NOVIOMAGUS, Speyer (Germania Superior)

Speyer, Umzeichnung einer Terracottamaske (nach Bernhard).

Beschreibung

 

Der Bau eines Theaters ist nicht nachgewiesen.

 

Reflexe des Theaterlebens

  

Der Fund vom Fragment einer den Theatermasken ähnlich sehenden Terracottamaske führte zur vorsichtig geäußerten Annahme eines Theaters am Ort, das aber archäologisch bisher nicht nachgewiesen ist. Das Objekt kam 1977 in der Abfallgrube Stelle 361 in der Grabung Stiftungskrankenhaus zutage, in dessen Umfeld sich auch ein gut ausgestatteter Wohnkomplex befand. Bemerkenswert ist für den Wohnkomplex, dass es dort u.a. einen Raum gab, der mit Darstellungen aufgehängter Masken bemalt war. Eine Zusammenstellung von Terracottamasken in den nordwestlichen Provinzen des römischen Reiches erbrachte das Ergebnis, dass es sich bei diesen Objekten nicht um Schauspielermasken handelte, weil diese nicht vor dem Gesicht getragen werden konnten. Motivisch lassen sie sich als Kultmasken mit besonderer Affinität zum Kult des Theatergottes Dionysos erweisen sowie als solche, die Schauspielertypen wie nicht näher klassifizierbaren Possendarstellern ähneln. Meist - wie auch in Speyer - scheinen sie Dekorationszwecken im Wohnbereich gedient zu haben und brachten dort die Nähe der Bewohner zur romanisierten Welt allgemein oder auch dem Theaterwesen zum Ausdruck. Die besondere Affinität des Speyerer Wohnkomplexes zum Theater drückt sich in gleich zwei Fundobjekten aus: eben der Terracottamaske und der Ausmalung des Hauses, in dem die Maske ursprünglich vielleicht aufgehängt war. Vergleichbare Terracotta-Masken kamen in Öffnet externen Link in neuem FensterStrassburg, Öffnet externen Link in neuem FensterLadenburg, Öffnet externen Link in neuem FensterWorms, Öffnet externen Link in neuem FensterWiesbaden, Öffnet externen Link in neuem FensterReinheim, Öffnet externen Link in neuem FensterTrier, Öffnet externen Link in neuem FensterMainz, Öffnet externen Link in neuem FensterKöln, Öffnet externen Link in neuem FensterChardeneux-Bonsin, Öffnet externen Link in neuem FensterBaldock oder Mautern und vielen anderen Orten zutage, aber auch in der Villa von Öffnet externen Link in neuem FensterAhrweiler.

Einen Hinweis von architektonisch-epigraphischer Seite gibt schließlich eine beschriftete Brüstungsplatte, die – bei allem hypothetischen Charakter – zwar einer Öffnet externen Link in neuem FensterArena zugewiesen wurde, ebenso gut aber auch einer anderen Brüstung, wie derjenigen einer orchestra entstammen könnte.

 

Literatur

 

F. Drexel, Pfälzer Museum 45, 1928, 12 f. (Brüstungsplatte).

H. Bernhard, Römisches Theater in Speyer, Pfälzer Heimat 30, 1979, 13-15.

E. Strahl, Eine Theatermaske aus der gallo-römischen Villa von Reinheim, Gemeinde Gersheim, Saarpfalz-Kreis, in: J. M. Massing/J.-P. Petit (Hrsg.), Blesa I. Festschr. Jean Schaub (Metz 1993) 212 f. 

R. Gogräfe, Die römischen Wand- und Deckenmalereien im nördlichen Obergermanien, Archäologische Forschungen in der Pfalz 2 (Neustadt a. d. W. 1999) 31 Abb. 5; 81 Abb. 51; 474 ff. Kat.-Nr. 515,15.

Öffnet externen Link in neuem FensterH. Rose, sum figuli lusus. Die römischen Terrakottamasken in den Nordwestprovinzen, Dissertation Köln 2000.

H. Rose, Die römischen Terrakottamasken in den Nordwestprovinzen, Monumenta Artis Romanae XXXVII (Wiesbaden 2006) Kat.Nr. 370 Taf. 25.

T. Jones, Pre-Augustan Seating in Italy and the West, in: T. Wilmott (Hrsg.), Roman Amphitheatres and spectacula: a 21st-Century Perspective, Papers from an international conference held at Chester, 16th-18th February, 2007, BAR Int. Ser. 1946 (Oxford 2009) 127-139.

weblink:

Terracotta-Maske: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://arachne.uni-koeln.de/item/objekt/33080