Publilius Syrus war Schauspieler und Verfasser von Öffnet internen Link im aktuellen FensterMimen. Er war Freigelassener und stammte Syrien, genauer vermutet man aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterAntiocheia, das für seine vielen Mimen und Schauspieler bekannt war (Cicero, pro Archias 4. 18; Quintilian, Inst. X 7,19). Von dort gelangte er um 83 v.Chr. nach Rom, wo er bei von Cäsar veranstaltetenÖffnet externen Link in neuem Fenster ludi im Jahre 46 in einem Wettbewerb von Stehgreifdichtern den bis dahin führenden Mimen Öffnet internen Link im aktuellen FensterLaberius besiegte. Die beiden Titel Murmurco = Der Brummer und Putatores = Die Baumbeschneider sind von ihm bekannt. Eine Sammlung von annähernd 700 angeblich aus seinem Munde stammenden Sentenzen wurde vor seinem Tode im 1. Jh. v.Chr. zusammengestellt.

Testimonia

Cicero, Att. XIV 2:

duas a te accepi epistulas heri. ex priore theatrum Publiliumque cognovi, bona signa consentientis multitudinis. plausus vero L. Cassio datus etiam facetus mihi quidem visus est.

„Gestern habe ich zwei Briefe von dir erhalten. In dem einen berichtest du vom Theater, von Publius' Auftreten und den Zeichen freundlicher Zustummung beim Publikum. Dass Lucius Cassius mit lautem Beifall begrüßt worden ist, finde ich köstlich."

vgl. Cicero, Att. XIV 3,2:

tu si quid πραγματικὸν habes rescribe; sin minus, populi ἐπισμασίαν et mimorum dicta perscribito. Piliae et Atticae salutem.

„Wenn du etwas Aktuelles zu berichten weißt, so schreib es mir bitte: Wenn nicht, erzähle mir von den Kundgebungen des Volkes und den Witzen der Mimen. Grüße Pilia und Attica." (Übers. nach H. Kasten)

Gellius XVII 14:

„Publilius Syrus schrieb mimische Schauspiele und wurde für würdig befunden, darin dem Laberius gleich geschätzt zu werden. Allein die Schmähsucht und der Hochmut des Laberius beleidigte den Caius Cäsar so sehr, und veranlaßte ihn zu der ganz offenen Erklärung, dass er die Schauspiele des Publilius weit angenehmer und vortrefflicher finde, als die des Laberius. ... "

Hieronymus, epistulae 107,8.
Hieronymus, chron z. J. 1948 (= 43):

Laberius mimorum scriptor decimo mense post C. Caesaris interitum Puteolis moritur. Publilius mimografus natione Syrus Romae scenam tenet.

„Der Mimenschriftsteller Öffnet internen Link im aktuellen FensterLaberius starb im zehnten Monat nach dem Tod des C. Cäsar in Pozzuoli. Der Mimograph Publilius, von Herkunft Syrer, bedeutete in Rom auf der Bühne alleine etwas."

Macrobius, sat. II 7,6 f.

„Als dieser Publilius, ein geborener Syrer, noch als Knabe dem Patron seines Herrn vorgestellt wurde, gefiel er diesem ebenso durch Witz und Geist wie durch gutes Aussehen. Da nämlich jener Patron einen seiner Sklaven, einen Wassersüchtigen, im Hofraum hatte liegen sehen, und ihn im barschen Ton gefragt hatte, was er da in der Sonne mache, antwortete Publilius: »Er wärmt Wasser«. Als man sodann beim Mahle die Scherzfrage aufwarf, was lästige Muße sei, und der eine dies, der andere jenes meinte, sagte Publilius »Gichtfüße«.
(7) Daher und wegen anderer Vorzüge wurde er freigelassen und sorgsamer ausgebildet. Und als er später Mimen schrieb und unter gewaltigem Beifall in Italiens Städten spielte, durfte er in Rom bei Cäsars Spielen auftreten. Sodann forderte er alle, die damals ihre Stücke und Schauspiele zur Aufführung vermieteten, auf, sie sollten einzeln mit ihm wetteifern, wobei man sich gegenseitig, wie es sich ergab, ein passendes Thema stellen sollte. Keiner der Aufgeforderten entzog sich, doch besiegte er alle, darunter auch Öffnet internen Link im aktuellen FensterLaberius.
(8) Daher verkündete Cäsar lächelnd: »Auch wenn ich für dich war, Laberius, hat der Syrer dich besiegt«, und ließ sogleich Publilius Syrus die Palme und Laberius den goldenen Ritterring mit 500.000 Sesterzen überreichen. Darauf sagte Publilius zu Laberius, der sich zurückzog: »Beklatsche nun als Zuschauer den, mit dem du als Autor gekämpft hast!«
(9) Doch schob gleich bei der nächsten Vorstellung auch Laberius in einen neuen Mimus folgende Verse ein: »Nicht jeder kann zu jeder Zeit der Erste sein. Wenn man zur höchsten Ruhmes-Stufe kam, hält man sich kaum und fällt noch rascher, als man stieg. So fiel auch ich, und so fällt jener, der mir folgt. Der Ruhm ist eine Dirne.«"
(10) Von Publilius aber sind geistreiche und als allgemeine Maxime brauchbare Sentenzen überliefert. Ich weiß die folgenden in Form von Einzelversen auswändig:

(11) Wer eine Wohltat schenkt, erhält sie wieder, galt sie einem Würdigen.
Halt aus und schilt nicht das, was du nicht ändern kannst!
Jener, dem mehr erlaubt ist, als was recht ist, will mehr noch als erlaubt.
Ein unterhaltsamer Weggefährte ersetzt den Wagen.
Das Sparen ist ein Elend, doch mit gutem Ruf.
Ein Erbe weint und lacht zugleich versteckt.
Mehrfach verletzte Langmut wird zur Raserei.
Zu Unrecht schilt Neptun, wer zwei Mal Schiffbruch litt.
Zu langes Disputieren deckt die Wahrheit zu.
Es ist fast eine Wohltat, wenn man etwas rasch versagt.
So gehe mit dem Freund um, dass er auch dein Freund sein kann!
Wer altes Unrecht trägt, selbst selbst zu neuem ein.
Gefahr besiegst du nie frei von Gefahr.

(12) Doch weil ich (Avienus) in meiner Rede schon einmal die Bühne betrat, dürfen wir auch den Schauspieler Pylades nicht übergehen, der zur Zeit des Augustus ein berühmter Mime war und seinen Schüler Hylas durch seinen Unterricht fast zum Rivalen machte." (Übersetzung nach O. und E. Schönberger, Ambrosius Theodosius Macrobius. Tischgespräche am Saturnalienfest, Würzburg 2008)

Macrobius sat. VII 2,6.
Plinius, naturalis historiae VIII 209:

„Man verwendet auch für die Leber der Sauen wie für die Gänse einen Kunstgriff, den M. Apicius erfunden hat, indem man sie mit getrockneten Feigen mästet und, wenn sie fett genug sind und einen Trunk Met erhalten haben, augenblicklich schlachtet. Hierauf beziehen sich auch ... die Verbote der Zensoren, den Schmerbauch, die Drüsen, Hoden, Gebärmutter und Schweinsköpfe aufzutischen, und doch erinnert man sich an kein Gastmahl des Mimendichters Publilius, nach seiner Entlassung aus dem Sklavenstand, ohne  Schmerbauch, dem er eigens den Namen sumen verlieh."

Plinius, naturalis historiae XXXV 199:

„Es gibt aber auch eine billigste Kreide, mit der unsere Vorfahren die Rennbahn bis zur Stelle des Sieges verdeutlichten und die Füße der über das Meer herbeigeschafften Sklaven zu kennzeichnen pflegten. So sahen unsere Ahnen den Publilius aus Antiochia, den Begründer des mimischen Schauspiels, ..." (Übers. nach R. König - G. Winkler)

Seneca, epistulae VIII 8-10.

Quam multi poetae dicunt quae philosophis aut dicta sunt aut dicenda! Non attingam tragicos nec Öffnet internen Link im aktuellen Fenstertogatas nostras - habent enim hae quoque aliquid severitatis et sunt inter Öffnet internen Link im aktuellen Fenstercomoedias ac tragoedias mediae -: quantum disertissimorum versuum inter Öffnet internen Link im aktuellen Fenstermimos iacet! quam multa Publilii non excalceatis sed Öffnet internen Link im aktuellen Fenstercoturnatis dicenda sunt! (9) Unum versum eius, qui ad philosophiam pertinet et ad hanc partem quae modo fuit in manibus, referam, quo negat fortuita in nostro habenda:

alienum est omne quidquid optando evenit.

(10) Hunc sensum a te dici non paulo melius et adstrictius memini:

non est tuum fortuna quod fecit tuum.

Illud etiam nunc melius dictum a te non praeteribo:

dari bonum quod potuit auferri potest.

Hoc non imputo in solutum: de tuo tibi. Vale.

„Wie vielen Dichtern verdanken wir Aussprüche, die auch aus dem Mund von Philosophen gekommen sind oder hätten kommen sollen! Ich sehe hier von den Tragödien ab und von unseren Öffnet internen Link im aktuellen Fensterlateinischen Tragödien. Auch sie, die letzteren, haben ja einen größeren Ernst und halten die Mitte zwischen Öffnet internen Link im aktuellen FensterKomödie und Tragödie. Doch wie viele der treffendsten Aussprüche finden sich nicht hier und dort in den Öffnet internen Link im aktuellen FensterMimen! Wie viele schlagende Worte des Publilius wären eher für die Socken als den Öffnet internen Link im aktuellen FensterKothurn geeignet! Lass' mich einen vers desselben hier anführen, der sich auf die Philosophie bezieht und zwar auf den Teil derselben, mit dem wir es eben zu tun hatten. Dieser Vers ist eine Warnung vor dem Zufälligen, das wir nicht als unseren Besitz ansehen sollten: «Fremd bleibt uns immer das, was dem Wunsch entstammt.» Ich erinnere mich, diesen Vers in besserer und prägnanterer Form gehört zu haben: «Nicht dein ist, was das Glück zum deinen gemacht hat.» Und eine noch bessere Fassung des Gedankens bei dir will ich nicht übergehen: «Was man dir gab, wer weiß, wie bald's ein andrer raubt!» Dies rechne ich dir aber nicht als Zahlung an. Ich gebe es dir von dem Deinigen.”

Seneca, de tranquillitate 11,8:

Magna pars hominum est quae navigatura de tempestate non cogitat. Numquam me in re bona mali pudebit auctoris: Publilius, tragicis comicisque vehementior ingeniis quotiens mimicas ineptias et verba ad summam caveam spectantia reliquit, Inter multa alia cothurno, non tantum sipario fortiora et hoc ait: «Cuiuis potest accidere quod cuiquam potest.» Hoc si quis in medullas demiserit et omnia aliena mala, quorum ingens cotidie copia est, sic aspexerit tamquam liberum illis et ad se iter sit, ... .

„Es gibt eine große Zahl von Menschen, die, im Begriff zur See zu gehen, nicht an den Sturm denken. Bei einer guten Sache werde ich nie einen schlechten Gewährsmann verschmähen. Publilius, der heftiger als manches tragischeund komische Genie auftritt, so oft er seine possenhaften Albernheiten und auf die obersten Reihen im Theater verläßt, sagt unter vielem Anderen, was nicht bloß kräftiger als die Sprache der Komödie, sondern selbst die der Tragödie ist, auch Folgendes: «Was einem kann begegnen, kann's auch jedermann.» Wenn einer sich dies tief zu Herzen nimmt, wird er auch alle Unfälle anderer, von denen täglich eine ungeheure Menge vorkommt, so ansehen, als ob sie auch zu ihm freien Zugang hätten." (Übers. nach Öffnet externen Link in neuem FensterA. Forbiger, Ausgew. Schriften ..., I, 1866, 187).

Seneca, controversiae VII 3,8:

(8) Mureddius pro cetero suo stupore dixit medicamentum se parasse ad somnum, quia adsiduae sollicitudines vigiliarum sibi consuetudinem (fecerint.) *** us colorem et Publilianam sententiam dedit: abdicationes, inquit, suas veneno diluit. et iterum: mortem, inquit, meam effudit.

Memini Moschum, (cum) loqueretur de hoc genere sententiarum, quo infecta iam erant adulescentulorum omnium ingenia, queri de Publilio, quasi ille iam hanc insaniam introduxisset. Cassius Severus, summus Publili amator, aiebat non illius hoc vitium esse sed eorum, qui illum ex parte qua transire deberent imitarentur, (non imitarentur) quae apud eum melius essent dicta quam apud quemquam comicum tragicumque aut Romanum aut Graecum. ut illum versum, quo aiebat unum versum inveniri non posse meliorem:

tam dest avaro quod habet quam quod non habet.

et illum de eadem re dictum:

desunt luxuriae multa, avaritiae omnia.

et illos versus, qui huic quoque ter abdicato possent convenire:

o vita misero longa, felici brevis!

(9) et plurimos deinceps versus referebat Publili disertissimos. deinde auctorem huius viti, quod ex captione unius verbi plura significantis nascitur, aiebat Öffnet internen Link im aktuellen FensterPomponium Öffnet internen Link im aktuellen FensterAtellanarum scriptorem fuisse, a quo primum ad Öffnet internen Link im aktuellen FensterLaberium transisse hoc studium imitando, deinde ad Ciceronem, qui illud ad virtutem transtulisset. nam ut transeam innumerabilia, quae Cicero in orationibus aut in sermone dixit ex (ea) nota, ut non referam a Laberio dicta, cum mimi eius, quidquid modo tolerabile habent, tale habeant, id quod Cicero in Laberium (dixit et quod hic respondit solum exemplum referam. Laberium) divus Iulius ludis suis mimum produxit, deinde equestri illum ordini reddidit. (ut) iussit ire sessum in equestria, omnes ita se coartaverunt, ut venientem non reciperent. Cicero male audiebat tamquam nec Pompeio certus amicus nec Caesari sed utriusque adulator. multos tunc in senatum legerat Caesar, et ut repleret exhaustum bello civili ordinem et ut eis, qui bene de partibus meruerant, gratiam referret, Cicero in utramque rem iocatus: misit enim ad Laberium transeuntem: 'recepissem te, nisi anguste sederem'. Laberius ad Ciceronem remisit: 'atqui soles duabus sellis sedere'. uterque elegantissime, sed neuter in hoc genere servat modum. [10] ab his huius studii diffusa est in plures imitatio.

Literatur

Öffnet externen Link in neuem FensterE. Woefflin, Publ. Syri sententiae (Leipzig 1869).

W. Meyer, Die Sammlungen der Spruchverse des Publilius Syrus (Stuttgart 1877).

Öffnet externen Link in neuem FensterO. Friedrich (Hrsg.), Publilii Syri Mimi Sententiae. Olms, Hildesheim 1964 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1880).

W. Meyer, Publ. Syri sententiae (Tübingen 1880).

Öffnet externen Link in neuem FensterR.A.H. Bickford-Smith, Publilii Syrii Sententiae (London 1895).

O. Ribbeck (Hrsg.), Comicorum Romanorum Fragmenta, praeter Plavtvm et Syri qvae fervntvr sententias  (Leipzig 1898) 368-370.

RE 23 (Stuttgart 1959) 1920-1928 s.v. Publilius Syrus Nr. 28 (O. Skutsch).

M. Bonaria, Romani Mimi (1965) 78. 130-132.

E. Schweitzer, Studien zu Publilius Syrus, Dissertation Wien 1967.

Beckby (Hrsg.), Die Sprüche des Publilius Syrus. Lateinisch-Deutsch (München 1969).

E.J. Jory, P. Syrus and the Element of Competition in the Theatre of the Republic, in: N. Horsfall (Hrsg.), Vir bonus discendi peritus. Festschrift O. Skutsch (1988) 73-81.

Der Neue Pauly, 10 (2001) 582 f. s.v. Publilius Syrus (L. Benz).

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterde.wikipedia.org/wiki/Publilius_Syrus

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lsante01/Publilius/pub_intr.html

Werke

Murmurco
Putatores