Römisches Glas (Nat.-Mus. Prag) mit Darstellung der Küste bei Pozzuoli: In der Mitte ist neben anderen beschrifteten Gebäuden das Wort "theatru(m)" unter den Worten FELIX PIE ZESAES CVM TVIS bzw. STADIV SOLARIV LARI AMPHITHEAT ORDION PALES ORTESIANA RIP ASCESV DOMNI STRATA POS FORV THEATRV DECATRIA CAESARI NIMISIA INPVRIV SACOMA ISIV PILAE PELAGV PVTEOLI lesbar.
Römisches Glas, sog. Vase von Odemira (Portugal; heutiger Verbleib unbekannt), mit Darstellung der antiken Küste bei Pozzuoli: In der Mitte ist wiederum das Wort "theatrum" unter den Worten AMPITHEATR SOLARIV THERMETANI THEATRVM RIPA PILAS lesbar (CIL II 6152,1).

Quellen

Sueton, Augustus 44,

als Teil eines umfangreichen Regelwerks zur Sitzordnung in Theatern: 
 
„Der bei den Schauspielen eingerissenen Unordnung und Zügellosigkeit setzte er durch verschiedene Verordnungen ein Ende. Den Anstoß dazu bot ihm die Beleidigung, die ein Senator erleben mußte, als ihm während einer sehr gut besuchten Veranstaltung in Puteoli von der großen Zuschauermenge kein Platz angeboten wurde. Öffnet externen Link in neuem FensterAugustus veranlaßte deshalb einen Senatsbeschluß, daß, wenn immer irgendwo ein öffentliches Schauspiel stattfinde, die erste Sitzreihe für die Senatoren freizubleiben habe, und für Rom verbot er den Gesandten freier oder verbündeter Völker, in der Öffnet internen Link im aktuellen FensterOrchestra Platz zu nehmen, da er festgestellt hatte, daß sich unter den Mitgliedern dieser Gesandtschaften auch Freigelassene befanden. Das Militär schied er im Theater vom Volke. Den verheirateten Männern aus den unteren Schichten wies er spezielle Reihen zu, den Knaben einen bestimmten Sektor und gleich daneben einen für ihre Erzieher; ferner bestimmte er, daß niemand, der im Mantel gekommen war, auf den Plätzen in der Mitte sitzen dürfe. Den Frauen gestattete er den Besuch von Gladiatorenkämpfen, die sie früher unter den Männern sitzend hatten betrachten dürfen, nur noch, wenn sie für sich von den oberen Reihen aus zuschauten. Den Vestalischen Jungfrauen wies er einen eigenen Platz im Theater an, und zwar gegenüber der Loge des Öffnet internen Link im aktuellen FensterPrätors. Vom Besuch der Athletenwettkämpfe schloß er die Frauen gänzlich aus, so daß er bei den Spielen, die er als Oberpriester gab, einen Faustkampf, den das Publikum forderte, auf die Morgenstunden des folgenden Tages verschob und bekanntgab, es sei unerwünscht, daß Frauen vor morgens zehn Uhr ins Theater kommen.“

Gellius, noctes atticae XVIII 5,1-5:

„1. Mit dem Rhetor Antonius Julianus, einem Mann von grosser Biederkeit und blühender Beredtsamkeit, suchte ich nebst  einigen ihm befreundeten Jünglingen in Puteoli die Lust und Freude der Sommerferien durch angenehme wissenschaftliche Beschäftigung und in züchtigen und anständigen Vergnügungen zu verbringen.
2. Da machte man gerade zur Zeit dem Julianus die Mitteilung, daß ein Vorleser, ein nicht ungebildeter Mann, eben im Theater vor der versammelten Menge mit ausdrucksvoller und wohltönender Stimme die 'Jahrbücher' des Öffnet internen Link im aktuellen FensterEnnius vorlese.
3. Kommt, sagte er also, wir wollen uns gleich auf den Weg machen, um diesen uns noch unbekannten Ennius-Kenner und Bewunderer (Ennianista) zu hören, mit diesem Titel hört er sich nämlich gern nennen.
4. Als wir ankamen, hatte er bereits seine Vorlesung unter grossem Beifallssturm begonnen - er las aber das 7. Buch aus des Ennius 'Jahrbüchern' - und das Erste, was wir (vortragen) hörten, waren folgende Verse, bei deren Vortrag er sich eines Fehlers schuldig machte:

Denique vi magna quadrupes ecus atque elephanti
Proiciunt sese, d. h.
Endlich drängt galoppierend das Ross - anstatt der Reiter - mit aller Gewalt sich
vor und auch Elephanten,

und als er nachher noch einige wenige Verse hinzugefügt hatte, trat er unter allgemeinem Beifall und Lob ab.
5. Beim Herausgehen aus dem Theater sagte Julianus zu uns: «Was haltet ihr wohl von diesem Vorleser und von seinem galoppierenden (vierfüßigen) Pferde?» Denn in der Tat so las er (ganz klar und deutlich) "quadrupes ecus" (anstatt quadrupes eques).
6. Glaubt ihr nun wohl, daß, hätte dieser Mensch nur irgendwie einen Lehrer oder Ausleger von einigem Wert gehabt, er dann gesagt haben würde: quadrupes equus (vierfüssig, galoppierend Pferd) und nicht vielmehr: quadrupes eques (galoppierender Reiter, i. e. Mann zu Ross im Galopp)?“ (Übers. nach F. Weiss)

Cassius Dio LXIII 3 (1-2):

„ (1) Der Kaiser (d. i. Nero) bewunderte Tiridates wegen dieses Verhaltens und bewillkommnete ihn auf verschiedene Weise, besonders durch die Veranstaltung eines Gladiatorenspiels in Puteoli. Dieses stand unter der Leitung eines seiner Freigelassenen namens Patrobius, der die Darbietung sehr glänzend und kostspielig gestaltete. (Man kann es daraus ersehen, dass an einem von den Tagen lediglich Äthiopier - Männer, Frauen und Kinder - im Theater auftraten.
(2) Um Patrobius deshalb entsprechend zu ehren, schoß Tiridates von seinem erhöhten Sitz aus auf wilde Tiere und traf und tötete, wenn man das glauben darf, mit einem einzigen Schuß zugleich zwei Stiere." (Übers. O. Veh)

Beschreibung

Das Vorhandensein eines Theaters in Puteoli konnte in der Vergangenheit nur aus Darstellungen auf spätrömischen Glasflaschen erschlossen werden, welche die Küste der Region mit verschiedenen Bauwerken zeigen, sowie aus den angeführten Textquellen.

Neuerdings wurden Mauerzüge, die bereits von E. Pozzi beobachtet wurden, von D. Peluso nach diversen Erweiterungen der Grabungsfläche zwischen Viale Capomazzo und der Via G. Marconi als Reste eines Theaters identifiziert.

Literatur

H. Jordan, Die Küste von Puteoli auf einem römischen Glasgefäß nebst einigen Reliefs aus Capua, Archäologische Zeitung 26, 1868, 91-97.

A. Maiuri, Die Altertümer der phlegräischen Felder, Führer durch die Museen und Kunstdenkmäler Italiens (Rom 19583) 26 Abb. 10.

K. S. Painter, Roman Flasks with Scenes of Baiae and Puteoli, Journal of Glass Studies 17, 1975, 57 Nr. 4; 58 Nr. 5.

S.E. Ostrow, Problems in the topography of Roman Puteoli, Diss. Ann Arbor 1977 (Ann Arbor 1980).

S.E. Ostrow, The topography of Puteoli and Baiae on the eight glass flasks, Puteoli. Studi di storia antica, III (1979) 77-137.

E. Pozzi, L'attività archeologica nelle province di Napoli e Caserta, in: Atti del 22 convegno di Studi sulla Magna Grecia, Taranto 9-12 ottobre 1982 (Tarent 1983) 382 Taf. XVIII-XIX.

P. Amalfitano - G. Camodeca - M. Medri, I Campi Flegrei. Un itinerario archeologico (Venedig 1990) 81 Abb.

E. Künzl, Die Glasflasche mit dem Panorama der Stadt Puteoli im Nationalmuseum Prag, Eirene 26, 1990, 77-80.

P. Ciancio Rossetto – G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, II (Rom 1996) 574.

A. Bejarano Osorio, Una ’ampulla’ de vidrio decorada con la planta topográfica de la ciudad de Puteoli, in: Mérida: Excavaciones Arqueológicas, Memoria 8, 2002, 513-532.

F. Sear, Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford Monographs in Classical Archaeology (Oxford 2006) 133.

D. Peluso, L'ubicazione del Teatro romano di Puteoli, Bollettino Flegreo, serie III, 24-25, 2007-2008, 50 -68. (Leitet Herunterladen der Datei einpdf-download)

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://theatrum.de/1464.html (Amphitheater)

Veranstaltungen

Eusebeia zu Ehren Kaiser Hadrians:

Quellen:

Siegerinschrift aus Magnesia am Mäander, Öffnet externen Link in neuem FensterIMagn 192:

Literatur:  Öffnet externen Link in neuem FensterL. Robert, Pantomimen im griechischen Orient, Hermes  65, 1930, 117 f. (= Opera Minora Selecta, I, Amsterdam 1969) ; M. Clavel-Lévêque, L'Empire en Jeux. Espace Symbolique et Pratique Sociale dans le Monde Romain (Paris 1984) 106; H. Leppin, Histrionen, Antiquitas 41 (Bonn 1992) 172. 175.

Inschrift des Pantomimen Actius Öffnet internen Link im aktuellen FensterCassino: CIL X 1946; ILS 5183:

C(aius) Ummidius
Actius
Anicetus
pantomimus

Kommentar: Die "sodales" des C. Ummidius Actius wurden auf pompejanischen Inschriften (CIL IV 2155. 5233) "Actiani" genannt.

Literatur: RE 23 (Stuttgart 1959) 1 f. s.v. Actiani (M. Bonaria); M. Verzár-Bass, I teatri dell'Italia settentrionale, in: La città nell'Italia settentrionale in età Romana, Atti del convegno organizzato dal Dipartimento di scienze di antichità dell'Università di Trieste e dall École française de Rome, Trieste, 13-15 marzo 1987, Coll. de l'École Française de Rome 130 (Triest - Rom 1990) 433; H. Leppin, Histrionen (Bonn 1992) 191.

Ehreninschrift des Pantomimen Lucius Aurelius Pylades Theocritus; FO: Pozzuoli, Via Antiniana; AO: in situ; AE 2005, 337:

L(ucio) Aurelio Aug(usti) lib(erto) Pyladi
pantomimo temporis sui primo
hieronicae coronato IIII patrono
parasitorum Apollinis sacerdoti
synhodi honorato Puteolis d(ecreto) d(ecurionum)
ornamentis decurionalibus et
duumviralibus auguri ob amorem
erga patriam et eximiam libera-
litatem in edendo munere gladi-
atorum venatione passiva ex indul-
gentia sacratissimi principis
[[Commodi Pii Felicis Aug(usti)]]
centuria
Antia

Ehreninschrift des Pantomimen Lucius Aurelius Pylades Theocritus; AO: Neapel Mus. Naz.; ILS 5186; Neg. DAI Rom 85,3217 (Öffnet externen Link in neuem FensterBild):

L(ucio) Aurelio Aug(usti) lib(erto)
Pyladi
pantomimo temporis sui primo
hieronicae coronato IIII patrono
parasitorum Apollinis sacerdoti
synhodi honorato Puteolis d(ecreto) d(ecurionum)
ornamentis decurionalibus et
duumviralibus auguri ob amorem
erga patriam et eximiam libera-
litatem in edendo munere gladi-
atorum venatione passiva ex in-
dulgentia sacratissimi principis
[[Commodi Pii Felicis Aug(usti)]]
centuria Cornelia

Kommentar: Es handelt sich um zwei fast gleichlautende Inschriften für den auch in Öffnet internen Link im aktuellen FensterMailand belegten Pylades bzw. Schüler des gleichnamigen und in Öffnet internen Link im aktuellen FensterGenua belegten Pantomimen. Die von der centuria Cornelia aufgestellte ist seit längerem bekannt und befindet sich im Museo Nazionale di Napoli, die andere von der centuria Antia gestiftete soll noch in situ sein und sich im Archäologischen Park an der Straße von Puteoli nach Neapolis befinden.

Literatur: A. Sogliano, Not. Scavi 1888, 236 f.; Öffnet externen Link in neuem FensterTh. Mommsen, Tre iscrizioni puteolane, Mitt DAI Rom 3, 1888, 79-82; Ephemeris Epigraphica VIII 98 f. Nr. 369; RE 23 (Stuttgart 1959) 2083 s.v. Pylades Nr. 4 (R. Hanslik); H. Leppin, Histrionen (Bonn 1992) 286; C. Gialanella, Puteoli, il parco archeologico della Via Puteolis-Neapolim, in: dies. (Hrsg.), Nova antiqua Phlegraea: nuovi tesori archeologici dai Campi Flegrei. Guida della mostra Bacoli, Casina Vanvitelliana del Fusaro, 24 luglio-31 ottobre 2000 (Neapel 2000) 65; C. Gialanella, La necropoli del suburbio orientale di Puteoli, in: P. Fasold - M. Heinzelmann - J. Ortalli - M. Witteyer (Hrsg.), Römischer Bestattungsbrauch und Beigabensitten in Rom, Norditalien und den Nordwestprovinzen von der späten Republik bis in die Kaiserzeit = Culto dei morti e costumi funerari romani Roma, Italia settentrionale e province nord-occidentali dalla tarda Repubblica all’età imperiale, Palilia, 8 (Wiesbaden 2001) 163; M.L. Caldelli, Eusebeia e dintorni: su alcune nuove iscrizioni puteolane, Epigraphica 67, 2005, 64; M.-L. Caldelli, Le iscrizioni della via Puteoli-Neapolis, Archeologia Classica 58, 2007, 443 Nr. 6; AE 2007, 378.