Kourion, römisches Theater (Photo B. Hof-Barocke)
Kourion, römisches Theater (Photo Heimes)
Kourion, Stelle eines der aditus maximi im römischen Theater (Photo B. Hof-Barocke)

Inschriften

Bauinschrift des Proconsuls D. Iulius Cordus der Jahre 64 oder 65, IGKourion 107, Öffnet externen Link in neuem FensterAE 1975, 834:

[Nero Claudius Caesar Aug(ustus) Germanicus pont(ifex) max(imus) trib(unicia)] [pot(estate) ... p(ater) p(atriae) Ciriensium ci]vitati [per Q(uintum)] [I]ulium [Cordum] p[roco(n)sulem theatrum restituit]

Übersetzung:
Nero Claudius Cäsar Augustus Germanicus, Oberpriester, Inhaber der tribunizischen Gewalt ...
Vater des Vaterlandes, hat der Gemeinde der Bürger von Kurion durch den Proconsul Quintus Julius Cordus das Theater wiederherstellen lassen ...

Literatur: M. Horster, Bauinschriften römischer Kaiser, Historia Einzelschriften 157 (Stuttgart 2001) 66 Anm. 170; J. Blänsdorf, Das römische Theaterwesen der Kaiserzeit im Spiegel der Inschriften, in: J. Fugmann u.a. (Hrsg.), Theater, Theaterpraxis, Theaterkritik im kaiserzeitlichen Rom, Kolloquium anläßlich des 70. Geburtstages von Prof. Dr. Peter Lebrecht Schmidt 24./25. Juli 2003 Universität Konstanz (München/Leipzig 2004) 115.

Maße

Dm cavea 52 m (augusteisch); 62 m (trajanisch).

Dm orchestra 15 m (hell.); 17,2 m (traj.)

Beschreibung

Das römische Theater folgte zu augusteischer Zeit einem hellenistischen Bau an gleicher Stelle. Der Komplex ist an den Hang der Akropolis angelehnt. Während der Zuschauerraum des griechischen Theaters den Halbkreis überschritt, wurde die cavea beim römischen Umbau auf einen Halbkreis reduziert und die analemma-Mauer parallel zur Bühne gezogen. Der Zuschauerraum besteht aus ima und summa cavea, der wahrscheinlich noch eine porticus in summa cavea folgte. In der trajanischen Phase besaß die ima cavea 19 Sitzreihen in 5 kerkides, die summa cavea 6 Reihen in 6 kerkides. Über den aditus maximi hatte sich sich das Zuschauerrund ursprünglich fortgesetzt. Unter der summa cavea bzw. ihrer porticus verläuft ein gewölbter Umgang, der aus den aditus maximi zugänglich war und über drei Eingänge von der Westseite der cavea-Ummauerung. Ein äußerer Treppenturm führte aus dem überwölbten Umgang zur summa cavea. Von der hellenistischen Bühne blieben Reste in Form von Halbsäulen erhalten, die in der augusteischen Bühne wiederverwendet wurden. Unter Kaiser Nero wurde das Bühnengebäude vollendet. Ein Erdbeben im Jahre 77 zog das Theater in Mitleidenschaft, das unter Kaiser Trajan erneuert wurde. Die scaenae frons wurde im späten 2. Jh. in Marmor ausgebaut und hatte vorher noch aus Kalkstein bestanden. Im 3. Jh. erfolgte ein Umbau für Gladiatorenkämpfe indem man die untersten 2 reihen der römischen Sitze entfernte und ein eisernes Gitter erbaute. Ein carcer in der Mittelachse der cavea öffnete sich nun in die orchestra. Hierüber blieb das Tribunal noch erhalten. 

Literatur 

R. Stillwell, Kourion. The Theater, Proceedings of the American Philological Society 105, 1961, 37-78.

Öffnet externen Link in neuem FensterV. Karageorghis, BCH 86, 1962, 412. 414.

T. B. Mitford, Roman Cyprus, in: ANRW II 7,2 (Berlin – New York 1980) 1316. 1365.

D. Whittingham, in: H. Wylde Swiny (Hrsg.), An Archaeological Guide to the Ancient Kourion Area and the Akrotiri Peninsula (Nikosia 1982) 125-131.

D. Soren – J. James, Kourion: The Search for a Lost Roman City (New York 1988) 196-199.

P. Ciancio Rossetto – G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, I (Rom 1994) 279 f. (H. P. Isler).

D. Christou, Kourion - Seine Monumente und lokales Museum (Nikosia o. J.) 22-25.

F. Sear, Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford Monographs in Classical Archaeology (Oxford 2006) 381 Abb. 408.

link:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://pagesperso-orange.fr/claude.philip/Pays/chypre/frame.htm

Reflexe des Theaterlebens

Terracottafigürchen eines Schauspielers aus Kourion:

Literatur: I. Nicolaou, Acteurs et Grotesques de Chypre, in: R. Étienne - M.-Th. le Dinahet - M. Yon (Hrsg.), Architecture et Poesie, hommage à G. Roux (Lyon 1989) 281 Nr. 32.