Medea vor dem Kindermord, römisches Wandbild aus der Basilica in Herculaneum im Nationalmuseum Neapel 8976 (Bild: wikimedia)

Medea war die Tochter des Aietes von Kolchis am Schwarzen Meer. Sie war Zauberin, Priesterin der Hekate und verliebte sich in den Argonauten Jason, weil Hera Aphrodite hierum gebeten hatte. Aietes war im Besitz des Goldenen Vlieses, einer Art Unterpfand für die königliche Herrschaft in Gestalt des Felles von einem fliegenden Widder, welcher Phrixos und Helle die Flucht aus Athen ermöglicht hatte. Aietes versprach scheinheilig, es den Argonauten unter der Bedingung herauszugeben, dass sie ein Feld mit zwei Stieren pflügten, die ein Geschenk des Hephaistos waren: Sie waren aus Bronze gefertigt und hatten einen Atem aus Feuer. Wenn sie dies vollbracht hätten, sollten sie das Feld mit den Zähnen des Drachens des Kadmos sähen, die sich im Besitz des Aietes befanden. Aus diesen Zähnen sollten Krieger entwachsen, welche die Argonauten aus dem Wege zu räumen hätten.

Iason gelang die Heldentat wider Erwarten, wofür eine Zaubersalbe entscheidend war, die ihm Medea oder deren Mutter Kirke gab und welche ihm übermenschliche Kräfte verlieh. Aietes plante dann jedoch, die Argonauten in der Nacht zu überfallen und umzubringen, weshalb Medea sie zur sofortigen Flucht aufforderte. Auf dem Weg zum Meer zeigte sie ihnen dabei das Goldene Vlies, das von einem Drachen in einem Hain bewacht wurde, und mit Hilfe eines Zaubers gelang es den Argonauten, sich des Vlieses zu bemächtigen.

Aietes bemerkte dies jedoch und setzte nach unterschiedlichen Versionen entweder selbst zu Verfolgung an oder schickte seinen Sohn Apsyrtos. In ersterer Version tötete Medea den noch kindlichen Apsyrtos, nach letzterer wurde der Jüngling von den Argonauten umgebracht.

Nachdem Medea mit Jason nach Jolkos zurückgekehrt war, ging sie an die Rache an Pelias, welcher seinen Stiefbruder Aison, den Vater des Iason aus der Herrschaft über Thessalien gedrängt und Iason anstiftet hatte, das Goldene Vlies aus Kolchis zu stehlen. Hiermit hatte er natürlich die Hoffnung verbunden, dass Jason dieses Unternehmen nicht überleben werde, umso mehr, als Iason ihm als der Einschuhige begegnet war, eine Person, welche nach Auskunft eines Orakels ihm seine Königsherrschaft streitig machen werde. Inhalt von Medeas Racheplan war, den Töchtern des Pelias klar zu machen, dass deren Vater zu alt sei und sie ihn in einem Kessel mit Zauberkräutern wie in einem Jungbrunnen jung kochen könne. Sie bewies ihre Fähigkeit dazu, indem sie den greisen Aison und/oder einen alten Widder dieser Behandlung unterzog. Als Pelias nun an der Reihe war, zerstückelt und gekocht wurde, verwendete Medea absichtlich eine falsche Zaubermixtur. Pelias starb, doch wurden Jason und Medea von Akastos, dem Sohn des Pelias vertrieben.

Die beiden gingen nach Korinth. Dort verstieß Jason Medea und heiratete Glauke, die Tochter der korinthischen Königs Kreon. Aus Eifersucht tötete Medea die Glauke und Kreon mit Hilfe eines Gewandes, das mit einem Gift bestrichen war und die beiden verbrannte – das Motiv ähnelt der Deianeira-Nessos-Geschichte. Die Kinder des Jason, Mermeros und Pheres, tötete sie ebenfalls. Danach ging sie nach Athen, wo König Aigeus ihr Asyl angeboten hatte.

Griechische Tragödien namens 'Medea' stammen von Öffnet internen Link im aktuellen FensterNeophron und Öffnet internen Link im aktuellen FensterEuripides, weitere von Melanthios, dem jüngeren Euripides, Dikaiogenes, Karkinos, Theodorides, Diogenes und Biotos, lateinische Bearbeitungen von Öffnet internen Link im aktuellen FensterAccius, Öffnet internen Link im aktuellen FensterOvid und Öffnet internen Link im aktuellen FensterSeneca. Hierbei stand sicher oder wahrscheinlich Medeas Kindermord in Korinth im Mittelpunkt des Geschehens, eine Sichtweise auf Medea, die auf Euripides' Aufführung seiner 'Medeia' im Jahre Öffnet internen Link im aktuellen Fenster431 v.Chr. zurückgeführt wird: Der Tragiker fiel mit diesem Stück beim athenischen Publikum jedoch durch und wurde hinter Euphorion und Sophokles nur dritter. Bis dahin sah man in Medea hauptsächlich die barbarische Zauberin, Euripides' Bruch mit diesem Aspekt war vielleicht dem Publikum eine zu große Zumutung. Komödien dieses Titels sind von Öffnet internen Link im aktuellen FensterEpicharm, Deinolochos und Öffnet internen Link im aktuellen FensterRhinton, Antiphanes, Kantharos, Eubulos und Strattis überliefert. Andere Episoden der Medea sind in den Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Peliaden' des Euripides sowie dem Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Aigeus' behandelt. Öffnet internen Link im aktuellen FensterSophokles behandelte in den Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Kolchides' und in den Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Skythai' die Ermordung von Medeas Bruder Apsyrtos, in den Öffnet internen Link im aktuellen Fenster'Rhizotomoi' die Tötung des Pelias.

Literatur

K. Kerényi, Die Heroen der Griechen (Zürich 1958) 266–298.

RE 15/1 (Stuttgart 1931) 30–56 s.v. Medeia (A. Lesky)

Lexikon der Alten Welt, II (Zürich - München 1965) 1882 f. s.v. Medea (K. Schauenburg).

V. Haas, Medea und Jason im Lichte hethitischer Quellen, Acta Antiqua Academiae Scientiarum Hungaricae 26, 1978, 241–253.

LIMC, VI (München - Zürich 1992) 386-398 s.v. Medeia (M. Schmidt)

Medée et la violence. Colloque international à l'Université de Toulouse - Le Mirail les 28, 29 et 30 mars, Pallas 45, 1996, 7-287.

A. Moreau, Medée ou la ruine des structures familiales. La Medée ancienne: Mère généreuse, fiancée bénéfique, florissante èpouse, in: O. Cavalier (Hrsg.), Silence et fureur: la femme et le marriage en Grèce; les antiquités grecques du Muséum Calvet (Avignon 1996) 304-321.

A. Klöckner, Mordende Mütter. Medea, Prokne und das Motiv der furchtbaren Rache im klassischen Athen, in: G. Fischer - S. Moraw (Hrsg.), Die andere Seite der Klassik. Gewalt im 5. und 4. Jh. v.Chr. Kulturwissenschaftliches Kolloquium Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland 11.-13. Juli 2002 (Stuttgart 2005) 247-263.

weblinks:

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Darstellungen

Herculaneum, Haus der Augustalen, Wandbild

Lit.: W. Helbig, Die Wandgemälde der vom Vesuv verschüttetetn Städte Campaniens (Leipzig 1868) 271 Nr. 1264; Le collezioni del Museo Nazionale di Napoli: I mosaici, le pitture, gli oggetti di uso quotidiano, gli argenti, le terracotte invertriate. i vetri, i cristali, gli avori (Rom 1986) 150 Nr. 194.

weblink:

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