHMIA.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterKaisareia

Nicht bezeichnetes Fest

Die Beschreibung einer kaiserzeitlichen Theateraufführung von hohem kulturgeschichtlichem und exemplarischem Wert gibt

Öffnet externen Link in neuem FensterApuleius, Metamorphosen X 29,4-32,4 (Öffnet externen Link in neuem Fensterlateinischer Text).

Übersetzung (nach Brandt - Ehlers):

„Jungen und Mädchen in blühend frischem Alter, schön gestaltet und hübsch gekleidet, fingen mit graziösen Schritten ein griechisches Ballett an: In bestimmten Anordnungen zeigten sie einen Wirbel reizender Tanzfiguren, bald zum kreisenden Rad geschwenkt, bald zur schrägen Kette verschränkt, dann im Keil zum offenen Viereck formiert, dann halb und halb auseinandergruppiert. Kaum aber hatte das Schlußsignal einer Trompete das Auf und Ab und Hin und Her und vielverschlungene Rundherum beendet, schließt man den Vorhang, zieht die Draperien ein und richtet die Bühne her.

Ein Berg stand da aus Holz, ein Abbild jenes berühmten Berges, den der Dichter Homer als Idagebirge besungen hat, von großen Könnern errichtet, bepflanzt mit Gebüsch und lebenden Bäumen. Seinem Gipfel oben entströmte durch eine künstliche Vorrichtung eine Quelle und ließ Flußwasser herabrinnen. Ein paar Ziegen rupften Grünzeug, und wie Paris, der phrygische Hirt, schön kostümiert - exotische Gewänder flossen ihm von den Schultern und eine goldene Mütze bedeckte seinen Kopf - mimte ein junger Mann den Hüter der Tiere. Dann ist da ein entzückender Knabe, nackt bis auf das die linke Schulter bedeckende Ephebenmäntelchen, in herrlicher blonder Lockenpracht, und aus seinen Haaren ragten zwei goldene Flügelchen in symmetrischer Anordnung heraus; der Heroldsstab kennzeichnete ihn als Merkur. Der tritt in schnellem Tanzschritt auf, einen mit Blattgold überzogenen Apfel in der Rechten, den er dem Darsteller des Paris reicht; dabei deutet er ihm den Auftrag Jupiters durch Gesten an, zieht sich schnell und gewandt zurück und entschwindet den Blicken.

Auf ihn folgt ein Mädchen mit hoheitsvoller Miene, wie die Göttin Juno anzuschauen; denn das Haupt umgab ein strahlendes Diadem, und ein Szepter trug sie auch. Dann stürmte noch eine herein, die man für Minerva halten konnte: Ihr Haupt war mit einem funkelnden Helm bedeckt, und der Helm wieder mit einem Kranz aus Ölzweigen; sie hob den Schild und schwang die Lanze und sah so wie die Göttin auf dem Schlachtfeld aus.

Zu diesen trat noch eine auf, ein überwältigend prächtiger Anblick. In der Anmut ihres ambrosischen Teints stellte sie die Venus dar, so wie Venus war, als sie noch Jungfrau war. Ihr nackter, unverhüllter Körper ließ vollendete Schönheit sehen, nur daß sie mit einem zarten Seidenschal die Scham beschattete, die aber sichtbar blieb. Ein bißchen neugierig, hob der Wind bald freundlicherweise das Tuch neckisch an, so daß es zur Seite wich und die knospende Jugend sehen ließ; bald drückte er es spielerisch mit seinem Hauch hin, so daß es sich eng anschmiegte und die Konturen der verführerischen Glieder andeutete. Aber die Farben an der Göttin ließen gleich einen Gegensatz sehen: der Körper blendend weiß, weil sie vom Himmel niederfährt, der Umhang blau, weil sie vom Meere wiederkehrt.

Nun trat neben die einzelnen Jungfrauen, die die Göttinnen spielten, ihre Garde, und zwar neben Juno Kastor und Pollux, ovale Helme mit Sternspitzen als Kopfbedeckung; freilich auch dieses Brüderpaar waren Knaben aus der Schauspielertruppe. Das betreffende Mädchen kommt zu den Melodien einer jonischen Flöte nach vorn und verspricht mit ruhigen, ungezierten Gesten und hoheitsvollen Gebärden dem Hirten, wenn er ihr den Preis der Schönheit zuspreche, dann werde sie ihm die Herrschaft über ganz Asien geben. Doch die andere, welche der Waffenschmuck zu Minerva gemacht hatte, wurde von zwei Knaben als waffentragenden Begleitern der Kriegsgöttin eskortiert, Schrecken und Furcht. Sie tanzten mit blanken Schwertern. Hinten aber spielte ein Flötenbläser eine dorische Kriegsmelodie, mischte dumpfe Baßtöne mit hellem, trompetenartigem Geschmetter und brachte dadurch einen schwungvollen und lebhaften Reigen in Gang. Mit unruhigem Haupt und drohend dreinblickenden Augen suchte sie dem Paris durch bündige Fuchtelbewegungen energisch klarzumachen, wenn er ihr den Schönheitspreis zuerkenne, dann würde er dank ihrer Hilfe ein Held mit glänzenden Kriegsauszeichnungen werden. Schau!

Da steht Venus unter lautem Beifall des Theaters mitten auf der Bühne hold lächelnd in lieblicher Haltung da. Um sie wimmelt ein Schwarm fröhlicher Jungen. Diese rundlichen, milchzarten Buben hätte man sagen mögen, seien richtige Amoretten und gerade eben vom Himmel oder aus dem Meere hergeflogen: Mit ihren niedlichen Flügeln und putzigen Pfeilen und sonstigem Aufzug paßten sie wunderbar dazu, und als ginge sie zu einem Hochzeitsessen, leuchteten sie ihrer Herrin mit flackernden Fackeln voran. Und nun strömen reizende Scharen unverheirateter junger Mädchen herein, hier als anmutige Grazien, da als wunderschöne Horen. Sie warfen Blumenkränze und lose Blüten, um ihre Göttin zu feiern, hatten einen kunstvollen Reigen formiert und umschmeichelten die Herrin aller Lust mit dem Frühlingsschmuck. Flöten lassen jetzt aus all ihren Löchern den süßen Schall lydischer Weisen erklingen. Während diese die Herzen der Zuschauer in Entzücken setzen, begann weit entzückender noch Venus sich anmutig zu bewegen; mit zögernd verhaltenem Schritt und leicht wiegender Taille und leise nickendem Haupt schritt sie dahin, ging auf die weichen Flötenklänge mit sanften Bewegungen ein und ließ ihre bald mild geschlossenen, bald scharf drohenden Augen sprechen, ja tanzte mitunter nur mit Blicken. Als sie in den Gesichtskreis des Schiedsrichters kam, schien sie durch ein Schwingen der Arme zu verheißen, falls sie den anderen Göttinnen vorgezogen würde, werde sie Paris eine Frau geben von wunderschöner Gestalt und ihr Ebenbild. Da reichte der junge Phryger seinen goldenen Apfel von Herzen gern dem Mädchen gleichsam als Ja für ihren Sieg.“

Lukian, asinus 53 (Öffnet externen Link in neuem Fensterdeutsche Übersetzung):

(Text folgt)

Kommentar: Zu archäologischen Hinweisen auf Vorführungen des 'Urteils des Paris' in Theatern siehe Öffnet internen Link im aktuellen FensterSabratha, Öffnet internen Link im aktuellen FensterKos, städtisches Theater, Öffnet internen Link im aktuellen FensterDaphne bei Antiocheia. Der Stoff wurde bereits in der Komödie Dionysalexandros des Öffnet internen Link im aktuellen FensterKratinos verarbeitet.

Literatur: S. Trenkner, The Greek Novella in the Classical Period (Cambridge 1958); M. Kokolakis, Gladiatorial Games and Animal-baiting in Lucian (1959) 16; ; Öffnet externen Link in neuem FensterH.J. Mason, Lucius at Corinth, Phoenix 98, 1971, 160-165; H.J. Mason, Fabula Graecanica: Apuleius and his Greek Sources, in: B.L. Hijmans - R.Th. van der Paardt (Hrsg.), Aspects of Apuleius' Golden Ass (Groningen 1978) 10 f.; K.M. Coleman, Fatal Charades, JRS 80, 1990, 52; D. Engels, Roman Corinth (Chicago 1990) 47; N. Fick-Michel, Die Pantomime des Apuleius (Met. X., 30-34,3), in: J. Blänsdorf (Hrsg.), Theater und Gesellschaft im Imperium Romanum (Tübingen 1990) 223-232; Öffnet externen Link in neuem FensterE. Finkelpearl, The Judgment of Lucius, Metamorphoses  10.29.34, Class. Antiquity 10, 1991, 221-236; M. Zimmermann, Narrative Judgment and Reader Response in Apuleius Metamorphoses 10,29-34: The Pantomime of the Judgement of Paris, Groningen Colloquia on the Novel 5, 1993, 143-161; M. Zimmermann, Apuleius Madaurensis Metamorphoses, Book X. Text, Introduction and Commentary (Groningen 2000) 350-416; M. Papini, Munera gladiatoria e venationes nel mondo delle immagini, Memorie, Accademia nazionale dei Lincei, Classe di scienze morali, storiche e filologiche, Accademia nazionale dei Lincei. Classe di scienze morali, storiche e filologiche, Atti della Accademia nazionale dei Lincei 19 (Rom 2004) 98; St. Frangoulidis, Roles and Performances in Apuleius' Metamorphoses, Beiträge zum antiken Drama und seiner Rezeption, Beih. 16 (Stuttgart - Weimar 2001) 147-162; R. May, Apuleius and Drama. The Ass on Stage (Oxford 2006) 5. 302 ff.; H. Denard, Lost theatre and performance traditions in Greece and Italy, in: M. McDonald - J.M. Walton (Hrsg.), The Cambridge Companion to Greek and Roman Theatre (Cambridge 2007) 153 f.; R. Gogräfe, Theater im römischen Reich. Bühne für Schauspieler, die Feiern des Imperiums und die Sponsoren des Reiches (Mainz 2013) 128-131.

Euklea

Die Eukleia sind ein Fest für Artemis Eukleia, das auch Agone im Theater beinhaltete.
Quellen:
Xenophon, Hellenika IV 4,2:

Übersetzung:
„Schon ihr erster Beschluß war ruchloser als alles andere. Denn sonst wird einer, auch wenn er nach dem Gesetz verurteilt wurde, nicht gerade während eines Festes hingerichtet. Jenen aber wählten mit bedacht den letzten Tag der Eukleia, weil sie da noch mehr Leute auf dem Markt ergreifen zu können glaubten, um sie zu töten. Als denen das verabredete Zeichen gegeben war, denen man vorher gesagt hatte, wen sie umbringen sollten, da zogen sie ihre Schwerter und erschlugen manchen, der gerade im Kreise einer kleinen Gruppe stand, manchen anderen sitzend, wieder einen andern im Theater, ja unter Umständen sogar den Schiedsrichter, der gerade zur Entscheidung der Agone dasaß.“

Literatur: D. H. J. Larmour, Stage and Stadium. Drama and Athletics in Ancient Greece, Nikephoros Beihefte 4 (Hildesheim 1999) 186; A. Schachter , The Cults of Boeotia 1. Acheloos to Hera, British Institute for Classical Studies Suppl. 38,1 (London 1981-1994) 102. 104. 106.