Dem Mythos nach war Kanake die Tochter des eponymen Stammvaters der thessalischen Äoler namens Aiolos und der Enarete, einer Tochter des Deimachos. Vom Gott Poseidon hatte sie 5 Kinder. Dieser Aiolos wurde schon früh einerseits mit dem gleichnamigen tyrrhenischen König und andererseits dem Hüter der Winde gleichgesetzt. Letzterer lebte zusammen mit seinen Kindern auf der Insel Aiolia, wo diese in Geschwisterehe zusammenlebten. In der 423 v.Chr. entstandenen und verlorenen Tragödie Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Aiolos' des Euripides wurde nach diesem Motiv geschildert, wie sie in einer verbotenen Verbindung von ihrem Bruder Makareus schwanger war. Ihr Vater Aiolos tötete das Kind wegen dieses Inzests nach dessen Geburt und gab seiner Tochter das Schwert, mit dem sie sich umbringen sollte. Makareus beging daraufhin Selbstmord.

Aristophanes bearbeitete den Mythos in der Komödie Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Aiolisikon', Eriphos in der Komödie 'Aiolos' und Öffnet internen Link im aktuellen FensterAntiphanes ebenfalls in einer Komödie namens 'Aiolos'.

Kaiser Nero performte öffentlich im Stück 'Die Niederkunft der Kanake' und in der Öffnet internen Link im aktuellen Fensterrömischen Pantomime wurde die Geschichte der Öffnet internen Link im aktuellen FensterKanake ebenfalls gegeben. Die Bekanntheit des Stoffes beleuchtet auch, dass Ovid in den Heroides einen Brief (Brief 11) der Canace an Macareus dichtete.

Quellen

Anthologia Palatina XI 254.

„Alles hast du getreu nach dem Mythos getanzt; nur das eine,
was von Entscheidung doch war, hast du entschieden verfehlt.
Als du die 'Niobe' tanztest, da standest du da wie ein Steinblock;
als du den 'Kapaneus' gabst, kamst du im Stolpern zu Fall.
Doch bei der 'Kanake' nun, da tratest du trotz deines Schwertes
und dem Mythos zum Trotz, Stümper, als Lebender ab." (Übers. H. Beckby)

Lit.: E. Hall, Is the 'Barcelona Alcestis' a libretto?, in: E. Hall - R. Wyles (Hrsg.), New directions in ancient pantomime (Oxford 2008) 263.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterCass. Dio LXIII 10.
Öffnet internen Link im aktuellen FensterSueton, Nero 21.

Literatur

RE X (Stuttgart 1919) 1853-1855 s.v. Kanake (Schwerling); T.B.L. Webster, The tragedies of Euripides (London 1967) 157-160. 303; Der Kleine Pauly 3 (Stuttgart 1979) 104 s.v. Kanake (H. von Geisau); LIMC V (Zürich - München 1990) 950 f. s.v. Kanake (G. Berger-Doer); B. Zimmermann, Seneca and Pantomime, in: E. Hall - R. Wyles (Hrsg.), New Directions in ancient pantomime (Oxford 2008) 226; E. Hall, Is the 'Barcelona Alcestis' a libretto?, ebda. 263 f.; 271 Anm. 29.

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterde.wikipedia.org/wiki/Kanake_(Mythologie)

Darstellungen

Vasenmalerei, lukanische Hydria; FO: Canosa; AO: Bari, Museum 1535:

Die um 410 v.Chr. datierte Vase ist nur wenige Jahre nach der Aufführung des euripideischen Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Aiolos' entstanden.

Lit.: E. Séchan, Études sur la tragédie grecque (Paris 1926) 235; EAA III (Rom 1960) 353 Abb. 429 s.v. Eolo (A. Rumpf); A.D. Trendall, The red-figured vases of Lucania, Campania and Sicily (London 1967) 45. 221 Taf. 18; A.D. Trendall - T.B.L. Webster, Illustrations of Greek Drama (London 1971) 74 Nr. III 3,4 Abb.; K. Schefold - F. Jung, Die Urkönige Perseus, Bellerophon, Herakles und Theseus in der klassischen und hellenistischen Kunst (Basel 1988) 44 f. Abb. 34.

Rom, Ausschnitt eines Bildes vom Tor Marancio mit der inschriftlich bezeichneten Kanake (Umzeichnung: Reinach).
Wandmalerei; FO: Rom, Tor Marancio; AO: Vatikan, Sala delle nozze Aldobrandine:

Das Bild stammt aus einer antiken Villa vor der Porta San Sebastiano und wird in das 2. Jh. n.Chr. datiert. Es stellt mehrere Heroinen dar, die wegen ihrer verbotenen Liebe zu tragischen Gestalten geworden waren, neben Kanake sind dies Myrrha, Pasiphae, Phädra und Öffnet internen Link im aktuellen FensterSkylla.

Lit.: L. Biondi, I monumenti Amaranziani, Museo Chiaramonti, III (Rom 1843) 2; B. Nogara, Ausonia 1, 1906, 51 ff.; ders., Le Nozze Aldobrandine (Mailand 1907) 57-58 Taf. XXXIII; S. Reinach, Répertoire des peintures grecques et romaines Paris 1922) 182,1; W. Helbig, Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Alterthümer in Rom, I. Die päpstlichen Sammlungen im Vatikan, die städtischen Sammlungen auf dem Kapitol, Antiquarium Comunale und Museo Barracco (Leipzig 19123) 415; W. Helbig, Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Alterthümer in Rom, I. Die päpstlichen Sammlungen im Vatican und Lateran (Tübingen 19634) 464; A. Rumpf, Malerei und Zeichnung der klassischen Antike, Handbuch der Archäologie, IV 1 (München 1953) 192; M. Borda, La pittura romana (Mailand 1958) 285; H. Mielsch, Funde und Forschungen zur Wandmalerei der Prinzipatszeit, in: ANRW, II 12,2 (Berlin - New York 1981) 226.