Der Dithyrambos ist das Chorlied zu Ehren des Dionysos. Seine Anfänge lassen sich in das 7. Jh. zurückverfolgen und lagen im rein kultischen Bereich; diese vorliterarische Phase geht aus einem bei Athenaios überlieferten Fragment des Öffnet externen Link in neuem FensterArchilochos hervor:

Archilochos Fr. 120 West = Athenaios 628a:

Φιλόχορος δέ ϕησιν ὡς οἱ παλαιοὶ σπένδοντες οὐκ αἰεὶ διϑυραμβοῦσιν, ἀλλ᾽ ὅταν σπένδωσι, τὸν μὲν Διόνυσον ἐν οἴνῳ καὶ μέϑῃ, τὸν δ᾽ Ἀπόλλωνα μεϑ᾽ ἡσυχίας καὶ τάξεως μέλποντες. Ἀρχίλοχος γοῦν ϕησιν

ς Διωνύσου νακτος καλν ξάρξαι μέλος
οδα διϑύραμβον ονωι συγκεραυνωϑες ϕρένας.

„Philochoros berichtet, dass die Alten nicht immer Dithyramben singen, sondern, wenn sie ein Dankopfer darbringen, den Dionysos mit Wein und in trunkener Ausgelassenheit, Apollon dagegen in Ruhe und Ordnung preisen. Archilochos sagt dazu jedenfalls:
›Ich versteh mich auf den Dithyrambos, so dass ich ein gelungnes Lied
Auf den Gott Dionysos beginnen kann, wenn meine Sinne von dem Wein geschlagen sind.‹"

Die feste Verbindung von Wein und Dithyrambos hält auch der sizilische Dichter Öffnet externen Link in neuem FensterEpicharm fest:

Athenaios 628b:

καὶ Ἐπίχαρμος δ᾽ ἐν Φιλοκτήτῃ ἔϕη: 
οὐκ ἔστι διϑύραμβος ὅκχ᾽ ὕδωρ πίῃς.

„Und Epicharm sagte im Philoktet: ›Es gibt nicht den Dithyrambos, wenn du nur Wasser trinkst.‹"

Aristoteles fr. 677 Rose = Proclus in chrestom. gramm. 42-43.

(Text folgt)

Zur Stelle: A. Severyns, Recherches sur la Chrestomathie de Proclos, I. Le Codex 239 de Photius, II. Texte, traduction, commentaire (Bibl. Fac. de Philosophie et Lettres Université de Liége, LXXIX (Lüttich - Paris 1938) 43 f.

Aristoteles sah im Dithyrambos den Ursprung der Tragödie, während in den Phallosprozessionen die Anfänge der Komödie gelegen hätten:

Aristoteles, Poetica IV 1449a 10-13:

„Sie (d.i. die Tragödie) hatte ursprünglich aus Improvisationen bestanden (sie selbst und die Komödie: Sie selbst von Seiten derer, die den Dithyrambos, die Komödie von Seiten derer, welche die Phallosumzüge, wie sie noch jetzt in vielen Städten im Schwange sind, anführten)."

In einem zweiten Schritt wurde das Kultlied regelrecht verfaßt, mit einem Chor einstudiert, aufgeführt und mit einem Namen versehen. Diese Entwicklung war mit dem berühmten Kitharöden Arion verbunden - der deshalb auch vereinfachend als Erfinder des Dithyrambos bezeichnet wurde -  und seinem Aufenthalt an der korinthischen Tyrannis des Periander im 6. Jh. Der aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterMethymna auf Lesbos stammende Arion war es scheinbar, der dem reinen Kultlied nun auch einen episch-mythologischen Inhalt gab. Die in der Suda überlieferte Konstruktion, er sei Sohn eines gewissen Kykleus gewesen, deutet darüberhinaus an, dass die Verbingung der Öffnet internen Link im aktuellen Fensterkyklioi choroi, der im Kreis um den Altar singenden Chöre, mit dem Dithyrambos eine sehr enge war. Im Athen des 5. Jhs. v.Chr. waren beide Begriffe synonym. Die fortschreitende Ausschmückung des Dithyrambos scheint sogar dahin geführt zu haben, dass Arion als einer der Erfinder der Tragödie galt.

Herodot I 23:

Περίανδρος δ ν Κυψέλου πας, οτος τ Θρασυβούλ τ χρηστήριον μηνύσας· τυράννευε δ Περίανδρος Κορίνϑου. Τ δ λέγουσι Κορίνϑιοι (μολογέουσι δέ σϕι Λέσβιοι) ν τ βί ϑμα μέγιστον παραστναι, ρίονα τν Μηϑυμναον π δελϕνος ξενειχϑέντα π Ταίναρον, όντα κιϑαρδν τν τότε όντων οδενς δεύτερον, κα διϑύραμβον πρτον νϑρώπων τν μες δμεν ποιήσαντά τε κα νομάσαντα κα διδάξαντα ν Κορίνϑ.

„Periander, der dem Thrasybulos den Orakelspruch mitgeteilt hatte, war der Sohn des Kypselos. Periander herrschte über Korinth. ... Es ward beim Vorgebirge Tainaron auf dem Rücken eines Delphins an Land getragen: Arion von Methymna, ein Kitharöde, der nicht seinesgleichen hatte zu der Zeit und der als erster auf der Welt, soweit wir wissen, einen Dithyrambos kunstvoll gedichtet und benannt und einstudiert hat, in Korinth.“

Suda α 3886; 1, 351 Adler:

(Text folgt)

Dieser Ruf des Erfinders wurde Arion aber bereits in der Antike durch Lasos aus Hermione streitig gemacht, dem in der modernen Forschung aber mehr das Verdienst zugeschrieben wird, den Dithyrambos in der Zeit seines Aufenthaltes am athenischen Tyrannenhof der Peisistratiden in die attischen Agone eingeführt zu haben. Dort war es die dritte dionysische Gattung neben der Tragödie und der Komödie.

Suda s.v. Kyklodidaskalos:

Κυκλιοδιδάσκαλος· πρτος Λάγος ρμηνες τος κυκλίους χορος στησε.

„Kyklodidaskalos: als Erster hat Lasos von Hermione die kyklischen Chöre aufgestellt."

Clemens Alexandrinus, Stromateis I 16,5 (78):

μέλος τε αὖ πρῶτος περιέϑηκε τοῖς ποιήμασι καὶ τοὺς Λακεδαιμονίων νόμους ἐμελοποίησε Τέρπανδρος ὁ Ἀντισσαῖος, διϑύραμβον δὲ ἐπενόησεν Λᾶσος Ἑρμιονεύς, ὕμνον Στησίχορος Ἱμεραῖος, χορείαν Ἀλκμὰν Λακεδαιμόνιος, τὰ ἐρωτικὰ Ἀνακρέων Τήιος, ὑπόρχησιν Πίνδαρος Θηβαῖος νόμους τε πρῶτος.

„Andererseits schuf Terpandros von Antissa zuerst Melodien zu den Gedichten und setzte die Nomen der Lakedämonier in Musik; Lasos von Hermione erfand den Dithyrambos, Stesichoros von Himera den Hymnos, Alkman von Lakedämon das Chorlied, Anakreon von Teos die Liebeslieder, Pindaros von Theben das Tanzlied, und Timotheos von Milet ließ zuerst Nomen im Chor und mit Kitharabegleitung singen."

In Pindars 13. Olympischer Ode wird die Erfindung des Dithyrambos ebenfalls mit der Stadt Öffnet internen Link im aktuellen FensterKorinth in Verbindung gebracht, nicht aber an eine Person gebunden:

Pindar, Ol. XIII 1 ff.:

„Preisend das Haus, das dreimal zu Olympia gesiegt hat, das freundlich ist zu den Bürgern
und seinen Gästen dient, will ich kenntlich machen
das gesegnete Korinth, die Vorhalle des Poseidon vom Isthmos, ...
...
vielfältig auch in den Busen der Männer gelegt
alte Erfindungen. Jedes Werk gehört dem Erfinder.
Wo sind zum Vorschien gekommen des Dionysos
Chariten mit dem stiertreibenden Dithyrambos?
... " (Übers. F. Dornseiff)

Aristophanes, Scholia in aves (ed. F. Dübner, Scholia Graeca in Aristophanem, Paris 1877; ND Hildesheim 1969) p. 209-247 zu Z. 1403:

τν κυκλιοδιδάσκαλον: ντ το διϑυραμβοποιόν. ερηται γρ τι γκύκλια διδάσκουσιν. ντίπατρος δ κα Εϕρόνιος ν τος πομνήμασί φασι τος κυκλίους χορος στσαι πρτον Λσον τν ρμιονέα, ο δ ρχαιότεροι λλάνικος κα Δικαίαρχος, ρίονα τν Μηϑυμναον, Δικαίαρχος μν ν τ περΔιονυσιακν γώνων, λλάνικος δ ν τος Κραναϊκος.

„Kykliodidaskalos: anstatt des Dithyrambendichters. Es wird gesagt, dass sie die im Kreis aufgestellten (Chöre) unterweisen. Antipatros und Euphronios sagen in ihren Schriften, dass als erster Lason aus Hermione die kyklischen Chöre aufgestellt hat, die älteren Öffnet externen Link in neuem FensterHellanikos und Öffnet externen Link in neuem FensterDikaiarchos, Arion aus Methymna, Dikaiarchos schreibt dies in seinem Dionysischen Dialog, Hellanikos in den Kranaikoi.”

Kommentar: Die 'Kranaikoi' sind als 'Karneonikai' zu lesen, also ein Werk über die Sieger bei den Karneen: RE VIII (Stuttgart 1913) 143 s.v. Hellanikos (Gudeman).

In Athen fand ein Agon der Dithyramboi an den Großen Dionysien, den Thargelien, den Kleinen Panathenäen, den Promethia und den Hephaistia statt. Dies war ein Wettbewerb zwischen den unter Kleisthenes neu geschaffenen Phylen und in dieser Eigenschaft sollte der Dithyrambenagon scheinbar die Bindung zwischen Bürgern und den neuen Phylen stärken. Allein bei den Großen Dionysien traten die 10 attischen Phylen mit einem Knaben- und einem Männerchor an, die aus je 50 Sängern bestanden; mit anderen Worten: Die enorme Zahl von 20 Dithyramben wurde allein bei diesem Fest zur Aufführung gebracht. Der Chorege hatte die Bezahlung des Dichters, des Chorodidaskalos, der Flötenspieler und der weiteren Ausstattung zu tragen. Weiterhin hatte er im Falle eines Sieges die Ehre, der Siegerphyle einen Dreifuß an der Tripodenstraße mit einer Inschrift aufzustellen, die ihren Namen nannte, nicht jedoch denjenigen des Dichters. Bekanntestes Denkmal aus dieser Reihe ist dasjenige des Lysikrates. Eine Reihe von Vasenbildern des 5. und 4. Jhs. v.Chr. mit der Darstellung von Dreifüßen wird in der Forschung als Reflex dithyrambischer Agone bewertet.

Erfolgreiche Dichter der Dithyramben in der ersten Hälfte des 5. Jhs. in Athen waren Simonides, Pindar und Bakchylides.

In der Folgezeit wurden die dithyrambischen Aufführungen mehr und mehr zum Experimentierfeld musikalischer Neuerungen und vom ursprünglichen kultischen Zusammenhang losgelöst. Diese Entwicklung unterwarf die Gattung bereits in der Antike einer scharfen Kritik und Geringschätzung, die bis in die moderne Forschung nachwirkte. Namentlich werden Kinesias, Melanippides, Philoxenos, Phrynichos und Timotheos genannt.  Neben der Kritik bei Platon und Öffnet internen Link im aktuellen FensterPherekrates gibt es zahlreiche Seitenhiebe auf den neuen Dithyrambos in den Komödien des Aristophanes:

Aristophanes, Vögel 904-957. 1372-1409:
Aristophanes, Wolken 333-334. 828-831:
Aristoteles, Rhetorik 1406b1 f.:
Öffnet internen Link im aktuellen FensterAthenaios IX (374a).
Plutarch, de musica 1141c (= Pherekrates, Fr. 155) - Plutarch, de musica 1142d:

Λᾶσος δ’ ὁ Ἑρμιονεὺς εἰς τὴν διϑυραμβικὴν ἀγωγὴν μεταστήσας τοὺς ῥυϑμούς, καὶ τῇ τῶν αὐλῶν πολυϕωνίᾳ κατακολουϑήσας, πλείοσί τε ϕϑόγγοις καὶ διερριμμένοις χρησάμενος, εἰς μετάϑεσιν τὴν προϋπάρχουσαν ἤγαγε μουσικήν. Ὁμοίως δὲ καὶ Μελανιππίδης ὁ μελοποιὸς ἐπιγενόμενος οὐκ ἐνέμεινε τῇ προϋπαρχούσῃ μουσικῇ, ἀλλ’ οὐδὲ Φιλόξενος οὐδὲ Τιμόϑεος· οὗτος γάρ, ἑπταφϑόγγου τῆς λύρας ὑπαρχούσης ἕως εἰς Τέρπανδρον τὸν Ἀντισσαῖον, διέρριψεν εἰς πλείονας ϕϑόγγους. ἀλλὰ γὰρ καὶ αὐλητικὴ ϕἁπλουστέρας εἰς ποικιλωτέραν μεταβέβηκε μουσικήν· τὸ γὰρ παλαιόν, ἕως εἰς Μελανιππίδην τὸν τῶν διϑυράμβων ποιητήν, συμβεβήκει τοὺς αὐλητὰς παρὰ τῶν ποιητῶν λαμβάνειν τοὺς μισϑούς, πρωταγωνιστούσης δηλονότι τῆς ποιήσεως, τῶν δαὐλητῶν ὑπηρετούντων τοῖς διδασκάλοις· ὕστερον δὲ καὶ τοῦτο διεϕϑάρη, ὡς καὶ Φερεκράτη τὸν κωμικὸν εἰσαγαγεῖν τὴν Μουσικὴν ἐν γυναικείῳ σχήματι, ὅλην κατῃκισμένην τὸ σῶμα· ποιεῖ δὲ τὴν Δικαιοσύνην διαπυνϑανομένην τὴν αἰτίαν τῆς λώβης καὶ τὴν Ποίησιν λέγουσαν:

 

 

Lasos aus Hermione machte von den Rhythmen auch bei der dithyrambischen Poesie Gebrauch und vervielfältigte zugleich auch die Töne der Flöte., womit er sie begleitete. Durch diese Mannigfaltigkeit der verschiedenartigsten Töne brachte er eine große Veränderung der alten Musik zuwege. So blieben auch der Sänger Öffnet internen Link im aktuellen FensterMelanippides, der nachher kam, und ebenso Philoxenos und Öffnet internen Link im aktuellen FensterTimotheos nicht bei der alten Musik stehen. Letzterer gab der Lyra, die seit Terpander aus Antissa nur sieben Saiten hatte, mehrere. Das Spiel der Flöte, das vorher ganz einfach war, wurde nun mehr zusammengesetzt. Denn in den früheren Zeiten, bis auf den Dithyrambendichter Melanippides, erhielten die Flötenspieler von den Poeten eine Sold, weil die Poesie den Vorrang hatte und die Flötenspieler nur als untergeordnete Diener derselben angesehen wurden. Diese Gewohnheit verlor sich aber in der Folge. Und daher kommt es, dass der komische Dichter Öffnet internen Link im aktuellen FensterPherekrates die Musik in weiblicher Gestalt und am ganzen Körper vergewaltigt in das Theater bringt. Er lässt auch die Gerechtigkeit nach der Ursache dieser üblen Behandlung fragen, worauf die Musik folgendermaßen antwortet:

 

‘Λέξω μν οκ κουσα· σοί τε γρ κλύειν μοί τε λέξαι ϑυμς δονν χει. (E) μο γρ ρξε τν κακν Μελανιππίδης, ν τοσι πρτος ς λαβν νκέ με χαλαρωτέραν τ’ ποίησε χορδας δώδεκα. λλ’ ον μως οτος μν ν ποχρν νρ μοιγε πρς τ νν κακά. Κινησίας δέ μ’ κατάρατος ττικός, ξαρμονίους καμπς ποιν ν τας στροφας πολώλεχ’ οτως, στε τς ποιήσεως (F) τν διϑυράμβων, καϑάπερ ν τας σπίσιν, ριστέρ’ ατο ϕαίνεται τ δεξιά. λλ’ ον νεκτς οτος ν μως μοί. Φρνις δ’ διον στρόβιλον μβαλών τινα κάμπτων με κα στρέϕων λην διέϕϑορεν, ν πέντε χορδας δώδεχ’ ρμονίας χων. λλ’ ον μοιγε χοτος ν ποχρν νήρ·ε γάρ τι κξήμαρτεν, αϑις νέλαβεν. δ Τιμόϑεός μ’, ϕιλτάτη, κατορώρυχε κα διακέκναικ’ ασχιστα. Ποος οτοσ Τιμόϑεος Μιλήσιός τις πυρρίας.

 

„Gern will ich dir antworten, da es dir ebensoviel Vergnügen zu machen scheint, es zu hören, wie mir, es zu sagen. Als die erste Ursache meines Verderbens sehe ich den Öffnet internen Link im aktuellen FensterMelanippides an, der mich durch seine 12 Saiten seiner Kraft beraubt und weibisch gemacht hat. Doch war dieses noch zu ertragen, besonders im Vergleich zu dem, was ich nachher erfahren musste. Kinesias, der verwünschte Athener, hat mich dadurch, dass er in seine Strophen Biegungen hineinbrachte, denen es an jeglicher Harmonie fehlte, so zugerichtet, dass in den Dithyramben alles verkehrt erscheint und wie bei den Schilden die rechte Seite sich auf der linken zeigt. Gleichwohl war er noch nicht der schlimmste. Phrynis, der noch einen schrecklichen Wirbel hineinbrachte, und mich krümmte und drehte, um aus 5 Saiten 12 Harmonien hervorzubringen, hat mich gar vollends verdorben. Dennoch war es ihm nicht genug: Was er verdarb, verbesserte er auch wieder. Öffnet internen Link im aktuellen FensterTimotheos hingegen, meine Beste, hat mich auf das Ärgste misshandelt und mir den letzten Stoß gegeben.

Die Gerechtigkeit: Was für ein Timotheos?

Die Musik: Der Milesier, der hat mir zehntausendfaches Übel angetan und mir durch seine abscheulichen Triller und Läufer mehr Unheil gebracht als alle vorher Genannten. Wenn er mich irgendwo allein gehend fand, so band er mich los und zerlegte mich in 12 Saiten.

 

κα ριστοϕάνης κωμικς μνημονεύει Φιλοξένου καί ϕησιν τι ες τος κυκλίους χορος μέλη εσηνέγκατο. δ Μουσικ λέγει τατα·‘ξαρμονίους περβολαίους τνοσίους κα νιγλάρους, σπερ τε τς αϕάνους λην καμπν με κατεμέστωσε.’ κα λλοι δ κωμδοποιο δειξαν τν τοπίαν τν μετκα λλοι δ κωμδοποιο δειξαν τν τοπίαν τν μεττατα τν μουσικν κατακεκερματικότων.

(B) τι δ παρ τς γωγς κα τς μαϑήσεις διόρϑωσις διαστροϕ γίγνεται, δλον ριστόξενος ποίησε.

τν γρ κατ τν ατο λικίαν ϕησΤελεσί τ Θηβαί συμβναι νέ μν ντι τραϕναι ν τ καλλίστ μουσικ, κα μαϑεν λλα τε τν εδοκιμούντων κα δ κα τ Πινδάρου, τά τε Διονυσίου το Θηβαίου κα τ Λάμπρου κα τ Πρατίνου κα τν λοιπν σοι τν λυρικν νδρες γένοντο ποιητα κρουμάτων γαϑοί· κα αλσαι δ καλς κα περ τ λοιπ μέρη τς συμπάσης παιδείας κανς διαπονηϑναι· παραλλάξαντα δ τν τς κμς λικίαν, οτω σϕόδρα ξαπα (C) τηϑναι π τς σκηνικς τε κα ποικίλης μουσικς, ς καταϕρονσαι τν καλν κείνων ν ος νετράϕη, τΦιλοξένου δ κα Τιμοϑέου κμανϑάνειν, κα τούτων ατν τ ποικιλώτατα κα πλείστην ν ατος χοντα καινοτομίαν· ρμήσαντά τ’ π τ ποιεν μέλη κα διαπειρώμενον μϕοτέρων τν τρόπων, το τε Πινδαρείου κατο Φιλοξενείου, μ δύνασϑαι κατορϑον ν τ Φιλοξενεί γένει· γεγενσϑαι δ’ ατίαν τν κ παιδς καλλίστην γωγήν.

Ε ον τις βούλεται μουσικ καλς κα κεκριμένως χρσϑαι, τν ρχαον πομιμείσϑω τρόπον ...

 

Der Komiker Aristophanes gedenkt des Öffnet internen Link im aktuellen FensterPhiloxenos und sagt, dass dieser zuerst den Gesang bei den Öffnet internen Link im aktuellen FensterKreistänzen eingeführt habe. Die Musik drückt sich darüber in folgenden Worten aus:

„Er hat mich schlaffer, weicher und biegsamer als Kohl gemacht und mich ganz mit disharmonischen Trillern und Läufern erfüllt, die keine Würde und keinen Nachdruck haben.“ Auch andere komische Dichter haben gezeigt, wie ungereimt es war, die Musik gleichsam so zu zerstückeln.

Dass der erste Unterricht und die erste Bildung viel dazu beiträgt, die Sitten und den Geschmack in den Künsten zu veredeln oder zu verderben, hat Aristoxenos durch folgendes Beispiel gelehrt:

„Wie er nämlich sagt, sei unter seinen Zeitgenossen Thelesias aus Theben, als er jung war, zur schönste Musik erzogen worden; dieser habe die Werke der berühmten Musiker kennengelernt, und zwar von Pindar, Dionysios von Theben, Lampros, Öffnet internen Link im aktuellen FensterPratinas und den übrigen Männern, die alle treffliche Erfinder von Instrumentalstücken (ποιητα κρουμάτων γαϑοί) für die Lyra gewesen waren. Er habe auch schön auf dem Aulos gespielt und sei in den übrigen Bereichen der gesamten Erziehung genügend herangebildet worden. Als er das Alter der Lebensblüte überschritten habe, sei er so sehr von der zur szenischen Darstellung gehörigen und verwickelten Musik getäuscht worden, dass er jene schönen Gattungen missachtet habe, in welchen er erzogen war. Er habe die Werke von Öffnet internen Link im aktuellen FensterPhiloxenos und Öffnet internen Link im aktuellen FensterTimotheos kennengelernt und auch deren bunteste Stücke sowie jene, die in höchstem maße eine neuerung in sich aufwiesen. Als er sich jedoch anschickte, Melodien zu verfassen und beide Gesangsweisen, die des Pindar und die des Philoxenos, versuchte, sei es ihm in der Art des Philoxenos nicht gelungen: Der Grund hierfür sei seine äußerst treffliche Anleitung von Kindheit an gewesen.“

Wenn also jemand die Musik mit Geschmack und Beurteilung betreiben will, so folge er der alten Manier ... (Übers. nach Kaltwasser/Kaiser).

 

Literatur zur Stelle: Öffnet externen Link in neuem FensterJ.F.S. Kaltwasser, Plutarchs moralische Abhandlungen aus dem Griechischen übersetzt, IX (Frankfurt 1800) 50-52; Öffnet externen Link in neuem Fenstered. A. Meineke, Poetarum Comicorum Graecorum Fragmenta, II 1 (Berlin 1839) 326; Kock, Comicorum atticorum fragmenta, (Leipzig 1880); Donatella-Restani, Il “Chirone” di Ferecrate e la 'nuova' musica greca, Rivista Italiana di Musicologia, 18, 1983, 139-192; ed. R. Kassel - C. Austin, Poetae Comici Graeci (PCG), VII (Berlin - New York 1989) 178-183 Fr. 155 (145); B. Zimmermann, Dithyrambos. Geschichte einer Gattung, Hypomnemata, 98 (Göttingen 1992) 122 ff.;  I. Kaiser, Die Fragmente des Aristoxenos aus Tarent. Neu herausgegeben und ergänzt, erläutert und übersetzt, Spudasmata, 128 (Hildesheim - Zürich - New York 2010) 23.

Athenaios = PMG Fr. 708:
Platon, Kratylos 409b12-c3.
Platon, Phaedros 241e1.
Platon, leges 700:

„ ... Es war damals nämlich die Musik nach gewissen Arten und Formen eingeteilt, und eine Gattung des Gesanges waren die Gebete an die Götter, Hymnen genannt. Im Gegensatz zu ihnen stand eine andere Gattung von Gesang, die man in der Regel Threnen (Klagelieder) nennt. Eine weitere waren dann die Päane und noch eine andere die sogenannten Dithyramben, deren Ursprung auf Dionysos zurückgeht. Und als eine Art heiligen Gesanges zeichnete sie sich schon durch den Namen, die Nomoi, d.h. Gesetzesweisen, aus, und zwar waren es kitharodische Gesänge, denen sie diese Bezeichnung gaben. Gegen die feste Ordnung, in welche diese und noch einige andere Gattungen in dieser Weise gestellt wurden, durfte nicht verstoßen werden. ... Im weiteren Verlauf der Zeit aber waren es Dichter, die mit der gesetzeswidrigen Verunstaltung der Musik den Anfang machten, Männer von dichterischer Begabung, aber unkundig dessen, was für die Musik als Regel und Gesetz gelten muß. Hingegeben ihrem schwärmerischem Taumel und über Gebühr dem bloßen Lustgefühl folgend, mischten sie Threnen mit Hymnen und Päane mit Dithyramben. ... "

Zu den kritisierten Neuerungen in der Musik paßt auch eine Kritik, die bei Athenaios 617c-f unter dem Namen des Pratinas aus Phlious überliefert ist, wo das Zurückdrängen des Chorgesangs zugunsten einer wichtigeren Stellung der Aulos-Musik beklagt wird:

Athenaios 617 c-f:

Öffnet internen Link im aktuellen FensterPratinas aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterPhlious war ärgerlich, wenn irgendwelche gemieteten Aulos-Spieler und Chortänzer die Tanzplätze für sich beanspruchten, weil da nicht die Aulos-Spieler die Chortänzer begleiteten, wie es althergebracht war, sondern die Chortänzer nach der Melodie der Aulos-Spieler sangen. Von welcher Leidenschaft nun Pratinas gegen diejenigen, die das taten, erfüllt war, äußert er deutlich in folgendem Tanzlied:
Was ist das für ein Lärm? Was sollen diese Tänze? Welche Willkür drang
mit Stampfen zum Dionysos-Altar? Der Bromios ist mein,
mir kommt es zu, zu singen, mir nur, Lärm zu schlagen, wenn ich mit Najaden über Berge stürme
wie ein Schwan mit schillernd buntem Lied.
Die Muse von Pierion hat diesen königlichen Sang gegründet; der Aulos jedoch
soll erst in zweiter Linie beim Tanze wirken, denn er ist der Dienende.
Er mag bei Trinkgelagen und bei wüsten Raufereien angetrunkner Jungendlicher auf den Straßen
den Ton angeben wollen.
Vertreibe den, der nur den Atem einer buntbetupften Kröte hat,
ins Feuer mit dem Rohr, das Speichel frißt, das schwer mit schrillen Tönen klingt,
das von dem Bohrer seine schmeichelnde Gestalt bekommen hat.
Schau her! Hier ist für dich das Händeschlagen und das Füßestampfen, Meister des Dithyrambos,
du Herrscher mit dem Efeukranz, vernimm mein dorisch Reigenlied
." (Übers. C. Friedrich)

Literatur zur Stelle: D. Campbell (Hrsg.), Greek Lyric, III. Stesichorus, Ibycus, Simonides, and Others (Cambridge - London 1991) 321 Fr. 708.

Diese Entwicklung illustriert auch der Umstand, dass in einem Agon alter Dithyramben im späteren 4. Jh. v.Chr. nach dem Tod des Timotheos von Milet dessen Aias emmanes oder der Elpenor von berühmten Flötisten wie dem Pantaleon von Sikyon und dem Timotheos von Theben durchgeführt wurde.

Platons Verbindung des Dithyrambos mit schwärmerischem Taumel findet sich auch noch zu römischer Zeit in den Oden des Horaz:

Horaz, carmina IV 2,10-12:

laurea donandus Apollinari,
seu per audacis noua dithyrambos
uerba deuoluit numerisque fertur
lege solutis,

„Ihm (d.i. Pindar) gebührt der Lorbeer Apollos, ob in
kühnen Dithyramben er nie gehörte
Worte wälzt und Verse verströmt, die bar sind
bindenden Maßes, ...
" (Übers. M. Simon - W. Ritschel)

Eine weitere Entwicklung war ihre Wandlung zum Lesestoff und die Dithyramben wurden stilbildend für Teile der griechischen Dichtung. Sie wurden bis in das späte 2. Jh. n.Chr. hinein verfaßt.

Die Loslösung vom Dionysoskult zeigt sich an ihrer Aufführung an den Delien und Apollonien auf Delos.

Quellen

Demosthenes, Gegen Meidias XXI 21,4.

Dittenberger Syl.2 536.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterSiegesinschrift des Kitharöden Nikokles aus Tarent, IG II 1367; IG II/III2 3779 (Öffnet externen Link in neuem FensterPHI).

Literatur

Öffnet externen Link in neuem FensterAem. Luetcke, De Graecorum dithyrambis (Berlin 1829).

Öffnet externen Link in neuem FensterM. Schmidt, Diatribe in dithyrambum (Berlin 1845).

E. Scheibel, De Melanippide Melio dithyramborum poeta (Gubenae Lusantorum. Particula prior 1848, particula altera 1853).

E. Scheibel, De dithyramborum Graecorum argumentis (Liegnitz 1845).

E. Rohde, Afterphilologie: Zur Beleuchtung des von dem Dr. phil. Ulrich von Wilamowitz-Möllendorff herausgegebenen Pamphlets „Zukunftsphilologie!“ Sendschreiben eines Philologen an Richard Wagner (Leipzig 1872) 28 ff.

Öffnet externen Link in neuem FensterA. Milchhöfer, Bacchische Siegesfeier, Archäologische Zeitung 38, 1880, 182 f.

E. Reisch, Griechische Weihgeschenke (1890) 68 ff.

Öffnet externen Link in neuem FensterW. Schmid, Zur Geschichte des Dithyrambus, in: Verzeichnis der Doktoren, welche die philosophische Fakultät der königlich-württembergischen Eberhard-Karls-Universität in Tübingen im Dekanatsjahre 1900-1901 ernannt hat (Tübingen 1901).

RE 5 (Stuttgart 1905) 1203-1230 s.v. Dithyrambos (Crusius).

RE 12 (Stuttgart 1925) 887-888 s.v. Lasos (Abert).

Öffnet externen Link in neuem FensterC. Bottin, Etude sur la chorégie dithyrambique en Attique jusqu'à l'époque de Démétrius de Phalère, RBPh 9, 1930, 749-782; Öffnet externen Link in neuem Fenster10, 1931, 5-32. Öffnet externen Link in neuem Fenster463-493.

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H. Schöenwolf, Der jungattische Dithyrambos, Wirkung und Gegenwirkung, Dissertation Gießen 1938.

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weblinks:

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