R(h)inthon ist der bekannteste Dichter der unteritalisch-sizilischen Phlyakenposse und gilt als Erfinder der tragikomischen Hilarotragödien. Er stammt scheinbar aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterSyrakus, seine Schaffensstätte war aber Öffnet internen Link im aktuellen FensterTarent. Er lebte in der frühhellenistischen Epoche zur Zeit des Öffnet externen Link in neuem FensterPtolemaios I. 38 Stücke soll er geschrieben haben, wovon einige namentlich bekannt sind. Seine Wirkung war so bedeutend, dass die lateinischen Grammatiker 'Rhintonica' als eine eigene Gattung römischer Theaterdichtung führten. Die unteritalischen Phlyakenvasen aus dem 4. Jh. v.Chr. sind ein wenig älter als Rhinthon, belegen aber eindrücklich die große Beliebtheit dieses Genres in Großgriechenland.

Testimonia

Epigramm der Dichterin Nossis; Anthologia Graeca VII 414:

„Gehst du vorüber, dann lache hellauf und rufe ein freundlich
Wort mir entgegen: ich bin Rhinthon von Stadt Syrakus.
Nachtigall bin ich der Musen, zwar klein nur, doch hab' ich mit heitern
tragischen Spielen mir einst eigenen Efeu gepflückt." (Übers. H. Beckby)

Öffnet internen Link im aktuellen FensterCaesii Bassi fragmentum de metris (ed. H. Keil, Grammatici Latini VI, scriptores artis metricae, Leipzig 1874, 312)
Cicero, att. I 20,3.
Columella VIII 16, 4. (Lesung fraglich) 
Öffnet internen Link im aktuellen FensterDonat., de com. VI 1 (p.68 Kaibel)
Öffnet internen Link im aktuellen FensterEuanth., de com. IV 1 (p. 66 Kaibel)
Varro, r. r. III 3, 9.
Steph. Byz. s.v. Taras (p. 603):

... ὁ πολίτης Ταραντνος. κα νεγράϕησαν οτω πολλο χρηματίζοντες, μάλιστα Πυϑαγόρειοι, κα ριστόξενος μουσικός, ριστοτέλους γνώριμος. κα ίνϑων Ταραντνος, ϕλύαξ, τ τραγικμεταρρυϑμίζων ς τ γελοον·ϕέρονται δ’ ατο δράματα ληʹ. ...

„... Der tarentinische Bürger. So wurden auch viele geschrieben, welche diesen Namen trugen, zumeist Pythagoräer und Aristoxenos, der Musikgelehrte und Bekannte des Aristoteles. Auch der Tarentiner Rhinthon, Phlyakendichter, welcher das Tragische ins Lächerliche umwandelte: Von ihm stammen 38 Dramen."

Suidas s.v. (ρ 171):

ίνϑων, Ταραντνος, κωμικός, ρχηγς τς καλουμένης λαροτραγδίας, στι ϕλυακογραϕία. υἱὸς δ ν κεραμέως κα γέγονεν π το πρώτου Πτολεμαίου. δράματα δ ατο κωμικ τραγικ ληʹ

„ Rhinthon, Tarentiner, Komödiendichter, Erfinder der sogenannten Hilarotragödie, er ist Phlyakendichter. Er ist Sohn eines Töpfers und lebte unter Ptolemaios I. Seine Dramen sind 38 Tragikomödien."

Ausgaben und Literatur

J. Sommerbrodt, De phlyacographis Graecis, Diss. Breslau 1875, 43-56; Öffnet externen Link in neuem FensterE. Völker, Rintonis fragmenta (Halle 1887); G. Kaibel, Comicorum graecorum fragmenta, I 1, doriensium comoedia, mimi, phlyaces (Berlin 1899; 19582) 183-189; RE I A 1 (Stuttgart 1914) 843 f. s.v. Rinthon (Koerte); A. Olivieri, Frammenti della commedia Greca e del mimo nella Sicilia e nella Magna Grecia, 2. Frammenti della commedia Fliacica (Neapel 1947 2) 7-24; M. Gigante, Rintone e il teatro in Magna Grecia (Neapel 1971); R. Bracht Branham, Comic traditions in Magna Graecia,in: B.D. Wescoat (Hrsg.), Syracuse, the fairest Greek city. Ancient art from the Museo Archeologico Regionale 'Paolo Orsi', Emory University Museum of Art and Archaeology, Atlanta, Nov. 1, 1989 to May 14, 1990 (Rom 1989) 35-37; O. Taplin, Comis Angels and Other Approaches to Greek Drama through Vase-Paintings (Oxford 1993) 48-52; R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 260-270.

Werke

Ἀμϕϕιτρύων

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 262 Nr. 1.

Athenaios 111c.

Darstellungen

Glockenkrater des Assteas, 350-325 v.Chr., mit Darstellung des Zeus mit der Leiter und seinem Sohn Hermes unter einem Fenster, aus dem eine Frau herausschaut (Bild: Bieber Taf. 76).

Phlyakenvase des Assteas; AO: Vatikan, Museo Gregoriano Etrusco, Inv. 17106:

Der dem Assteas zugeschriebene Glockenkrater zeigt in einer seit Winckelmann vertretenen Deutung Zeus in der Verkleidung als Amphitryon und Hermes als dessen Sklaven Sosia in der Verführung der Alkmene. Zeus ist als alter Mann charakterisiert und trägt eine Leiter, durch deren Sprossen er seinen Kopf mit einer viel zu kleinen Krone gesteckt hat. Hermes leuchtet ihm mit einer kleinen Lampe in seiner rechten Hand. Die Kostüme beider sind ausgepolstert: Dicke Bäuche, große Gesäße und die umgebundenen Phalloi trugen so zur Heiterkeit bei. Das Vasenbild wurde oft herangezogen, um die Tragikomödie Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Amphitruo' des Plautus zu illustrieren, doch kommt dort nicht die Fensterszene wie hier vor. Ob das Bild freilich die Version des Rhinton illustriert, kann nicht mehr mit Gewissheit beantwortet werden, sie ist jedenfalls älter als Rhinton. Zumindest ist sie Beleg für die Beliebtheit einer derben Posse um Zeus als Liebhaber und höchstwahrscheinlich Alkmene, die danach die Zwillinge Herakles (von Zeus gezeugt) und Iphikles (von Amphitryon gezeugt) zur Welt brachte.

Literatur: Museo Gregoriano I Taf. XXXI 2; J.J. Winckelmann, Monumenti inediti II Taf. 190; Heydemann, Jahrb. DAI 1, 1886, 276; J. Gabrici, Ausonia 5, 1910, 59 f. Abb. 1; Helbig3 510; E. Romagnoli, Commedie di Aristofane XXXV f. Abb. 20; ders., Nel regno di Dionisio. Studi sul teatro comico greco (Bologna 1918) 21 Abb. 23; M. Bieber, Die Denkmäler zum Theaterwesen im Altertum (Berlin - Leipzig 1920) 192 Nr. 101; A.D. Trendall, Vasi antichi dipinti del Vaticano, Vasi Italioti ed Etruschi a Figure Rose, I (Vatikan 1953) 27-29; M. Bieber, The history of the Greek and Roman theater (Princeton 1961) 132 Abb. 484; Helbig4 987; A.D. Trendall - T.B.L. Webster, Illustrations of Greek Drama (London 1971) 134 Nr. IV 19 Abb.

Ἡρακλῆς

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 263 Nr. 3.

Athenaios XI 500f:

Hystiakon - irgendwie ein Trinkgefäß; Rhinton im 'Herakles':
'In einem hystiakón hast du ein reines Weißgebäck
wie auch von reingemahlenem Gerstenkorn ein Riesenstück verschlungen.'" (Übers. C. Friedrich)

Ἰϕιγένεια ἐν Αυλίδι

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 264 Nr. 5.

Pollux VII 90

Ἰϕιγένεια ἡ ἔν Ταύροις

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 264 Nr. 6.

Pollux VII 61

Δοῦλος Μελέαγρος

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 262 Nr. 2.

Μήδεια

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 265 Nr. 7.

Hesychios κομάκτωρ

Ὀρέστας

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 265 Nr. 8.

Griechische Tragödien gleichen Titels sind von Öffnet internen Link im aktuellen FensterAischylos und Öffnet internen Link im aktuellen FensterEuripides bekannt, eine lateinische von Öffnet internen Link im aktuellen FensterSeneca. Öffnet internen Link im aktuellen FensterAlexis bearbeitete den Stoff als eine Komödie.

Τήλεϕος

Ein gleichnamiges Stück gab es von Deinolochos.

R. Cassel - C. Austin (Hrsg.), Poetae comici graeci, I. Comoedia dorica, mimi, phlyaces (Berlin - New York 2001) 266 Nr. 9.

Pollux X 35